Digital Detox oder: der böse, böse Bildschirm

Nürnberg. Spielwarenmesse 2019. Tag 3. Was einem so ein- und auffällt.

1. FEBRUAR 2019

Die Spielebranche ist in der Zwickmühle. Auf der einen Seite wächst die Zahl der Brett- und Kartenspiele, die durch Apps, beigepacktem Elektronik-Gadgets und Google-Assistenten den Anschluss an das digitale Zeitalter suchen. Auf der anderen betonen – zum Teil dieselben – Hersteller, wie förderlich doch das gemeinsame Spielen ohne elektronischen Schnickschnack fürs soziale Miteinander sei.

„Digital Detox“, also die „Entgiftung vom Digitalen“, lautet das dazu gehörende Schlagwort. Auf der Spielwarenmesse mehren sich kleine Hinweise, mit denen man sich vom Topthema Digitalsierung abzusetzen versucht. Die Bandbreite reicht von der Aufforderung „Lesen statt liken“ bis hin zu „Battery free“, dann wieder ist von „bildschirmfreier Zeit“ die Rede oder, wie hier schon gestern zu neuen Ravensburger-Spielsystem toi+ angeführt, dass das „Spielerlebnis in der Hand und im Kopf verläuft, nicht auf dem Bildschirm“. Und die Spielwarenmesse selbst weist in ihren Begründungen für die angeblichen aktuellen Megatrends (siehe unten) darauf hin, dass eben der zunehmende Druck des modernen Lebens Erwachsene wieder sehnsüchtig macht nach Entschleunigung durch Spielen alten Stils.

Es ist, wie gesagt, eine Diskussion voller Widersprüchlichkeiten. Hinein passen auch die Erkenntnisse der großen Studie, die Lego in Nürnberg als neu verkaufte (spielwiese.at hatte schon vergangenen August berichtet): Das gemeinsame Spiel in Familien werde auch durch die „digitale Kluft“ zwischen Kindern und Eltern erschwert. Während Kinder die digitale und physische Welt als Einheit begriffen, würden Eltern die verschiedenen Spielformen trennen und für ihre Kinder nicht digitale Spielarten bevorzugen. Hinzu käme: In Deutschland sei die Skepsis gegenüber digitalen Spielen besondern ausgeprägt.

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Apropos Lego. In der Reihe großer „Männergefährte“ kommt dieses Jahr im Sommer die Nachbildung eines der größten Bagger der Welt. Das Lego Technic-Modell des Liebherr R 9800 wird aus über 4000 Teilen bestehen und sieben Motoren haben.

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Im Auftrag der Spielwarenmesse bestimmt ein international besetztes Gremium jährlich die Trends für die Spielwarenbranche. 2019 seien dies:

Den Wundertüten-Effekt gibt es bei Spielen schon lange.

 
  • Ready, steady, play! Weil das Leben immer komfortabler wir, kommt die körperliche Bewegung zu kurz. Auch Koordinationsvermögen und Reaktionszeit sollen laufend trainiert werden. Im Trend deshalb Spielsachen, die (vor allem Kinder) zu Bewegung und Aktivität animieren. Tatsächlich ist es so, dass bei zahlreichen neuen Brett- und Kartenspielen der vergangenen ein, zwei Jahre Bewegung der Spieler eine Rolle spielt.
  • Der Wow-Effekt. Nicht zu wissen, was der Inhalt ist, steigert die Spannung. Von Sammelserien, die es bei Spielen schon lange gibt, bis hin zu Produkten, die mit physikalischen Effekten und raffinierter Technik für Überraschungen sorgen.
  • Und schließlich was das Trendkomittee „Toys 4 Kidults“ nannte. Die Verbindung Kidult aus Kid und Adult beschreibt Erwachsene, die sich für Dinge begeistern, die eigentlich eher Kindern zugeordnet werden. Die Bandbreite der Interessen reicht von dekorativem Spielzeug über aufwändige Bausätze bis zu raren Sammelobjekten und Retrolizenzen, beispielsweise klassische Laufspiele mit Replikas von Schuco-Spielzeugautos.

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Lizenzthemen aus Film und Fernsehen sind für die Hersteller von Brett- und Kartenspieler ein Megathema. Hilfreich, wenn Kinder- und Jugendforschungsinstitute wie IconKids & Youth aus München vier Mal im Jahr Kinder zwischen 4 und 12 Jahre befragt, welche Lizenzen sie kennen, mögen und Produkte davon besitzen (wollen).

Dabei gibt es zwischen den Ländern klare Unterschiede. Während in Großbritannien und Frankreich die Minions an erster Stelle stehen, sind es in Deutschland Tom & Jerry, gefolgt von Micky Maus. Die Minions kommen auf Rang 3, dahinter Ice Age, Donald Duck, Die Maus, Bugs Bunny, Die Schlümpfe, Shaun das Schaf und die Pinguine von Madagaskar.

Dröselt man die Ergebnisse auf Mädchen und Buben sowie in Altersgruppen auf, kommt es zu ganz anderen Reihungen.

Die jeweils ersten drei bei Buben sind Cars, Micky Maus und Paw Patrol (4 bis 6 Jahre), Minions, Ice Age, Tom & Jerry (7 bis 9), Tom & Jerry, Dragons, Ice Age (10 bis 12). Bei den Mädchen sind es Frozen, Biene Maja, Minnie Maus (4 bis 6), Frozen, Lego Friends, Tom & Jerry (7 bis 9) sowie Frozen, Tom & Jerry, Minions (10 bis 12).

 

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