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4 Apr
Ratinger Spieletage (abgesagt)
4.4.2020 10.00 - 5.4.2020 18.00
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24 Apr

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Spielwiese-Test 533: Torres

Der alte König sucht einen Nachfolger

Die Spielwiese schrieb 1999: "Wolfgang Kramer und Michael Kiesling haben heuer mit Tikal nicht nur das Spiel das Jahres abgeliefert, sondern jetzt mit Torres auch ein zweites hitverdächtiges Spiel." Richtig: Im Jahr darauf holte Torres den begehrten Titel.

 

 

Es kommt darauf an, auf welcher Ebene einer Burg der Ritter steht: Je höher, desto mehr Punkte erzielt er bei der Wertung.

Foto: Ravensburger

Eine willkommene Besonderheit: Schreitet man auf gleicher Ebene durch eine Burg, kostet das nur einen Aktionspunkt.

Grafik: Ravensburger

 

 Wie schon bei Kramers El Grande (Spielwiese 37) begeben wir uns ein paar Jahrhunderte zurück und nach Spanien. Genau so stimmig wie dort die Atmosphäre mit der Ausstattung eingefangen wurde, ist es auch bei Torres. Das sei einmal vorweg gesagt – und womit sich die Gemeinsamkeiten auch schon erschöpft haben. Bei Torres schlüpfen die Spieler in die Prinzen-Rolle: Der alte König sucht einen würdigen Nachfolger. Jener soll sein Reich übernehmen, der innerhalb von drei Jahren die höchsten und größten Burgen baut.

Die drei Jahre, das sind im Spiel drei Runden. Der Wert einer jeder Burg lässt sich dabei genau bestimmen. Es wurde in diesem Blatt schon mehrfach betont, wie gut Kramer sein mathematisches Handwerk versteht, um aus bewerteten Spielzügen spannende Mehrkämpfe auf der typischen "Kramer-Leiste" zu entfachen, die rings um das Spielbrett verläuft. Wer am Ende seinen Stein am weitesten vorne hat, ist der Sieger.

Auf die Ebene kommt's an

Wie erwähnt, der Wert einer Burg steht zu jeder Zeit fest. Er folgt der einfachen Formel: Höhe mal Ausdehnung. Aber eigentlich wird bei diesem Spiel gar nicht die Burg gewertet, sondern der Standort des jeweiligen Prinzen innerhalb einer Burg. Steht der Königssohn (oder natürlich die Königstochter) im zweiten Stockwerk einer Burg mit der Grundfläche von sieben Feldern, dann ist das Ergebnis 2x7=14. Stünde die Spielfigur im dritten Stock, wäre das Resultat 21.

So einfach ist das. Zu einfach, denn die Burgen sind am Beginn ja noch gar nicht existent, sie müssen von den Spielern erst in die Höhe und in die Breite gezogen werden. Jeder fängt einmal klein an: Zu Spielbeginn ist auf acht vordefinierten Feldern des Spielbretts jeweils ein Baustein. Das Fundament jeder Burg, sozusagen.

Mit einem von sechs Rittern, die die Spieler zur Verfügung haben, suchen sie sich reihum eine Burg aus und stellen ihn darauf. Ritter im ersten Stock, die Burg "misst" erst ein Feld, ergibt einen Punkt. Nur zur Erinnerung.

Bausteine

Die Spieler haben nicht nur Ritter erhalten, sondern auch eine bestimmte Anzahl an Bausteinen. Menge und Verteilung hängen dabei von der Spieleranzahl ab. Das Geschick der Spieler ist es, die pro Zug zur Verfügung stehenden Bauteile und fünf Aktionspunkte so einzuteilen, dass sie am meisten Wertungspunkte ergeben. Einen Baustein einsetzen kostet einen Aktionspunkt. Die Figur ein Feld weit zu bewegen, ebenfalls einen Aktionspunkt. Wobei dabei eine Ebene überwunden werden darf, um z. B. vom ersten in den zweiten Stock zu gelangen.

Zur Verdeutlichung: Ein Spieler hat seine drei Bausteine und fünf Aktionspunkte dafür verwendet, um neben seiner Figur (im 1. Stock) zwei Bausteine zu platzieren (2 Aktionspunkte), dann in den zweiten Stock zu gehen (1 Aktionspunkt) und mit dem dritten Baustein die Grundfläche der Burg um eins zu vergrößern (1 Aktionspunkt). Er steht nun im zweiten Stock einer Burg mit drei Feldern = sechs Wertungspunkte.

Jetzt haben sicher einige mitgerechnet und fragen sich, was hat der Kerl mit seinem fünften Aktionspunkt gemacht. Er hat eine Aktionskarte vom Stapel gekauft. Auch das kostet einen Aktionspunkt. Diese Karte kann er frühestens beim nächsten Zug einsetzen. Es sind nur vorteilhafte Karten im Spiel, es gibt also kein Risiko, sondern nur Aussicht auf gewinnbringende Aktionen.

Ohne Aktionskarten wird man auch nicht gewinnen können bei Torres, denn dazu sind sie zu entscheidend. Da bekommt man unter anderem einen oder zwei Aktionspunkte geschenkt, darf einen Ritter auch diagonal oder zwei Stockwerke hoch ziehen oder – und das ist wohl die beste Aktionskarte – einem seiner Ritter einen Baustein unter die Füße stellen und ihn somit punktebringend "befördern".

So entwickeln sich die einzelnen Burgen ganz unterschiedlich, zwei oder drei werden fast immer verkümmern. Die meisten Burgen werden auch terrassenförmig mehrere unterschiedliche Ebenen haben. Es kommt dann eben darauf an, auf welcher man bei einer der drei Wertungen steht. Da die Burgen niemandem gehören, stehen meist auch verschiedene Spieler auf einer einzelnen Burg. Aber: Auf einem Feld kann eben nur einer stehen.

Neue Ritter

Bei einer Wertung wird jeder Ritter abgerechnet, so dass Ritter, die gemeinsam auf einer Burg stehen, ganz unterschiedlich viele Punkte erzielen. Der spielerfahrene Leser hat das Prinzip schon durchschaut und weiß, dass es notwendig ist, auf mehreren Burgen Flagge zu zeigen. Schließlich hat man dafür ja auch sechs Ritter zur Verfügung. Das Einbringen eines neuen Ritters kann relativ teuer zu stehen kommen. Prinzipiell kostet das zwei Aktionspunkte. Aber damit ist es noch nicht getan. Pro Burg wertet nur ein Ritter pro Spieler, nämlich der, der am höchsten steht. Ritter können zudem nicht irgendwo eingesetzt werden, sondern immer nur neben einem bestehenden Ritter der eigenen Farbe und keinesfalls auf einer höheren Ebene. Es will gut überlegt sein, wo man einen neuen Ritter einsetzt, denn es muss auch der Weg zur nächsten Burg berechnet und mit Aktionspunkten bezahlt werden.

Dabei gibt es neben den Schmähs, die sich auf den Aktionskarten finden, noch eine allgmeine Regel, die Punkte sparen hilft. Die Bausteine sind so geformt, dass es auf jeder der vier Seiten ein Tor gibt. Wer bei einem Tor einer Burg hineingeht, darf durch ein beliebiges Tor dieser Burg – natürlich nur auf derselben Ebene – wieder herauskommen, was in jedem Fall nur einen Aktionspunkt kostet.

Am spannendsten zu viert

Zusammengefasst und ohne alle Details beleuchtet zu haben, erhält man mit Torres ein in höchstem Maße interessantes Spiel. Damit sind nicht nur Familien mit einigemaßen spielfreudigen Kindern (ab 12 Jahre) gut bedient, sondern in erster Linie Spielnaturen, die eine taktische Herausforderung suchen und diese in einem relativ kurzen und flüssigen Spiel ohne großes Regelwerk erleben möchten. Für diese Spieler hat das Autorenduo übrigens gleich eine Meister-Version beschrieben, die noch eine zusätzliche Anforderung stellt. Dazwischen liegt eine Regelvariante, die bei den Aktionskarten den Einfluss des Zufalls reduziert.

Zu viert ist Torres am spannendsten, weil hier auch die taktischen Auseinandersetzungen um das Erreichen einer noch höheren Ebene in einer Burg offen ausgetragen werden müssen.

Insgesamt ein Muss-Spiel!

 

 Nr. 533: Torres

 

Spielwiese-Code  |   | G | 12 |

2017: Huch

2005: Rio Grande Games/Abacus

1999: FX/Ravensburger

   Themen: Türme, Herrscher, Spanien

      Preis-Leistungsverhältnis   
      Spielmaterial
      Wiederspielreiz        
      Anspruch
      Glücksanteil  
      

  • Zielgruppe: Familien und Erwachsene
  • Spieldauer: 60 Minuten
  • Spielmaterial und Schachtel: tolles Material
  • Spielanleitung: gut
  • Anspruch: ein guter Taktierer sollte man sein, um sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen, und ein wenig plastisches Denkvermögen haben
  • Spielreiz: sehr hoch; am besten mit vier Spielern
  • Glücksanteil: durch Aktionskarten in der Grundversion relativ hoch, in der Regelvariante aber stark eingedämmt

 -Service:

Spielanleitung als Download

Auszeichnungen

  • Spiel des Jahres 2000

Rund ums Spiel

  • ursprünglich bei FX erschienen, einer Marke von Ravensburger, deren Einstellung bereits beschlossene Sache war, als Torres zum Spiel des Jahres gekürt wurde
  • gemeinsam von Rio Grande Games und Abacus neu aufgelegt



 



 

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