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Von wegen alter Hut!

Ravensburger/C.A. Nitsche-Neves: Fang den Hut!

Nur wenige Spiele haben ein so unverwechselbares und "haltbares" Design wie Fang den Hut!

Design oder nicht sein. Das war schon damals die Frage, als ein Österreicher einem deutschen Spiel ein unverwechselbares Gesicht gab.

Dr. Fritz Ehlotzky, 1986 im mährischen Teil der k.u.k. Monarchie geboren, schuf 1927 im Sinne des damals revolutionären Bauhaus-Stils eine zeitlose Aufmachung für ein Brettspiel: Drei schnörkellose Männchen in Grün, Rot und Gelb jagen einander vor schwarzem Hintergrund auf knallgelbem Grund. Der hinterste setzt gerade dazu an, dem voraus eilenden Mann seinen Spitzhut überzustülpen. Das "Drüberstülpen" war der damals Clou: Zuvor wurden Spielsteine des Gegners allenfalls geschlagen, nun nahm man sie auf höchst amüsante Weise gefangen. Außerdem gewannen die Figuren bei Fang den Hut! Bewegungsfreiheit: Sie durften in einem Brettspiel erstmals verschiedene Richtungen einschlagen, statt immer in die selbe zu marschieren. Bis heute hat es bei den Würfelspielen nur wenig ähnliche Neuerungen gegeben. Und vielleicht heißt es deshalb auch bis heute: auf der Hut sein, eigene Gefangene schleunigst befreien, bevor sie der Gegner unter seine Hüte steckt.

Ungeklärte Herkunft

So zu sagen aus dem Hut gezaubert hat den Bestseller ein gewisser C. A. Nitsche-Neves, der mit einem Modell 1925 beim Ravensburger Otto Maier Verlag aufkreuzte. Von ihm weiß man nur, dass er in den 20er-Jahren nach Argentinien auswanderte. Manche behaupten, er habe seine Überfahrt durch den Verkauf der Spielidee finanziert.

Andere glauben, er hätte in Südamerika mit Brettspielen alter Indianerkulturen Bekanntschaft gemacht, die ebenfalls einen kreuzförmigen, von einem Ring umgebenen Spielpan aufweisen, und habe erst nach dieser Vorlage sein eigenes Spiel entworfen.

Sicher ist, dass seither Design und Basisregelwerk unterschiedlichste Epochen unverändert überstanden haben und Fang den Hut! hierzulande seine Stellung als populärstes Würfelspiel nach Mensch, ärgere Dich nicht! mühelos behauptet hat.

Allerdings war das Konzept offen genug für interessante Ergänzungen: In den 50er-Jahren wurde die sogenannte Offensivregel eingeführt, später durften bis zu sechs Spieler Parteien bilden – ganz nach dem Vorbild des indischen Urspiels Pachisi (von dem Nitesche-Neves sich vermutlich auch die Ruhefelder abschaute) – dann kam die Turmvariante und als Krönung der Goldene Hut, der anders als die 08/15-Hütchen innerhalb eines Zuges die Richtung wechseln und selbst auf den Ruhebänken räubern durfte.

Gleich geblieben ist lange Zeit auch der Preis. Anfangs kostete der Karton mit den von Hand geklebten Hütchen aus Glanzpapier und noch unregelmäßig abrollenden, handbemalten Würfeln 1,50 Reichsmark, dann über lange Zeit um die zehn Mark bzw. 100 Schilling. Auch heute im Zeitalter unverwüstlicher Kunststoffhütchen gehört Fang den Hut! zu den günstigsten Gesellschaftsspielen.

Daten & Fakten

 2005 hat Fang den Hut!, das am weitesten verbreitete deutsche Brettspiel, eine sanfte optische Verjüngungskur erfahren (Bild oben). Der Verlag eröffnete damit die Reihe "Ravensburger Klassiker".

Das unverwechselbare Erscheinungsbild ist geblieben. Es geht auf den österreichischen Architekten und Grafiker Dr. Fritz Ehlotzky zurück: 1927 erhelt er den Auftrag, das Spiel zu gestalten. Der Einfluss des Bauhaus' und der neuen Sachlichkeit ist unverkennbar. Der Auftrag kam nicht von ungefähr: Ehlotzky war damals für den Otto Maier Verlag (Ravensburger) so etwas wie Hausgrafiker und bei Sachbüchern auch Hausautor: zum Beispiel von "Wir bauen uns ein Haus" (ca. 1940) und "Gebrauchsformen aus Papier und Pappe" um 1930. Sein Buch "Der Original-Holzschnitt" (aus 1914) ist ein begehrtes Antiquariatsstück. Seit 1942 gilt Ehlotzky als im Krieg verschollen.

Als Erfinder von Fang den Hut! gilt der Auswanderer C. A. Nitsche-Neves aus Mecklenburg, von dem kaum mehr bekannt ist. Seit dem Erscheinen des Spiels wurden über 26 Millionen Stück verkauft. In den USA heißt es Headache (Kopfweh), in England Trap the Cap, in Frankreich wird es als Chapeau, chapeau! und in Holland als Hoedje jagen! gespielt.

 

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