• 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9

Hier wird gespielt

10 Apr
Nachts im Spielemuseum
10.4.2020 19.00
16 Apr
24 Apr
25 Apr
Suisse Toy
25.4.2020 - 3.5.2020

Login

Spielwiese-Test 1011: Dominion

Neues Blatt, neues Spiel!

Genie ruft Spötter auf den Plan. "Magic für Senioren", zum Beispiel. Wir würden eher so sagen: Ein geniales, für eine breite Masse taugliches Spiel auf Basis der Sammelkartenspielidee.
 

 

 
  Als wahrlich schweres Paket wird Dominion erworben: 500 Karten haben Gewicht. Nun beginnt die Auseinanderklauberei …
 
  Vorbildlich: Für jede Sorte Karten gibt es im Schachteleinsatz ein eigenes Fach.
 
  Pro Spiel werden zehn von 25 verschiedenen Sorten Aktionskarten ausgewählt und die Stapel am Tisch platziert. Ein Vorschlag: als Kreis rund um die Geld- und Punktekarten. So hat jeder die gleichen Vor- und Nachteile beim Lesen des "Kleingedruckten".
 

 

Ein Spielzug läuft immer gleich ab: Karten zum Erwerb anderer Karten werden aus der Hand abgelegt und kommen am Ende sowohl mit den erworbenen Karten als auch mit eventuell restlichen Karten aus der Hand auf den Ablagestapel rechts des Spielers. Nachschub für die Hand gibt es – immer fünf Karten! – vom Nachziehstapel rechts.
 
  Hier deutet sich schon das Ende einer Spielrunde an: Wenn ein dritter Stapel aufgebraucht ist, ist sofort Schluss. Leicht zu überblicken, weil die unterste Karte eines Stapels umgedreht als blaues Signal sichtbar ist.

 Die Regeln sind denkbar einfach. Jeder Spieler hat fünf Karten auf der Hand, spielt beliebig viele davon aus, legt sie – zusammen mit den auch nicht ausgespielten – danach auf seinen Ablagestapel auf seiner rechten Seite und zieht fünf neue Karten von seinem Nachziehstapel auf seiner linken Seite nach. Neues Blatt, neues Spiel.

Dabei wird nicht gegeneinander gespielt. Es gibt keine Stiche, kein Trumpfen. Jeder kümmert sich, von ganz wenigen Ausnahmen abgesehen, um sein Spiel. Ziel ist es am Ende die meisten Punkte zu haben.

Schneller, besser

Obwohl es so gut wie keine Interaktion gibt, zieht einen Dominion sofort in seinen Bann. Denn jeder will besser, schneller sein. Die Sogwirkung von Dominion entsteht durch seine Einfachheit, die trotzdem unendlich viele Kombinationen zulässt. Denn da wären nicht weniger als 500 Karten, die sich in drei Gruppen unterteilen lassen: Geld, Besitz (der am Ende Punkte bringt) und Aktionen.

Zu Beginn erhält jeder Spieler sieben Karten Kupfer (das ist Geld mit dem Wert 1) sowie drei Karten Anwesen (die ersten 3 Punkte). Auf dem Tisch liegen außerdem zehn Stapel mit jeweils zehn gleichen Aktionskarten. Diese Kosten "Geld", erlauben zusätzliche Züge, bringen Vorteile. Auch mehr "Geld" kostet "Geld": Ein Silber mit dem Wert 2 kostet drei "Geld", ein Gold mit dem Wert 3 kostet schon sechs "Geld".

Wer an der Reihe ist, darf zuerst eine Aktionskarte ausspielen und danach etwas kaufen. Gekaufte (oder anders erworbene) Karten kommen auf den persönlichen Ablagestapel rechts. Vor der nächsten Runde müssen vom Nachziehstapel links wieder fünf neue Karten auf die Hand genommen werden. Reicht der Nachziehstapel nicht aus, wird der Ablagestapel gemischt und zum neuen Nachziehstapel, wandert also von rechts nach links.

Leichter Eintieg

Das ist eigentlich alles, was man einem Neuling erklären muss. Der Rest ergibt sich zwangsläufig aus den ausgespielten Aktionskarten. Jeder schreibt damit seine eigene Spielgeschichte. In ihr hat jeder seine Lieblinge. Eine von vielen geschätzten Karte ist der Kanzler. Abgesehen davon, dass sie zwei zusätzliche "Geld" für den Kauf bringt, kann man sofort seinen Nachziehstapel auf die rechte Seite bringen und ein neues Mischelglück versuchen. Oder das Laboratorium: Das bringt nicht wie der Markt nur eine zusätzliche Karte vom Nachziehstapel auf die Hand, sondern gleich zwei, sowie ebenfalls eine weitere Aktion, allerdings keinen zusätzlichen Kauf. Man kann also nie genug Markt im Deck haben! Von erfreulichem Nutzen ist auch der Thronsaal – er ermöglicht die folgende Aktionskarte gleich zweimal hintereinander zu nutzen. Und jede Karte kann wieder und wieder ins Blatt kommen.

Das ist überhaupt das "Geheimnis" von Dominion: Keine Ressource geht verloren – außer man gibt sie freiwillig gegen etwas Besseres ab. Entsorgen heißt das im Dominion-Jargon – wie bei der Aktion Festmahl: "Entsorge diese Karte. Nimm dir eine Karte, die bis zu 5 kostet."

Natürlich ist es kein "Geheimnis", das ist spielmechanisches Kalkül. Nach und nach hat jeder Spieler immer mehr Karten zur Verfügung. Theoretisch kann jede Karte x-mal verwendet werden. Darauf spekuliert man, man spekuliert auf das tolle Blatt mit viel "Geld", um eindlich eine Provinz kaufen zu können. Die kostet 8 "Geld" und bringt in der Abrechnung satte sechs Punkte.

Und gleich noch ein Geheimnis, das keines ist. Es stehen 25 Zehnerpacks gleicher Aktionskarten zur Verfügung, gespielt wird aber immer nur mit zehn verschiedenen Aktionen. Die werden vor Beginn eines Spieles ausgewählt. Durch die unterschiedlichen Auswirkungen der Aktionen gleicht keine Mischung der anderen. Auch das trägt zum sicheren Erfolg des Spiels bei. Zum Kennenlernen von Dominion empfehlen wir der Anleitung zu folgen und die dort vorgeschlagenen Mischungen zu verwenden. Die sind durchdacht und erlauben einen problemlosen Einstieg. Nach und nach wird man ohnehin experimentierfreudig.

Wurzeln beim Sammelkartenspiel

Wie schon angedeutet, greift Dominion Elemente von Magic, dem Urvater der Sammelkartenspiele auf (daneben auch einen Teil des Konzeptes von San Juan, dem erfolgreichen Kartenspiel-Spin off von Puerto Rico). Der große Unterschied liegt darin, dass bei Sammelkartenspielen in der Regel ein Kartendeck vorbereitet wird, mit dem gespielt wird, bei Dominion aber starten alle Spieler gleichsam bei Null, müssen sich erst einmal die "guten" Karten nach und nach kaufen, und zudem verläuft jedes Spiel, ja jede Runde anders, weil der eigene Kartenvorrat immer wieder gemischt wird und sich jeder Spieler in jeder Runde eine bestimmte Anzahl Karten davon, nämlich fünf zum Spielen auf die Hand nimmt. Das ist das Neue und Originäre bei Dominion.

Wann ist eine Partie überhaupt zu Ende bzw. wie lange wird eigentlich gespielt? Denn rein theoretisch könnte man das "endlos" fortsetzen. Dem ist natürlich nicht so. Das Spielende setzt eine von zwei Bedingungen voraus. Entweder ein Spieler nimmt die letzte Provinz-Karte – das sind die mit den sechs Punkten – oder es sind drei der zehn Kartenstapel mit den Aktionskarten aufgebraucht, d. h. gekauft worden. Welcher Fall eintritt, hängt ganz davon ab, wie die Spieler die Partie angehen und forcieren. Das ist jedes Mal etwas anders. Auch das ist das Schöne, weil Abwechslungsreiche an Dominion.

Lob für durchdachten Schachteleinsatz

Insgesamt bietet Dominion 500 Karten. Davon sind die Hälfte Aktionskarten, und insgesamt gibt es über 30 verschiedene Karten. Beim Auspacken hat man fünf eingeschweißte Pakete, die nach einem Spiel erst einmal wieder sortiert und untergebracht werden sollen. Hier ist dem Verlag ein großes Lob auszusprechen, dass – endlich! – einmal auch ein Schachteleinsatz auf diese, nennen wir es ruhig so: Herausforderung Rücksicht genommen hat. Für jede Kartenart gibt es nicht nur ein eigenes Fach, sondern das Fach auch noch genau in der Größe, dass alles passend verräumt werden kann.

Nach so viel Lob ein letztes Wort zu einem Aspekt, der die Sache ein wenig trübt. Die Grafik ist es nicht, die ist ansprechend und funktionell, aber natürlich richtet sich jede Grafik nach dem Thema des Spiels. Und da fragt man sich schon, welches Thema hat das Spiel eigentlich? Okay, irgendwie sind wir im Mittelalter, Herrscher wollen ihre Gebiete erweitern und so. So wird's auch beschrieben, aber das ist doch eine irgendwie austauschbare dünne Suppe. Unverständlich in unseren Augen ist in dem Zusammenhang, dass die Schachtelrückseite launig ausschließlich ein 08/15-Eroberungsgeschichtchen zum Besten gibt, aber mit keiner einzigen Silbe irgendwie aufs Spiel, schon gar nicht auf seinen – sehr innovativen! – Mechanismus eingeht. Wer im Laden die Packung aus dem Regal nimmt, liest … bleibt ohne irgendeine Ahnung, was da abgehen könnte. Nämlich was er versäumt, wenn er Dominion nicht kauft!

Andererseits: Der Eigendynamik des Spiels kann sich niemand entziehen, wenn er einmal anfängt zu spielen. Das Faszinierende ist der Mechanismus – wie die Karten heißen, ist eigentlich völlig egal. Der Fokus wird sofort auf das Eerwerben der drei grünen Kartenarten gerichtet, die am Ende Punkte bringen. Der Zweck, also das Spielziel steht sofort im Vordergrund. Anders ausgedrückt: Man verliert sich (im positiven Sinn) sofort im Spiel des Spielens willen.

Fazit

Eines der besten Spiele der letzten zehn Jahre. An ihm wird die Jury Spiel des Jahres in irgendeiner Form nicht vorbeikönnen.
 

 Nr. 1011: Dominion

 

Spielwiese-Code  |   | G | 10 |  |

Rio Grande Games ab 2013

neue Schachtel ab 2009

2008: Hans im Glück

  • Sammelspiel für 2 bis 4 Spieler ab 8 Jahre
  • Autor: Donald X. Vaccarino
  • Verlag: Rio Grande Games
  • ca.-Preis: 30,– €

   Themen: (fiktives) Mittelalte

      Preis-Leistungsverhältnis   
      Spielmaterial 
      Wiederspielreiz 
      Anspruch
      Glücksanteil

  • Zielgruppe: Erwachsene, Familien, Fans ausgeklügelter Kartenspiele, Sammelkartenspieler
  • Spieldauer: anfangs 60 bis 75 Minuten, reduziert sich mit dem Kennenlernen auf 45 Minuten
  • Schachtelinfo: erzählt nur eine Rahmengeschichte, der Charakter des Spiels wird mit keinem Wort erwähnt – eine glatte 5!
  • Spielmaterial: sehr gut
  • Spielanleitung: verbesserungswürdig, aber brauchbar, weil der Spielmechanismus an sich simpel ist
  • Anspruch: Taktik
  • Spielreiz: sehr hoch
  • Glücksanteil: hoch, aber zu verkraften

 -Service:

Spielanleitung zum Download

Was andere zum Spiel meinen

Auszeichnungen

  • Spiel des Jahres 2009
  • Deutscher Spielepreis 2009
  • Spielehits mit Freunden 2009
  • à la carte 2009
  • spiel gut
  • sowie zahlreiche weitere internationale Auszeichnungen

Rund ums Spiel

  • Die deutsche Ausgabe kam ursprünglich von Hans im Glück, ab Herbst 2013 wird sie in geändertem Aussehen von ASS vertrieben. Trägt jetzt auch den Untertitel Basisspiel.
  • Die ursprüngliche Schachtelgestaltung stieß im deutschsprachigen Raum auf teilweise heftige Kritik, weil sie angeblich zu martialisch sei. Wir finden sie einfach nur zu dunkel und im Verkaufsregal als abschreckend.
  • Mit der Auslieferung der nächsten Auflage (vorgesehen Februar/März 2009) erhält die Schachtel ein anderes helleres Motiv (siehe links)
  • Dominion gibt als Spielsystem dermaßen viel her, dass Erweiterungen nicht ausbleiben werden. Sie sind bereits in Vorbereitung
  • Bereits zum Österreichischen Spielefest 2008 in Wien wurde ein Gesandter als Promotionkarte verteilt. Sie kann bei Hans im Glück angefordert werden
  • Auf der Webseite von Hans im Glück gibt es auch eine Anleitung, wie man sich selbst welche zusätzlichen Karten macht


 

Selbstverständlich erfüllt diese Website die Pflicht zum Hinweis auf den Einsatz von Cookies. Durch Cookies können Internetseiten nutzerfreundlicher, effektiv und sicherer gemacht werden. Durch die Nutzung dieser Website erklärst du dich damit einverstanden, dass sie Cookies verwendet. .