• 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9

Hier wird gespielt

10 Apr
Nachts im Spielemuseum
10.4.2020 19.00
16 Apr
24 Apr
25 Apr
Suisse Toy
25.4.2020 - 3.5.2020

Login

Spielwiese-Test 29/990: Café International

In diesem Kaffeehaus trifft sich die Welt

Sie würden gerne mit der hübschen Natascha ein Plauderstündchen halten? Oder sich mit einem Texaner über die Ölpreise unterhalten? Vielleicht wollen Sie aber liber mit einem kubanischen Revolutionär eie gepflegte Havanna schmauchen? Haben Sie es lieber "very british" oder möchten Sie sich mit einer heißblütigen spanischen Senorita zu einem Rendezvous verabreden? Alles kein Problem.

Überarbeitet aus Spielwiese 1/89
 

 

 

So sah der Spielplan der Erstausgabe bei Mattel 1989 aus: 24 Tische, jeweils zwei einer Nation zugeteilt, in der Mitte die Bar.

Bilder: Amigo, Mattel

 
Daran hat sich in der aktuellen Ausgabe von Amigo praktisch nichts geändert, nur die Farben und ein paar grafische Details sind ein bisschen anders.
 

 Auch die Regeln des Legespiels sind dieselben. Im oberen Beispiel darf der englische Gentleman auf dem Stuhl platziert werden, weil am englischen Tisch bereits eine Dame sitzt und somit das Zwei-Geschlechter-Prinzip eingehalten wird. Das gleiche Paritätsprinzip wird auch am an und für sich afrikanischen Tisch rechts eingehalten: Hier sitzen bereits je ein Herr und eine Dame, aber der vierte Stuhl ist noch leer – und darf später nur mit einer Dame besetzt werden.

 Hier schaut die Sache anders aus. Statt der englischen Dame sitzt bereits ein englischer Herr am Tisch, ein zweiter darf aber erst dann Platz nehmen, wenn mindestens auch eine Dame an diesem Tisch sitzt.

 
Joker tauschen ist immer gut, wenn man das passende Nationenkärtchen hat – in diesem Fall entweder einen Spanier oder einen Chinesen. Mit dem so erworbenen Joker kann anderswo wieder eine Lücke gefült werden.
 

 Café International zierte den Titel der dritten Ausgabe der Spielwiese. Das war Anfang 1989. Wenige Monate später wurde es zum Spiel des Jahres gekürt. Erschienen war das Spiel damals bei Mattel. Lesen Sie eingangs die Spielekritik aus der Ausgabe 1/89, die im Nachfolgenden um Angaben zur Neuauflage von Amigo ergänzt ist.

Die Spielekritik von 1989

Wir laden Sie ein ins "Café International". Nehmen Sie sich ein Stündchen Zeit und genießen Sie kosmopolitisches Flair. Inder und Franzosen, Afrikaner und Chinesen, Sie lernen sie alle kennen, und das gleich paarweise.

Der ansprechend gestaltete Spielplan zeigt uns in der Mitte des "Café International" eine Bar mit 20 Feldern. Rings um die Bar sind 24 Tische für ein Dutzend Nationen platziert. Als Spielmaterial stehen jeweils 48 Damen- und Herren-Nationenkärtchen zur Verfügung,sowie zwei Joker-Damen und zwei Joker-Herren. Ziel des Spiels ist es nun, durch geschicktes Auslegen der Nationenkärtchen am Ende des Spiels die meisten Punkte (=Chips) zu sammeln.

Die 96 Nationenkärtchen werden verdeckt gemischt. Jeder Mitspieler zieht sich – ebenfalls verdeckt – fünf Kärtchen und legt diese offen vor sich ab. Dann einigt man sich auf einen Startspieler. Später geht es im Uhrzeigersinn weiter. Wer am Zug ist, legt ein oder zwei Nationenkärtchen an den passenden Tisch. Ein Beispiel: Die rassige Senorita gehört an einen der beiden Spanien-Tische. Zur Orientierung sind auf allen Kärtchen und Tischen die Nationalflaggen abgedruckt. Es dürfen aber, außer im ersten Spielzug, immer nur Damen und Herren gemeinsam an einem Tisch Platz nehmen. Ein gemischtes Doppel, sozusagen. Niemals dürfen zwei Herren oder zwei Damen allein an einem Tisch sitzen. Die Geschlechter dürfen auch nicht 3:1 an einem Tisch vertreten sein.

Einige Stühle verbinden zwei Tische verschiedener Nationen rniteinander. Hier können Kärtchen abgelegt werden, die entweder zum einen oder zum anderen Tisch passen (dabei kann auch doppelt gepunktet werden!). Ein Paar am richtigen Tisch platziert bringt zwei Punkte. Setzen Sie zu einem Herrn die passende Dame (oder umgekehrt), kassieren Sie einen Punkt. Drei Punkte bekonunen Sie, wenn Sie zu einem Pärchen eine weitere passende Nationenkarte auslegen können. Setzen Sie nun zu den drei vorhandenen Personen die richtige vierte, bringt das vier Punkte. Sollten Sie in der Lage sein, einen astreinen Nationentisch zu bilden, verdoppelt sich Ihr Punktegewinn auf acht.

Jedes Ablegen muss Punkte bringen, das ist eine Grundregel dieses neuen Spiels von Mattel. Danach wird der Kartenvorrat wieder auf fünf ergänzt.

Nationenkärtchen, für die Sie keine Verwendung haben, können an der Bar untergebracht werden. Aber hier heißt es aufpassen! Zu Beginn des Spieles bringt der Gang an die Bar noch Punkte. Sobald jedoch die erste Reihe an der Theke voll ist, müssen Sie für jeden weiteren Ihrer Barbesucher Punkte abgeben.

Das Spiel ist zu Ende, wenn entweder alle Felder an der Bar belegt, alle Stühle um die Tische besetzt oder nur mehr vier Nationenkärtchen vorrätig sind. Dann kommt die große Abrechnung. Für jedes Nationenkärtchen, das Sie vor sich liegen haben, zahlen Sie fünf Punkte in die Kasse zurück, für jeden übriggebliebenen Joker zehn. Wer zum Schluss die meisten Punkte hat, ist Sieger und hat bewiesen, dass er sich auf internationalem Parkett tadellos bewegen kann.

Dieses Spiel von Rudi Hoffmann  (Ogallala, Hamstern, Janus, u.a.) ist eine der herausragenden Neuheiten dieses Jahres und eines der wenigen, das zwar für eine Spielrunde bis vier Personen konzipiert ist, aber auch zu zweit nichts an seinem Spielwitz einbüßt."         

HAPF
 

Die aktuelle Ausgabe

Um das Spiel gab es einiges Hin und Her, als Mattel sich hierzulande wieder mehr auf Kunststoffspielzeug und Barbie konzentrierte (siehe unten "Rund ums Spiel"). Amigo ist es zu verdanken, dass dieser moderne Klassiker weiterhin im Handel ist. Vollkommen zu recht, denn Café International ist zeitlos. Ein paar grafische Details sind von Amigo leicht verändert und modernisiert worden, aber sowohl die Illustrationen, das Grundlayout des Spielplans und die Regeln blieben unverändert.

Natinalitätenkärtchen, die einem zum Schluss übrig bleiben, bringen Abzug. Das wurde schon erwähnt. Wer im Verlauf des Spiels einen reinen Tisch, also mit vier gleichen Nationiltäten vervollständigen kann, darf dafür ein Nationalitätenkärtchen weniger aus dem Beutel ziehen. Das schmälert zwar die Legemöglichkeiten, verringert aber auch das Risiko für die Schlusswertung.

Doch am schmerzhaftesten ist es, wenn man mangels anderer Möglichkeit eines seiner Nationenkärtchen im späteren Verlauf an die Bar setzen muss und saftige Minuspunkte kassiert. Deshalb solllte man bei Café International – so unser Tipp – Chancen nicht verstreichen lassen anderen beim Legen zuvorzukommen. Das heißt: Immer im Auge behalten, welche Möglichkeiten die Mitspieler haben und sofort reagieren, wenn durch das Nachziehen eines Mitspielers dessen Ausgangslage für die nächste Runde einem selbst Möglichkeiten nimmt. Café International ist bei aller Liebe auch ein durchaus gemeines Spiel.

Zwar wurde immer wieder einmal da oder dort die Nase gerümpft, das Spiel begünstige fremdenfeindliche Ausrutscher, aber das ist kleingeistig. Rudi Hoffmann hatte da genau das Gegenteil, nämlich das Völkerverbindende im Sinn. Auslöser waren Urlaubserinnerungen: "Paris. Das gemütliche Bistro auf dem Boulevard St. Michel. Frühling liegt in der Luft. Menschen aus aller Herren Ländern sitzen zusammen und amüsieren sich. Lautes Rufen, fröhliches Gelächter, angeregte Unterhaltungen lassen meine Ohren summen …"

Angenehm: Gegenüber der Originalausgabe ist das Spiel heute sogar wesentlich billiger. Ein Investment, das sich sowohl für spielerisch Unbedarfte als auch regelmäßige Spieler mit Hang zu Taktiereien lohnt – wenn sie nicht ohnehin schon ein Exemplar haben. Denn Café International zählt zu den wenigen Spielen des Jahres, die aufgrund ihrer Einfachheit bei gleichzeitig großem Spielwitz wohl nie aus der Mode kommen werden.

 

 Nr. 29/990: Café International

 

Spielwiese-Code  |   | E | 10 |  |  

1999: Amigo

1998: Relaxx

1989: Mattel

  • Legespiel für 2 bis 4 Spieler ab 10 Jahre
  • Autor: Rudi Hoffmann
  • Verlag: Amigo
  • ca.-Preis: 23,– €

   Themen: Völker, Gastronomie

      Preis-Leistungsverhältnis   
      Spielmaterial 
      Wiederspielreiz         
      Anspruch
  
   Glücksanteil        

  • Zielgruppe: Familien
  • Spieldauer: 45 bis 60 Minuten
  • Spielmaterial: Schon Mattel trieb es ziemlich bunt und ließ kein Nationenklischee bei den Illustrationen aus
  • Spielanleitung: sehr gut
  • Anspruch: verlangt etwas an Aufmerksamkeit
  • Spielreiz: sehr hoch
  • Glücksanteil: gerade am vertretbaren Limit

 -Service:

Spielanleitung zum Download

Auszeichnungen

  • Spiel des Jahres 1989

Rund ums Spiel

  • Das Original bei Mattel traute man erst 12-Jährigen zu
  • Mattel war erst ein Jahr zuvor (wieder) groß in den Markt mit Brettspielen eingestiegen. Verantwortlich zeichnete der Verlagsmanager und Spieleautor Roland Sieger, dem im zweiten Jahr gleich der Erfolg mit einem Spiel des Jahres gelang – dennoch verabschiedete sich Mattel bereits 1992 wieder weitgehend von klassischen Brettspielen
  • Den gleichen Spielmechanismus verwendete Rudi Hoffmann für das im selben Jahr bei Hans im Glück erschienene Maestro und schaffte es auch kurioserweise auch damit auf die Auswahlliste zum Spiel des Jahres
  • Siegers gründete 1998 auch einen eigenen Spieleverlag Relaxx und brachte dort auch Café International heraus. Der Verlag ging allerdings sehr schnell Pleite
  • 1999 trat schließlich Amigo auf den Plan und übernahm Café International
  • Amigo brachte 2001 das Café International – Das Kartenspiel heraus sowie 2007 ein Café International Junior (beide von Roland Siegers mit Rudi Hoffmann adaptiert)



 

Selbstverständlich erfüllt diese Website die Pflicht zum Hinweis auf den Einsatz von Cookies. Durch Cookies können Internetseiten nutzerfreundlicher, effektiv und sicherer gemacht werden. Durch die Nutzung dieser Website erklärst du dich damit einverstanden, dass sie Cookies verwendet. .