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16 Jul
17 Jul
24 Jul
30 Jul
GenCon (abgesagt)
30.7.2020 12.00 - 2.8.2020 13.00

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Spielwiese-Test 1017: Bonnie and Clyde

Das Ted-Hinton-Spiel

Nicht nur für Rommée-Fans: Bei diesem Kartenspiel sammeln die Spieler Karten, um das gefürchtetste Gangster-Pärchen der amerikanischen Kriminalgeschichte zur Strecke zu bringen.

 
  Rommée mit Spielbrett und Gangster-Thema: Bei Bonnie and Clyde kommt es beim Ausspielen der Karten auch darauf an, wo sich auf dem Spielbrett das Fluchtauto befindet.

Bild: Abacus

 
  Wunderschön bis ins Detail: Erst bei genauem Hinsehen entdeckt man, dass die sechs Karten eines Wertes jeweils eine kleine Bildergeschichte erzählen. Hier, bei der "3" wollten Bonnie und Clyde in Missouri 1933 eine Bank ausrauben, die allerdings wegen der Wirtschaftskrise gar kein Geld mehr hatte. Bei der Flucht rennen sie einen Passanten über den Haufen.

 Höchst interessant: Aus Volksgut wie dem Kartenspiel Rommée generiert sich zurzeit als "Mystery Rummy" ein neues modernes Spielegenre. Die Entwicklung geht von den USA aus, dort gibt es bereits eine Reihe an einschlägigen Spielen.

Ob es eine Welle wird, bleibt abzuwarten. Jedenfalls ist mit Bonnie and Clyde der erste Vertreter bei einem heimischen größeren Verlag für ein breites Publikum gelandet. Bonnie and Clyde ist Rommée, was den Einstieg sehr erleichert, aber mit einem zusätzlichen Kick. Die abstrakten Zahlen bzw. Bilder des Rommée-Spiels existieren auch hier, aber jedem Wert ist eine kleine Geschichte zugeordnet, und diese Geschichten wiederum sind Teil einer größeren Geschichte. Nämlich die des bekanntesten Gangsterpärchens der Welt (siehe Hintergrund) und seinem Ende.

Der Joker hat bei Bonnie and Clyde keine Platzhalter- oder Ersatzfunktion wie bei vielen traditionellen Kartenspielen, sondern ermöglicht den Spielern zusätzliche Aktionen.

Sammeln, sammeln, sammeln

Das Spielziel ist wie beim klassischen Rommée ganz einfach: Durch Sammeln von (gleichen) Karten so viele Punkte als möglich zu erzielen. Aber schauen wir uns die Karten bzw. das Spielmaterial zuerst einmal genauer an. Wir haben:

  • 1 Spielbrett: Es stellt in einer Zeitleiste die letzten zwei Jahre von Bonnie Parker und Clyde Barrow nach. Von einem Raub 1932 in Kaufman, Texas (Feld 1) bis zum Ende im Kugelhagel der Sheriffs 1934 (Feld 10).

  • 1 Fluchtauto aus Holz, das zu Beginn auf Feld 1 gestellt wird

  • je 1 Bonnie- und Clyde-Karte

  • 15 Ted-Hinton-Karten – sie sind die "Joker"

  • jeweils sechs so genannte Beweiskarten für jeden der zehn Orte der historischen Handlung = Felder des Spielbretts.
     

Zur Spielvorbereitung erhält jeder Mitspieler acht bis zehn Karten (abhängig von der Spieleranzahl), wobei die Bonnie- und Clyde-Karten zuvor schon mit acht anderen Karten gemischt und je eine verdeckt unter die zehn Felder des Spielplans geschoben wurden. Die Kartenhand ist nun eine Mischung aus Beweiskarten und Ted Hintons. Jede Beweiskarte ist einem der zehn Orte (Felder) des Spielplans zugeordnet.

Wie bei Rommée gibt es als Pflicht für jeden Spieler am Zug, zuerst eine Karte vom verdeckten Nachzieh- oder offenen Ablagestapel zu nehmen, und am Ende seines Zuges eine Karte abzuwerfen. Das Ausspielen von Karten ist freiwillig. Grundlegendes Ziel ist es gleiche Karten zu sammeln und auszuspielen, d.h. offen vor sich abzulegen. Dazu braucht man mindestens drei eines Ortes. Diese legt man normalerweise gefächert untereinander aus und jede zählt am Ende zwei Punkte. Legt man allerdings Karten aus, die dem Ort (Feld) entsprechen, auf dem im Moment gerade das Fluchtauto steht, gibt es doppelte Punkte. Damit man das bei der Abrechnung klar vor Augen hat, werden diese Karten nebeneinander, also waagrecht gefächert ausgelegt.


 


Das berühmteste Gangsterpärchen der Welt ist keine Erfindung. Bonnie Elizabeth Parker wurde am 1. Oktober 1910 in Rowena, Texas geboren, Clyde Chestnut Barrow am 24. März 1909 in Telico, ebenfalls in Texas. Beide starben im Kugelhagel am 23. Mai 1934 im Bienville Parish, Louisiana. Das Foto nahm eines der Gang-Mitglieder auf.

Bild: Canansh


Bonnie und Clyde reisten während der Weltwirtschaftskrise durch den Südwesten der Vereinigten Staaten. Sie raubten Banken aus und verursachten üblicherweise ein Chaos mit ihrer Bande. Man schätzt, dass sie dreizehn Morde, etwa ein Dutzend Bankraube und ungezählte Überfälle auf Läden und Tankstellen verübten. Ihre Verbrechen sorgten, neben denen John Dillingers und Ma Bakers, in der Zeit von 1931 bis 1935 für erhebliches Aufsehen in den USA, wo diese Periode zuweilen als die Ära der Volksfeinde bezeichnet wurde.


Auch in der Musik wurde das Gangsterpärchen immer wieder porträtiert bzw. behandlet. Zum Beispiel beschäftigten sich Die Toten Hosen 1996 auf dem Album "Opium fürs Volk" mit dem Leben des Gangsterpaares. Von Serge Gainsbourg einen Song mit dem Titel,  zusammen gesungen mit Brigitte Bardot. Die Geschichte des Pärchen wirkt bis heute nach: Interpreten von B&C-Liedern sind unter anderem Eminem, der Rapper Jay-Z, Tupac und  Bushido.


 

Das Fluchtauto bewegt sich langsam Richtung Feld 10, und zwar jedesmal, wenn ein Spieler einen neuen Wert (Ort) durch seine Auslage eröffnet. Hat ein Spieler zum Beispiel als Erster mindestens drei Vierer (West Dallas 1933) ausgelegt, können ab sofort auch alle anderen Spieler Vierer auslegen, auch einzeln.

Wie's geht

Pro Zug darf eine Ted-Hinton-Karte ausgespielt werden. Mit ihr darf man entweder zwei weitere Karten vom Nachziehstapel ziehen oder sich eine Beweiskarte aus dem Ablegestapel aussuchen und nehmen oder eine der verdeckten Beweiskarten anschauen, die anfangs unter die zehn Felder des Spielbretts gelegt worden waren. Entdeckt man dabei die Bonnie- oder Clyde-Karte, die jeweils zehn Punkte bringen, darf man nehmen und auslegen, wenn sich auch das Fluchtauto an diesem Ort befindet. Andernfalls wird sie wieder untergeschoben. Andere – Beweis- oder Ted-Hinton-Karten – darf man immer nehmen. Dieser Passus in der Spielregel ist zwar schlüssig erklärt, stiftet  erfahrungsgemäß dennoch immer ein bisschen Verwirrung, weil auch die außertourliche Bewegung des Fluchtautos damit zusammenhängt. Den Abschnitt sollte man deshalb besonders genau lesen und sich bei neuen Spielern das Verständnis sichern.

Ansonsten sollten bei Bonnie and Clyde Missverständnisse ausgeschlossen sein. Die Regeln sind einfach und vom Prinzip her ja von Rommée bekannt.

Der Reiz dieses Spiels ist sowohl ein spieltechnischer als auch ein optischer. Ted Hinton (das ist der Name des damals tätigen Hauptermittlers des FBI gegen die Gangster) ist eine mächtige Karte. Sie spielt eine fast schon dominante Rolle, so dass bei einigen Bonnie and Clyde schon in "Das Ted-Hinton-Spiel" umgetauft wurde. Da bei der Abrechnung Karten, die man noch auf der Hand hat, verfallen und keine Minuspunkte bringen, gibt es kein Risiko möglichst viele zu haben. Es steht also nichts dagegen, sich mit Ted Hinton zwei zusätzliche Karten zu nehmen, vor allem in der Anfangsphase, um seine eigene Auswahl zu vergrößern. Später wird es interessant, mit Ted Hinton eine fehlende Karte aus dem Ablegestapel zu fischen. Man sollte allerdings ziemlich sicher sein, dass die gesuchte Beweiskarte auch irgendwann abgelegt wurde. Das Risiko: Eventuell, wenn nur eine "gegangen" ist, hat sie zuvor schon auf gleiche Weise ein Mitspieler geholt.

Damit sich das Auslegen in vielen Punkten niederschlägt, trachten alle Spieler ihre Karten erst dann auf den Tisch zu legen, wenn ihr Wert mit dem Ort übereinstimmt, auf dem das Fluchtauto steht. Hier kommt ein "Trick" ins Spiel. Normalerweise wird das Fluchtauto nach jedem Auslegen eines bestimmten Wertes entweder ein Feld nach vorne oder nach rückwärts bewegt, wenn kein neuer Wert eröffnet wird (also wie im obigen Beispiel die Vierer schon liegen).

Aus zwei mach drei

Stellen wir uns folgende konkrete Situation vor: Legt ein Spieler zwei Vierer und einen Neuner aus, wären das insgesamt zwei Felder, die sich das Auto bewegt: zwei zurück oder zwei vorwärts oder eins vor und eins zurück. Der Spieler möchte es allerdings insgesamt drei Felder weit ziehen, um es auf ein Feld zu bringen, für das er mit drei oder mehr Karten als Erster einen Ort eröffnen könnte. Dazu ist es ausdrücklich möglich, zwei gleiche Karten zu splitten und damit zweimal das Fluchtauto zu bewegen.

Wie lange wird gespielt? Eine Runde Bonnie and Clyde endet, wenn entweder ein Spieler seine letzte Karte abwirft oder der Nachziehstapel aufgebraucht ist. Dann werden die Punkte gezählt. Wer zuerst über 100 kommt, hat gewonnen. Das kann, je nach Kartenglück, das eine beträchtliche Rolle spielt, rasch gehen. Der auf der Schachtel angegebene Richtwert von 45 Minuten Spieldauer ist auf jeden Fall realistisch, wird das eine oder andere Mal aber auch unterboten werden.

Grafisches Schmuckstück

Von der Gestaltung her hat man selten etwas Stimmigeres gesehen. Die Schachtel spielt mit der Erinnerung an Filmplakate aus der Zeit der Handlung und natürlich an das kokette Posieren des Pärchens, wie es viele von Warren Beatty und Faye Dunaway her kennen werden. Das Spielbrett mit seinen zehn Feldern ist im Stil von Zeitungsausschnitten gestaltet. In ein zwei Sätzen wird jeweils "berichtet" was sich dazumal wo zugetragen hat.


 


FBI-Seite zum Fall Bonnie and Clyde

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Und diese jeweilige Geschichte wird auf den sechs dazu gehörenden Beweiskarten etwas detaillierter in einer Bilderabfolge geschildert. Wie ein Filmstreifen sozusagen, gibt es zu jedem Ort sechs unterschiedlich illustrierte Karten, wobei der Erkennungswert des betreffenden Ortes keineswegs leidet. Bonnie and Clyde ist ein kleines grafisches Schmuckstück!

Das Spiel, das Abacus gemeinsam mit dem US-Verlag Rio Grande herausgebracht hat, empfiehlt sich für alle Fans von Kartenspielen, bei denen es auch eine Rahmenhandlung geben soll, denen bloßes Bedienen von Farben oder Werten zu wenig ist.
 




 Nr. 1017: Bonnie and Clyde

 

Spielwiese-Code  |   | E | 10 |  |

2009: Abacus/
Rio Grande

  • Sammelspiel für 2 bis 4 Spieler ab 8 Jahre (unserer Meinung nach besser ab 10, außer das Kind ist einschlägig erprobt)
  • Autor: Mike Fitzgerald
  • Verlag: Abacus / Rio Grande
  • ca.-Preis: 20,– €

   Themen: Verbrechen

      Preis-Leistungsverhältnis   
      Spielmaterial 
      Wiederspielreiz 
      Anspruch
      Glücksanteil

  • Zielgruppe: Familien, Erwachsene, Rommée-Fans
  • Spieldauer: 30 bis 45 Minuten
  • Schachtelinfo: sagt leider gar nichts über das Spiel aus, sondern zeigt nur ein Bild der Auslage und schildert die reale Krimistory in Kurzform
  • Spielmaterial: exzellent!
  • Spielanleitung: gut
  • Anspruch: Taktieren, aber nicht zu lange auf Chancen warten!
  • Spielreiz: hoch
  • Glücksanteil: relativ hoch

 -Service:

Spielanleitung zum Download

Auszeichnungen

  • Graf Ludo Familie 2009

Rund ums Spiel

  • Auf der Graf Ludo-Homepage gibt es ein Video, das die Besonderheit des Spiels hervorhebt (zum Video)



 


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