• 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9

Hier wird gespielt

10 Apr
Nachts im Spielemuseum
10.4.2020 19.00
16 Apr
24 Apr
25 Apr
Suisse Toy
25.4.2020 - 3.5.2020

Login

Spielwiese-Test 1008: Monopoly World

Irgendwie lebensnah

Zu jenen Spielen, die erfolgreich sind, weil es sie einfach schon lange gibt, zählt Monopoly. Kein anderer Hersteller versteht es so geschickt wie Parker, sein wichtigstes Spiel immer wieder dem Zeitgeist anzupassen. Machen wir doch, gerade jetzt in der Wirtschaftskrise, einmal ein Gedankenexperiment …

 

  Globales Spielen: 22 Städte aus allen Erdteilen haben es nach einer Internet-Wahl auf ein Spielfeld geschafft. Andere Metropolen müssen sich mit einem kleinen Foto begnügen.
   
 
  Die einzige wirkliche Neuheit bei Monopoly World: Auf dem Bankkartenlesere gib es eine Deal-Taste (die beiden Hände), über die brachliegende Grundstücke versteigert werden. 
   

 Stellen wir uns einmal vor, Monopoly und damit seine fast schon unzähligen bisher erschienenen verschiedenen Ausgaben gäbe es nicht. Monopoly käme als originäre Neuheit auf den Markt, in Form der aktuellen Edition Monopoly World.

Schon der Name! Monopole, buuh! Wer will noch in Zeiten wie diesen mit diesen Leuten, die hinter Monopolen stecken und als Mitverursacher der Wirtschaftskrise angesehen werden, etwas zu tun haben. Auf der anderen Seite: Irgendwie hat ja ein Gutteil dieser Leute seine Schäfchen ins Trockene gebracht. Die Draufzahler sind ja nicht die da oben, sondern wir kleinen Männer da unten. Und unser Traum war es doch immer so zu sein wie die – naja, wenigstens hätten wir gerne so viel Geld und Wohlstand wie die. Kann ich diesen Traum also in dem Spiel Monopoly World ausleben?

Nur aufs Geld ist Verlass

Die Weltherrschaft, das suggeriert der Titel ja auch, rückt in greifbare, wenn auch imaginäre Reichweite. Das hat was vom Plot der James-Bond-Filme. Da greift ja auch immer einer nach dem globalen Ganzen. Aber der Agent mit der Doppelnull ist in seinem neuesten Abenteuer ja auch zum wertelosen Trinker abgestumpft. Was leben wir doch in einer verwirrenden Welt!

Nur aufs Geld ist Verlass. Wenn man es denn hat. Bei Monopoly World haben wir immerhin 15 Millionen. Mit diesem Kapital lässt sich doch was anstellen. Natürlich nur virtuell, denn nicht einmal Spielgeld ist dem Spiel beigelegt, sondern Bankkarten. Plastikgeld. Man spielt auf Pump. Irgendwie lebensnah. Auch das Spielziel. Wenn alle anderen Bankrott gegangen sind, ist man Sieger.

Wie man die anderen in den Ruin treibt, ist bei Monopoly World Kapitalismus pur. Da wird kein Wort über staatliche Deregulierung, geschweige denn Subventionen verloren. Jeder ist sich selbst der nächste. Angebot und Nachfrage. Als Globetrotter werden wir übers Spielfeld gejagt. Alles sehr simpel. 22 Felder sind mehr oder weniger bekannte Metropolen dieser Welt. New York, Paris, Sidney, Gdingen … Gdingen? Da hat sich die Internet-Community wohl einen Scherz erlaubt! Die hat darüber online abgestimmt, welche Städte auf den Spielplan kommen. Sei's drum. Dann eben Gdingen. Liegt angeblich in Polen.

Das Kapital reicht nicht weit

Die Städte kann man kaufen, kosten zwischen 600.000 und vier Millionen Monopoly-Dollar. Dazu muss man mit seiner Spielfigur erst mal drauf landen. Die Figuren sind hübsch. Ein Torero, ein Koalabär, eine Windmühle usw., aus Zinn gegossen repräsentiert jede ein anderes Land. Was aber spieltechnisch völlig wurscht ist. Blöd ist, wenn man sich auf eine Stadt würfelt, die ein anderer besitzt. Dann muss man an ihn Miete bezahlen. Das hält sich anfangs noch in akzeptablen Grenzen, da mal 60 Monopoly-Dollar, dort 250. Aber wehe, ein Mitspieler hat seine Stadt mit Häusern oder gar einem Hotel aufgemotzt. Dann wird es richtig teuer. 17 Millionen Monopoly-Dollar, wenn schon vier Häuser auf Montreal stehen. Für jedes Haus in Montreal – das ist das teuerste Pflaster – hat der Spieler zwei Millionen bezahlen müssen, das ergibt eine ordentliche Rendite. So ein Kapitalistenschwein!

Man sieht, mit den 15 Millionen Startkapital kommt man nicht weit. Man wird in Investitionen gezwungen. Immer in der Hoffnung, dass sich die Mitspieler so oft als möglich auf eines der Felder verirren, die man besitzt. Steuern lässt sich hier gar nichts. Monopoly World ist Zufall. Bewegt werden die Figuren mit dem Werfen von zwei Würfelaugen. Das einzige Regulativ ist, dass man nicht wahllos Häuser und Hotels bauen darf. Dazu muss man nämlich zuerst im Besitz von Städten der selben Farbgruppe sein. Warum gerade Kapstadt, Belgrad und Paris eine – grüne – Gruppe bilden, versteht keiner. Es ist aber so. Bis vor kurzem hat ja auch keiner geahnt, dass seine biedere Hausbank mit den Lehman Brothers unter einer Decke steckt.

Win-Win-Situationen

Weil nun aber durch Zufall Spieler A Kapstadt besitzt, Spieler C Paris und Spieler D Belgrad, sind allen die Hände gebunden. Bis einer vorprescht und ein unmoralisches Angebot macht. "Gib mir Paris und du bekommst fünf Millionen" oder "Tausche Belgrad gegen Hongkong". Weil der Hongkong-Eigentümer schon die beiden anderen gelben Städte Jerusalem und Peking hat. Wie nennt man das im Wirtschaftsleben? Win-Win-Situationen herbeiführen. Alles eine Frage des Geldes.
 
Solche Handelsdiskussionen sind das spannendste bei Monopoly World. Denn eigentlich zieht sich das Spiel, seien wir einmal ehrlich, wie ein Strudelteig. Ende nie. Mal ein, zwei Millionen rauf, mal ein paar Hunderttausend hinunter. Sich den Überblick über das momentane Vermögen zu bewahren, ist eigentlich auch mühsam. Ein Bankkartenleser, der zwei Batterien braucht, zeigt den Stand an Monopoly-Dollar an, wenn man seine Bankkarte hineinschiebt. Für jede Transaktion, ob man nun kauft, verkauft oder eine Hypothek aufnimmt (Hypotheken – waren die nicht der Auslöser der Finanzkrise?), muss das piepsende Kästchen bemüht werden. Bankkarte oder zwei Bankkarten rein geschoben, Zahlen eingeben, bestätigen. Das kann nerven. 

Noch sind die wenigsten Schuldigen der Wirtschaftskrise hinter Gittern, aber Monopoly World nimmt die Zukunft bereits vorweg. Hier gibt es ein Gefängnis. Und offenbar sind alle Mitspieler verdächtig, denn es kann jeden treffen, der zufällig auf das Gefängnisfeld kommt oder eine entsprechende Ereigniskarte zieht. Wer nicht bereit ist sich mit 500.000 Monopoly-Dollar freizukaufen, braucht Würfelglück, sonst sitzt er drei Runden hinter schwedischen Gardinen und die anderen machen derweil ihre Geschäfte. Man tut also meist gut daran, sich freizukaufen. Nur als kleiner Tipp.

Das Startfeld liefert einen Ausgleich. Wer darüberzieht, bekommt zwei Millionen von der Bank. Wer punktgenau landet, sogar vier. Das tut gut. Ist aber auch nur Willkür.

Fazit

So bleibt folgendes Fazit für das Spiel. Es passt zwar gut in die momentane Situation, aber man wird gespielt, für eigenes Handeln ist kaum Platz. Irgendwie wie im Leben. Aber wäre das alles nicht auch kürzer gegangen? Zwei, drei Stunden sind gleich einmal mit Monopoly World verbracht. Und für diese lange Zeitspanne bietet es zu viel Monotonie und zu wenig Spielwitz. Wer hat sich so etwas nur einfallen lassen?!

Nachsätze

Das war Anfang der 30er-Jahre der Amerikaner Charles Darrow (wenngleich es ähnliche Spielideen andere schon früher hatten, aber er war eben derjenige, der als Erster damit Erfolg hatte). Auch damals war Wirtschaft ziemlich am Boden. Insofern stimmt die Parallele.

 

Um Monopoly zu beschleunigen, hat Parker schon vor einiger Zeit Schnellspiel-Regeln herausgegeben. Wir halten sie für sehr sinnvoll. Vor Beginn bekommt jeder Spieler zwei Grundstücke zugelost, die natürlich bezahlt werden müssen. Weiters braucht es nur drei statt vier Häuser, um ein Hotel zu errichten. Und das Spiel endet, wenn der zweite Spieler bankrott ist. 

 

Aber verlassen wir das Gedankengebäude, in dem es bis dato kein Monopoly gab. Schauen wir uns an, was Monopoly World bietet, was andere Editionen nicht haben. Das Spielprinzip ist das gleiche. Stadt einer Stadt oder eines Landes oder der Welt von Star Wars, jener von SpongeBob oder einem anderen bemühten Lizenzthema gibt es hier eben 22 Städte aus allen Kontinenten. Der Reiz der neuen Edition besteht darin, dass diese Vielfalt mithilfe der Monopoly-Fans in aller Welt ermittelt wurde. Jeder konnte abstimmen und seine Lieblingsstadt im internationalen Ranking pushen. Es ist auch die erste wirklich weltumspannende Ausgabe in dem Sinn, dass in Hongkong, Berlin oder Dschibuti mit dem selben Spielbrett gespielt wird.

Der Bankkartenleser ist an sich keine Neuheit. Den gab es in etwas anderer Form schon bei den Banking-Ausgaben von Monopoly, wo erstmals aufs Spielgeld verzichtet wurde. Das schafft zwar mehr Platz am Spieltisch, geht aber auf Kosten direkter Interaktionen. Das Spiel wird dadurch ins Virtuelle verlagert, da man außer einer Plastikkarte, die man ständig zücken muss, buchstäblich nichts mehr in der Hand hat. Die nervigen Piepsgeräusche lassen sich zwar abschalten, aber dann geht auch ein Stück Kontrolle verloren, ob der Bankkartenleser auch tatsächlich die Transaktion ausgeführt hat. Es ist ein Stück weit Geschmackssache, ob man lieber "elektronisch" oder mit Spielgeld seine Geschäfte treibt.

Die einzige wirkliche Neuheit ist der Deal-Button am Bankkartenleser. Über ihn können noch besitzlose Felder versteigert werden. Dann nämlich, wenn der Spieler, der darauf gelandet ist, die Stadt, Reisemittel oder Energieanlagen nicht zum regulären Preis kaufen will oder kann. Wird die Taste gedrückt, haben alle Spieler – durch einen Zufallsgenerator gesteuert – 13 bis 50 Sekunden Zeit sich zu überbieten. Die Versteigerung beginnt bei wohlfeilen 10.000 Monopoly-Dollar. Damit werden Schnäppchen möglich, vor allem aber kommen Grundstücke etwas schneller an den Mann und ins Spiel.

Was bei Monopoly World wie bei allen anderen bisherigen Editionen bleibt, ist der vergleichsweise immense Zeitaufwand für ein Spiel. Aber der hat Millionen Menschen schon bisher nicht abhalten können. Das Faszinosum Kapitalismus wiegt schwerer. 1930 wie 2009.

 

 Nr. 1008: Monopoly World

 

Spielwiese-Code  |   | E | 8 |  |

2008: Parker

  • Wirtschaftsspiel für 2 bis 6 Spieler ab 8 Jahre
  • Autor: Im Ursprung 1930 Charles Darrow
  • Verlag: Parker
  • ca.-Preis: 55,– €

   Themen: Geografie, Wirtschaft

      Preis-Leistungsverhältnis   
      Spielmaterial 
      Wiederspielreiz 
      Anspruch
      Glücksanteil

  • Zielgruppe: Familien, Monopoly-Fans
  • Spieldauer: 60 bis 180 Minuten (siehe Spielwiese-Tipp)
  • Schachtelinfo: da das Spielprinzip als bekannt vorausgesetzt werden kann, beschränkt sich der Text auf die Besonderheiten wie etwa die Auswahl der Städte und das Material
  • Spielmaterial: sehr gut – welche sechs Spielfiguren enthalten sind, ist eine Überraschung. Denn insgesamt gibt es 24 verschiedene
  • Spielanleitung: gut und übersichtlich
  • Anspruch: Gier?
  • Spielreiz: seit über 30 Jahren ungebrochen und Teil unzähliger Expertisen
  • Glücksanteil: sehr hoch

Rund ums Spiel

  • Die erste wirkliche globale Ausgabe des Bestsellers: Die Grundstücksverteilung ist in allen Ländern gleich
  • Dazu waren übers Internet die Monopoly-Fans aufgerufen, ihre Lieblingsstadt zu wählen. Rund 5,6 Millionen haben mitgemacht
  • Dadurch schaffte es unter anderem keine deutsche Stadt aufs Brett zu kommen. Aber immerhin werden die Fans aus nicht berücksichtigten Ländern dadurch ein wenig entschädigt, dass Fotos von vielen anderen Städten das Spielbrett und die Schachtel zieren



 



 

Selbstverständlich erfüllt diese Website die Pflicht zum Hinweis auf den Einsatz von Cookies. Durch Cookies können Internetseiten nutzerfreundlicher, effektiv und sicherer gemacht werden. Durch die Nutzung dieser Website erklärst du dich damit einverstanden, dass sie Cookies verwendet. .