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10 Apr
Nachts im Spielemuseum
10.4.2020 19.00
16 Apr
24 Apr
25 Apr
Suisse Toy
25.4.2020 - 3.5.2020

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Spielwiese-Test 686: Villa Paletti

Auf dem besten Weg zum Einsturz

Klötzchen bauen. Das lieben nicht nur kleine Kinder, sondern auch Erwachsene. Der Beweis ist Villa Paletti.

 

 

Konzentration: Wackelt das Ding nur oder bricht es zusammen? Villa Paletti ist spannend und höchst vergnüglich zugleich.

Foto: Spielwiese

 

 Holzstapeleien und wa­ckelige Gebilde sind eine Spezialität des Münchner Verlags Zoch. Bereits ein Klassiker ist zum Beispiel Bausack (Spielwiese 2/88), Bamboleo ist ihm auf den Fersen, Hamsterrolle oder Tokami (Spielwiese 49) ge­hören ebenfalls in diese Reihe.

Nach zwei überaus erfolgreichen Abstechern ins klassische Brettspiel mit Zicke Zacke Hühnerkacke (Spielwiese 48) und Zapp Zerapp (Spielwiese 57) hat Zoch mit Villa Paletti ein weiteres Geschicklichkeitsspiel auf den Markt gebracht. Und wieder ist es die Kombination aus simpler Spielregel und ansprechendem Spielmaterial aus Holz, die verblüfft. Man muss nichts anderes tun als Holzstäbe und Holzplatten zu stapeln, ohne dass das immer fragiler werdende Gebilde in sich zusammenstürzt. Sieger des unterhaltsamen Familienspiels wird derjenige, der am Ende die meisten bzw. wertvollsten Säulen einer imaginären Villa auf der höchsten Ebene stehen hat.

Das Grundspiel ist für vier Leute ausgerichtet, es geht aber auch zu zweit und zu dritt mit etwas anderen Regeln.

Faszinosum

Es ist das Jenga-Faszinosum, das auch für Villa Paletti gilt: Schafft man es, von unten einen "Baustein" herauszuziehen und oben aufzusetzen oder nicht? Wer am Zug ist, nimmt eine beliebige Säule seiner Farbe aus einer der unteren Etagen der Villa und setzt sie auf die oberste Ebene.

Es hat demnach jeder Spieler seine eigene Farbe. Wie kommt er zu ihr? Gehen wir sozusagen an den Start. Eine Scheibe mit einem Durchmesser von 28 Zentimetern wird als Fundament der Villa auf den Tisch (oder den Boden) gelegt. Nun werden von den Spielern gemeinsam alle 20 Säulen beliebig auf das Fundament gestellt. Noch weiß kein Spieler, welche Farbe später sein Schicksal als Baumeister bestimmen wird. Die Säulen sind 8,5 Zentimeter hoch, es gibt sie in den Farben Blau, Rot, Grün und Gelb sowie jeweils in drei Formen: Eine runde dicke (sie zählt drei Punkte), eine sechseckige schmälere (2 Punkte) und drei dünne runde (1 Punkt). Ist das erledigt, wird das erste Plateau – die Decke des Erdgeschoßes der Villa – aufgesetzt.

Weil der Bauherr das südländisch Verspielte liebt, ist dieses Plateau wie auch die anderen etwas unförmig ausgefallen. Es stülpt sich wie eine blaue fliegende Untertasse, könnte man meinen, über die Säulen.

Der jüngste Spieler wirft das Baumeistersiegel, das auf seine vier Längsseiten die im Spiel vorkommenden Farben zeigt, und bestimmt so seine Farbe. Jetzt folgen reihum die anderen Spieler und suchen sich ihre Farbe aus.

Statische Überlegungen

Schon Kinder wissen aus eigener Bauerfahrung, dass ein Gebilde am besten hält, wenn unten eine solide Basis vorhanden ist. Dieser statische Grundsatz verträgt sich nicht mit der Absicht, mit möglichst fetten Punkten = dicken Säulen nach oben zu kommen. Irgendwie bleiben immer die dünnen Stelzen unten, dementsprechend einsturzgefährdet ist die Villa Paletti. Weil auch die Zwischendecken (Plateaus) von Stock zu Stock immer kleiner werden.

Das mit dem Setzen der Plateaus ist eine besondere Sache. Den Schritt darf nur ausführen, wer glaubhaft versichert, er könne keine eigene Säule mehr herausnehmen, weil sonst alles zusammenkracht. Wer Einspruch erhebt, muss den Gegenbeweis antreten und riskiert bei Scheitern, eine seiner Säulen zu verlieren. Gelingt die Übung, dann ist derjenige seine Säule los, der den Antrag auf Einziehen einer Decke stellte.

In höheren Gefilden wird das Bauen immer riskanter, weshalb mit dem Baumeistersiegel nach jedem Zug festgehalten wird, wer im Moment die Punktehoheit hat. Gewertet werden stets nur Säulen auf der obersten Ebene. So gibt es auch nach einem Einsturz keine Diskussionen.

Zittern und Mitzittern

Diskussionen – im positiven Sinn – gibt es während des Spiels: "Nimm doch lieber die da …" oder "Uuii, das würde ich nicht machen!" Man lebt auch mit dem Gegner mit. Weil Holz nicht Industrieplastik ist, sind die Säulen nicht auf den Hundertstelmillimeter gleich lang. Die eine lässt sich besser herausziehen, die andere schlechter. Und dann spielt ja auch noch die Balance des Gebildes eine oft verblüffende Rolle! Kurz­um: Villa Paletti ist eine spannende und sehr ver­gnügliche Angelegenheit mit hohem Deko-Faktor.

Dass Villa Paletti von der Jury zum Spiel des Jahres 2002 gewählt wurde, überraschte viele. Die meisten Kritiker dieser Entscheidung fanden, dass es sich eigentlich um ein Kinderspiel handle. Das ist Ansichtssache. Natürlich befriedigt dieses Bauspiel nicht jene, die auf strategische und taktische Brettspiele stehen. Aber die Reihen der Spieler, die zwischendurch auch leichte Kost schätzen, sind groß. Die ganz normaler Familien noch größer.



 Nr. 686: Villa Paletti

 

Spielwiese-Code  |   | E | 8 |

2001: Zoch
  • Bau- und Geschicklichkeitsspiel für 2 bis 4 Spieler ab 8 Jahre
  • Autor: Bill Payne
  • Verlag: Zoch
  • ca.-Preis: € 29,90

   Themen: Bauen, Häuser

      Preis-Leistungsverhältnis   
      Spielmaterial 
      Wiederspielreiz 
      Anspruch
  
   Glücksanteil   

  • Zielgruppe: Familien und Erwachsene, Hasardeure
  • Spieldauer: 60 spannende Minuten
  • Spielmaterial und Schachtel: vorbildlich! (Holz)
  • Spielanleitung: gut
  • Anspruch: Logischerweise ein ruhiges Händchen fürs Erste. Fürs Zweite genug Risikobereitschaft. Und drittens überlegen, wohin man Säulen stellt, damit sie wahrscheinlich leicht wieder rauszunehmen sind
  • Spielreiz: sehr hoch, man will es gleich noch einmal versuchen
  • Glücksanteil: gibt es nicht

 -Service:

Spielanleitung zum Herunterladen

Auszeichnungen

  • Spiel des Jahres 2002
  • spiel gut



 

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