Spieler des Jahres

Klaus Teuber ist Spieler des Jahres 2004

 

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Der "Spieler des Jahres 2004": Klaus Teuber

"Online- Welten geben dem Brettspiel neuen Push"
    

Der Siedler von Catan-Erfinder und „Spieler des Jahres 2004“ im Porträt. Wiederholt hat er die Grenzen des traditionellen Brettspiels überschritten.

Das macht ihm kein anderer Spieleautor nach: Bei rund 20 veröffentlichten Familien- und Erwachsenenspielen (berücksichtigt man Die Siedler von Catan mit allen Erweiterungen und Varianten als eine Einheit) wurde fast jede fünfte Spielidee Spiel des Jahres. Von anderen Spielepreisen im In- und Ausland einmal ganz abgesehen.

2004 kam die von der Spielwiese vergebene Auszeichnung „Spieler des Jahres“ hinzu. Für die Jury hatte den Ausschlag gegeben, dass Teuber im Vorjahr mit der Adaptierung des erfolgreichen PC-Spiels Anno 1503 das Augenmerk zahlreicher Computerspieler auf das traditionelle Brettspiel gelenkt hatte. Das passte haargenau ins Bild: Klaus Teuber kennt nicht nur keine Scheu vor anderen Spielewelten als jener aus Pappe und Holz – er ist geradezu der Vorreiter für das Zusammenwachsen bzw. das gegenseitige Ergänzen ganz unterschiedlicher Spielmedien.

Wer ist der Mensch Klaus Teuber? 1952 geboren, beginnt Teuber nach dem Abitur ein Chemiestudium, wird Zahntechnikermeister und übernimmt 1990 den väterlichen Betrieb bei Darmstadt. Neben Tanzen und Lesen ist Spiele erfinden seine Leidenschaft. Gleich sein erstes Werk Barbarossa wird 1988 Spiel des Jahres. 1990 und 1991 wiederholt er den Erfolg mit Adel verpflichtet und Drunter & Drüber.

Endgültig in den Olymp der Spielebranche bringt ihn 1995 Die Siedler von Catan. Trotz des weltweiten Mega-Erfolgs bleibt Klaus Teuber ein scheuer, seine Frau sagt: zurückhaltender und überaus bescheidener Vertreter der in seinem Kielwasser wachsenden Schar der Spieleautoren. Vier Jahre lang hadert er denn auch, sein Dentallabor zu übergeben und hauptberuflich Autor zu werden. Nicht wenige erblicken in diesem Zögern Koketterie, denn die Catan-Dampfwalze mit X Erweiterungen und Ablegern rollt und rollt. Auch erweckt Catan den Anschein, es müsse der ganzen Spielebranche blendend gehen.

Doch so, wie die Harry-Potter-Bücher ein Einzelphänomen sind und keineswegs eine ganze Generation zum Lesen anderer Bücher verführt, verhält es sich auch mit den Siedlern. Teuber weiß, dass Erfolg nicht beliebig vermehrbar ist. Die vielen Catan-Einzelprodukte täuschen: Im Gegensatz zu anderen Autoren plagiert sich Klaus Teuber in all den Jahren äußerst selten selbst. Er gießt nicht eine Spielidee leicht verändert unter verschiedenen Titeln bei mehreren Verlagen immer wieder auf. Er konzentriert sich auf das Catan-System. Auch wenn beispielsweise Die neuen Entdecker, Ozeanien und Die Siedler von Catan von ihrer Entstehungsgeschichte her zusammengehören, stecken jeweils ganz andere Überlegungen und Anforderungen dahinter.

Viele Autoren sehen zuerst einen bestimmten Modus oder Mechanismus für ein neues Spiel, Teuber denkt sich Szenarien und Geschichten aus, die er dann in Spiele umzusetzen versucht.

Klaus Teuber am PC: Wanderer zwischen den Spiele-Welten (Foto: Reich der Spiele)


Der "Spieler des Jahres 2004": Klaus Teuber

"Online- Welten geben dem Brettspiel neuen Push"

Durch diese Annäherungsweise an ein neues Spiel konnte vermutlich auch nur er auf die Idee kommen, mit der Erfindung von „Prof. Easy“ den Spielern einen innovativen „Spieleerklärer“ an die Hand zu geben, der sie übers Thema in die jeweiligen Verästelungen eines Spiels und seiner spezifischen Regeln einführt: „Es haben so viele Leute Probleme, mit einem Spiel warm zu werden. Das war der Anstoß.“

Was wenige wissen: Für „Prof. Easy“ hat Teuber „auch finanziell ganz kräftig hinlangen müssen.“ Die 4000 bis 6000 Euro Entwicklungskosten pro Programm zahlte Teuber aus eigenem Sack. Erst 2004 erhält er für „Prof. Easys“ Erklärung von Candamir erstmals einen Zuschuss vom Verlag. Teuber: „Ich sehe das als Bestätigung.“

Auf Teubers Website www.catan.com wird man nicht nur durch Beispiele mit den oft komplexen Regeln vertraut gemacht. Man kann dort die Spiele auch elektronisch ausprobieren oder wird zu anderen Anbietern von Teuber’schen Online-Spielen verwiesen. Klaus Teuber sieht in den digitalen Spielwelten weder Widerspruch noch Konkurrenz zum traditionellen Brett- oder Kartenspiel: „Ich denke einerseits: die Stimmung, die man durch ein Brettspiel im Freundeskreis erlebt, kann das elektronische Spiel nie ersetzen. Andererseits: eine Community von Online-Spielern, die sich immer nachts um elf im Internet trifft, die will sich irgendwann auch persönlich kennenlernen und dann wird sie ein Brettspiel spielen. Das gibt dem Brettspiel an sich einen Push.“

Das Interesse verschiedener Firmen und Konzerne, die erfolgreiche Catan-Serie auch für andere Medien zu erschließen, war für ihn bestimmend, elektronischen Spielen mehr Augenmerk zu schenken und sich diesem globalen Trend nicht zu versperren. Damit kamen auf den stillen Hessen nicht nur technisch und handwerklich neue Herausforderungen zu: Das Verhandeln von Lizenzen liege ihm nicht, betont er, „ich brauchte da jemand, der mir hilft.“

Ernst wurde es vor rund drei Jahren, als Capcom Die Siedler von Catan in Japan herausbringen wollte: „Ich habe weder den Nerv noch die Zeit gehabt.“ Bei einem Spaziergang mit seinem Sohn Guido tat sich der Weg auf: „Er hat gemeint, er würde es sehr gern tun.“ Damit war praktisch die Catan GmbH gegründet, die „heute zwei Familien ernährt“. Die Firma ist de facto die Lizenzvermarktungsgesellschaft: Guido (links), der in den USA lebt und dort Internationales Recht und Wirtschaft studierte, ist Geschäftsführer und allgemeiner Ansprechpartner, Klaus der Entwickler, der zweite Sohn Benny wächst neben seinem Zivildienst langsam in die Firma und ist beispielsweise für die Prototypen zuständig.

Der vierte im Bunde ist Arnd Beenen (rechts), der vor allem externe Projekte koordiniert und „den elektronischen Part übernimmt“. Ohne den Überbau einer eigenständigen Firma ginge es heute gar nicht, machte Teuber die Erfarhung, „denn Firmen wie Microsoft oder T-Online würden mit einem Privatmann Verträge gar nicht mehr abschließen“.

 


Der "Spieler des Jahres 2004": Klaus Teuber

"Online- Welten geben dem Brettspiel neuen Push"

 

Klein Klaus bei der Einschulung in den 50ern

Das jüngste Kind ist der Catan-Shop, über den online Zubehör zu den Teuber-Spielen, Catan-Tassen oder seit kurzem auch kleine Spiele vertrieben werden: die „Klaus Teuber Classics“. Das sind eigene große Spiele, die „ihre Zeit gehabt haben, aus dem Programm eines Verlags fliegen und abgespeckt werden. Sie bekommen, in Anführungszeichen, damit ihr Gnadenbrot“, erklärt Teuber. So überarbeitet er derzeit Barbarossa.

Freilich ist auch weiterhin Neues zu erwarten, verspricht der Autor: „Momentan arbeite ich an einem Fantasy-Rollenspiel.“ Nachsatz: „Das gar nichts mit Catan zu tun hat.“

Für seine Neuerscheinungen hat sich Teuber an den Verlag Kosmos gebunden – ein Unikat in der Autorenszene. Diese Exklusivät sieht er pragmatisch: „Wenn man nur ein oder zwei Spiele pro Jahr macht, ist das kein Problem.“ Um viele Dinge kümmert sich außerdem die Gruppe TM-Spiele: Das T steht für Teuber, M für Rainer Müller. Weitere Mitglieder sind die Auch-Autoren Wolfgang Lüdtke und Peter Neugebauer sowie der selbstständige PR-Berater Fritz Gruber. Bis 2001 gab TM als Kleinlabel auch komplexe Spiele für die Freaks heraus, kümmert sich aber nach Markteinführung für Goldsieber (1995) nun schon seit 1997 vorrangig um die redaktionelle Bearbeitung der Kosmos-Spiele.

Trotz TM- und Catan-GmbH-Struktur und der familiären Unterstützung bleiben Klaus Teuber nach eigenen Angaben nur etwa 25 Prozent fürs Entwickeln neuer Spielewelten, „vieles davon ist elektronisch“. Catan, seine Allegorie des ursprünglichen Island, lässt ihn nicht los: Catan plus soll das Spiel heißen, das man per eMail miteinander über die Teuber-Website spielen wird können.

Klaus Teuber hat die Spielewelt(en) in den vergangenen zehn Jahren wie kein anderer Spieleautor geprägt und mit seinen Ideen bereichert. Mehrmals hat er dabei Grenzen zwischen Tradition und moderner Technik verwischt. Mit der Auszeichnung „Spieler des Jahres“ wurde sein innovatives Engagement unterstrichen. Bescheiden wie immer, sagte er in einer ersten Reaktion: „Ich bemühe mich um neue Wege, den Menschen das Brett- und Kartenspiel näher zu bringen und zugänglicher zu machen. Deshalb freue ich mich sehr über diese Anerkennung.“


Der "Spieler des Jahres 2004": Klaus Teuber

"Online- Welten geben dem Brettspiel neuen Push"

Die Ludografie (Stand 2004)

Familien- und Erwachsenenspiele:

1988 Barbarossa und die Rätselmeister/ASS, später Kosmos
1990 Asterix und die Römer/Ravensburger
1990 Einfallspinsel/ASS
1990 Timberland/Haba
1990 Licht und Schatten/Herder
1990 Adel verpflichtet/F.X. Schmid, später Alea
1991 Drunter & Drüber/Hans im Glück
1992 Der Fliegende Holländer/Huki, später Parker
1993 Vernissage/TM
1995 Die Siedler von Catan/Kosmos
1995 Galopp Royal/Goldsieber
1996 Entdecker/Goldsieber, ab 2001 Die neuen Entdecker/Kosmos
1996 Die Siedler von Catan – Kartenspiel/Kosmos
1997 Löwenherz/Goldsieber, später Kosmos
1999 Die Sternenfahrer von Catan/Kosmos
2001 Gnadenlos/Kosmos
2001 Sternenschiff Catan/Kosmos
2002 Abenteuer Menschheit/Kosmos/stern
2003 Anno 1503/Kosmos
2004 Candamir/Kosmos
2004 Ozeanien/Klaus Teuber Classics

Kinderspiele:

1990 Junior Barbarossa/ASS
1994 Brummi/Ravensburger
1995 Verrückte Tiere/Ravensburger
1996 Hallo Dachs/Goldsieber
1996 Phantasia in Kinderhand/Goldsieber
1997 Die Ritter von der Haselnuss/Goldsieber
1999 Fette Bäuche/Klee
2000 Rabatz auf dem Riesenrad/Klee
2001 Chip-Chip Hurra/Klee
2002 Das Steiff-Spiel/Kosmos
2003 Die Kinder von Catan/Kosmos

„Zwischen den Welten“:

1999 Catan - Die erste Insel/CD-ROM Ravensburger
2001 Die Siedler von Catan – Das Kartenspiel CD- und Online-Version/Kosmos
2002 Catan-Onlinewelt auf T-Online
2002 Einführung von Prof. Easy als Online-Lernhilfe
2003 Anno 1503/Kosmos: Brettspielumsetzung eines PC-Spielerfolgs
2003 Die Siedler von Catan werden Vorbild für einen Roman von Rebecca Cable
2003 Teuber startet auf seiner Website mit vereinfachten Online-Adaptionen seiner Spiele
2004 Entwicklung einer Catan-Handyumsetzung
2004 Candamir/Kosmos: Adaption des Siedler-Romans als einfaches Rollenspiel
2004 Die Siedler von Catan als Online-Spiel für Microsofts MSN-Gamechannel

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Kappler/Rüttinger sind Spieler des Jahres 2002

 

> Preisträger im Porträt:
de Cassans sind Spieler des Jahres 2001
• Kathi Kappler und Johann Rüttinger (für 2002)
Klaus Teuber ist Spieler des Jahres 2004
> Spieler des Jahres – Der Preis

   

Die Spieler des Jahres 2002: Kathi Kappler und Johann Rüttinger

Farben als Magie und Schweinsrüssel als Erfolg

 


 

 


 

Von Arno Miller

Die Jury würdigte das Engagement der beiden Preisträger, das Bewusstsein für die Originalität, Kreativität und Qualität des Brett- und Kartenspiels zu erhöhen. Johann Rüttinger, Spieleautor, Spielegrafiker und Spieleverleger in einer Person, kennt den vielschichtigen Prozess von der Idee bis zum fertigen Spiel genau. Mit viel Fingerspitzengefühl und Einfühlungsvermögen zeichnete er für die Visualisierung der Werkschau des bekannten Spieleautors Alex Randolph (u.a. Sagaland, Tempo, kleine Schnecke) zu dessen 80-er auf der Spiel ’02 in Essen verantwortlich. Im Drei Magier Verlag von Johann Rüttinger und Kathi Kappler erschien 2002 außerdem ein Buch über Randolph, das einen informativen wie auch höchst vergnüglichen Einblick in das Schaffen des Philosophen unter den Spieleautoren vermittelt.

Beide Projekte zusammen mit einer Reihe weiterer Persönlichkeiten und Institutionen der Spielebranche zu finalisieren, hat die neuen Spieler des Jahres an den Rand ihrer Kapazitäten und den eigenen Spieleverlag in beachtliche Terminnöte gebracht. Ohne die Liebe zum Spiel an sich wäre diese Arbeitsbelastung für sie nicht machbar gewesen.

Die Ausstellung im Rahmen einer Veranstaltung mit rund 148.000 Besuchern hat einem breiten spielinteressierten Publikum gezeigt, dass gute Spiele aus vielen geistigen Mosaiksteinchen bestehen und dass - wie im Fall Randolph besonders - eines aus dem anderen heraus folgt und mit präzisem Handwerk verbunden ist. Diesen Bogen exemplarisch einmal aufzuzeigen war umso wichtiger, als auch die Spielebranche verstärkt dem Mechanismus der Produktzyklen und schnelllebigen Lizenzproduktionen unterworfen ist.

In ihrem Verlag legten Kathi Kappler und Johann Rüttinger 1999 auch "Das Spiele-Buch“ von Erwin Glonnegger neu auf und gaben den Spielern ein Standardwerk in die Hand. Beide erwähnten Bücher waren übrigens über Spielwiese ONLINE zu bestellen.

Bild: Blick in die Randolph-Ausstellung von 2002 in Essen


  
Die Spieler des Jahres 2002: Kathi Kappler und Johann Rüttinger

Besuch in der Provinz. "Die Rüttingers“ findet man in Markt Uehlfeld. Bemüht man einen Routenplaner, um den Weg dorthin zu finden, so hat man zwar schnell eine Vorstellung davon, wie ländlich es werden wird. Doch über die regionale Einbettung lässt einen das hilfreiche Internet-Tools im Unklaren: Markt Uehlfeld liegt in Westmittelfranken. Nicht Franken, nicht Mittelfranken. Nein: Westmittel- franken. Das muss man sich einmal auf der Zunge zergehen lassen!

Eine so präzise Definition lässt nur einen Schluss zu: Hier leben Menschen, die sich selbstbewusst von anderen unterscheiden - wollen. Zugereisten, wie es beide sind, verheißt das ein mitunter schwieriges Verhältnis mit dem Eingeborenen. Kathi Kappler, die Frau an Johann Rüttingers Seite, ist bei den Grünen aktiv. Damit ist man in diesem Landstrich im Vornhinein verdächtig.

Hier ist deutsche Provinz. Die Optik unterstreicht’s Postkarten-getreu: Ende Februar hocken auf den Feldern und Karpfenweihern Schwäne. Vielleicht haben sie den Anschluss verpasst, weil die Aisch, ein sporadisch heimtückischer Fluss, im Herbst das halbe Land überflutet hat.

Unsere Preisträger leben direkt an der Aisch. Oder, wie man’s nimmt, die Aisch bei ihnen, wenn sie gelegentlich im Innenhof bis knapp unter die Schwelle steht. Die Aisch hat ehemals die Mühle betrieben, in der Johann und Kathi mit ihren Kindern wohnen und arbeiten. "Der Verlag“, das sind die ehemaligen Schlafgemächer des Müllers. Romantisch. Idyllisch. Draußen kämpfen Trauerweiden über das Wasser hinweg gegen das Umfallen in Richtung Mühle. Wie aus einem Werbespot für ein westmittelfränkisches Bier.

Bild: Die idyllisch gelegene ehemalige Mühle als Verlagssitz in Markt Uehlfeld



Die Spieler des Jahres 2002: Kathi Kappler und Johann Rüttinger

Apropos Werbung. Rüttinger, ein Sohn der Spielestadt Nürnberg (genauer aus dem Quartier Südfriedhof - auch so eine schöne Ortsbestimmung), verdiente seine Brötchen so erfolgreich in Werbung, dass ihm sein Steuerberater vor 20 Jahren dringend riet, sich zwecks optimaler Steuerschonung ein möglichst denkmalgeschütztes Domizil zuzulegen. Eine entsprechende Annonce führte ihn dann aus der Großstadt hier her.

In Markt Uehlfeld, laut emphatischer Homepage der Gemeinde mit 2650 Einwohnern und "Raum für starke Köpfe“ gesegnet, finden die beiden die Ruhe, die sie sich zum Arbeiten wünschen. Hektik und der für die Spielebranche typische Druck nach Neuheiten im Halbjahresrhythmus, das war bisher nicht ihre Sache. Noch fast jedes angekündigte Spiel ist mit erklecklicher Verspätung erschienen. Am schnellsten waren immer jene Spiele auf dem Markt, von denen vorher keiner etwas wusste. Zum Beispiel die Rüsselbande (Spielwiese 61). Überhaupt nicht in irgendeiner Absicht, dieses Spiel zu schmälern, kam es eigentlich als Therapie für den Autor Alex Randolph dazwischen. Der landete vor zwei Jahren während der Spielwarenmesse schwer krank im Krankenhaus. Neben Chirurgen (primär) rettete Johann Rüttinger (sekundär) das Leben seines Freundes, da er ihm die Umsetzung der Rüsselbande-Idee als Genesungs-Notwendigkeit täglich aufzwang.

Die beiden verbinden eine lange Freundschaft und auch viele Spiele. Gemeinsam ersannen sie Die verbotene Stadt (Ravensburger) und Twiddeldum (Noris). Im Verlag Drei Magier sind mehrere Spiele von Alex Randolph neu erschienen bzw. wieder aufgelegt worden.

Bild: Johann Rüttinger beim Rüsselbande-Spielen auf den Spieltagen in Essen


Teil 4: In absoluter Naivität


Die Spieler des Jahres 2002: Kathi Kappler und Johann Rüttinger

Die humanitäre Tat wurde beiden Seiten belohnt. Alex Randolph hat mit dem Spiel als 79-Jähriger einen weiteren Erfolg gefeiert, für den Drei Magier Verlag wurde die Rüsselbande zum Einstieg in die nächst höhere Spielklasse: Das Spiel bildete die Basis der neuen Kooperation mit Schmidt Spiele. Der Schmidt-Vertrieb sorgt nun für die "dicken“ Absatzkanäle wie Kaufhausketten. Für die Kooperation sind die Magier nun voll eingespannt.

So muss auch Das magische Quadrat leider noch länger auf seine Veröffentlichung warten. Das Spiel verspricht die Anknüpfung an die so genannte Magier-Trilogie zu werden, mit der Johann Rüttinger unter Spielern bekannt wurde: Die drei Magier (1985), Das blaue Amulett (1986) und Der Feuersalamander (1987).

Die Serie, die heute Kult-Charakter genießt, war für die damalige Zeit aus mehreren Gründen außergewöhnlich. Es waren zum Teil relativ komplexe Spiele und sie unterschieden sich auch in Gestaltung und Machart ganz deutlich vom damaligen Einheitsbrei. "Wir sind damit“, spricht Johann für sich und den sechs Jahre jüngeren Bruder Michael, "in absoluter Naivität auf den Markt gegangen." Auch dass die Trilogie von Noris kam, mutet heute befremdlich an.

Johann Rüttinger war nicht nur Co-Autor, sondern auch der Grafiker der Trilogie. Typisch: Die unzähligen feinen, zuerst liebevoll gezeichneten und danach aquarellierten Details. Zuletzt zu entdecken bei Carcassonne - Die Jäger und Sammler. Eine unverwechselbare Handschrift des gelernten Grafischen Zeichners - erst recht, wenn man sie mit den Airbrush-Orgien heutiger Spiele vergleicht.

Noch immer gibt es bei Noris zahlreiche Spiele von ihm - alle unauffällig, aber gut im Verkauf. Über viele Jahre hinweg bildeten Johann und Michael das Hausautoren-, Redaktions- und Designduo für praktisch alles in dem von den meisten verkannten Fürther Verlag. Einmal in dieser Rolle abgestempelt, blieben die Türen zu anderen Verlagen zu. Zeitlich wären sich Seitensprünge ohnehin kaum ausgegangen. Als Ausnahme ist mit Max Mümmelmann bei Ravensburger ein Johann-Rüttinger-Spiel schon seit vielen Jahren im Sortiment.

Bild: Johann mit seinem Bruder und oftmaligem Co-Autor Michael (1990)



Die Spieler des Jahres 2002: Kathi Kappler und Johann Rüttinger

Die Laufbahn bekam eine neue Ausrichtung, als Johann Rüttinger selbst ins Verlegergeschäft einstieg. Warum eigentlich? Scheu vor Selbstständigkeit legte er schon als 20-Jähriger ab. "Und im Endeffekt geht es darum, etwas zu erzwingen. Das ist meine Mentalität ...“, beschreibt sich der 56-Jährige. Er und Kathi hatten sich nichts anderes in den Kopf gesetzt, als mit hochwertigerem Material und mit besseren Ideen als die Anderen Spiele zu machen. Kinderspiele, vor allem.
Dass es nicht leicht würde, wussten sie. Dass es anfangs so schwer würde, nicht. "Wir sind keine Marketing-Leute“, bekennen sie, "wir schauen uns die Kinder und die Mütter an. Wenn du etwas für die Kinder machst, dann machst du es nicht für die Verkäufer oder die Einkäufer.“ Nachsatz: "Dass wir davon leben müssen, ist klar. Aber dass wir nicht unsere Seele verkaufen, auch.“

Heute ist Drei Magier eine Firma, die sogar Angestellte hat. Das soll mehr kreativen Freiraum zulassen. "Die Fabrik“, wie sie dieser Tage Kunden aus Fernost besuchen wollten, gibt es allerdings nicht. Die wunderbare Ergänzung von Kathi und Johann besteht - ganz grob - darin, dass die Karlsruherin neben dem Kaufmännischen fürs Textliche zuständig ist (Kathi schreibt auch Kinder- und Jugendbücher), und der Nürnberger das "Optische“ übernimmt.

Schon in der ersten Klasse legte Klein-Johann Zeugnis von seinem Talent ab, worauf der Lehrer an der Echtheit der Zeichnungen zweifelte und spottete, die Klasse hätte einen neuen Albrecht Dürer. "Ich wusste damals gar nicht, was ein Albrecht Dürer ist", erzählt Rüttinger von der Kränkung, "er hat gesagt: ich lüge und sei ein Betrüger.“

Seine Originalität konnte Rüttinger später noch x-mal beweisen. Obwohl er sich selbst "nicht für einen guten Zeichner“ hält: "Aber ich kann eine Ausstrahlung erzielen. Das kommt durch die Farbe. Farbe ist etwas Magisches.“

Bild: Verlagsarbeit



Die Spieler des Jahres 2002: Kathi Kappler und Johann Rüttinger

Ludografie Johann Rüttinger

  • Abenteuer Reiterhof Noris
  • Abraxas 1993 Noris
  • Alle meine Entchen 1987
  • Bärenwald - Die lustigen Spiele der kleinen Bären 2002 Goldsieber (mit Michael Rüttinger)
  • Casino Las Vegas Noris
  • Charade Noris
  • Dallas Noris
  • Das Bibel-Quiz Noris
  • Das blaue Amulett 1986 Noris
  • Das Geheimnis der 7 Raben 1991 Noris (mit Michael Rüttinger)
  • Das große Einmaleins Noris
  • Das grosse Wissensquiz für Kinder 1992 Noris (mit Bernd Dümler)
  • Das kleine Einmaleins Noris
  • Das Königreich der Tiere Noris
  • Das Krokodil-Spiel 1987 Noris
  • Das Super-Quiz um Millionen Noris
  • Das tolle Spiel für Kinder 1993 Noris (mit Michael Rüttinger)
  • Das verrückte Lexikon-Spiel 1989 Noris
  • Daumen drauf 1996 Drei Magier Spiele (mit Jens Peter Schliemann)
  • Der Feuer-Salamander 1988 Noris
  • Der Schatz im Teufelsmoor
  • Der schwarze Prinz 1983 Noris-Spiele
  • Die drei Magier 1985 Noris
  • Fliegende Untertassen 1990 Noris (mit Michael Rüttinger)
  • Die sieben Weltwunder 1989 Noris (mit Michael Rüttinger)
  • Die verbotene Stadt 1992 Ravensburger (mit Alex Randolph)
  • Elfentanz
  • Farben-Bärchen Noris
  • Freche Mäuse 1987
  • Froschkonzert 1995 Noris (mit Michael Rüttinger)
  • Froschkonzert 1987
  • Gänse und Blümchen 1986 Selecta
  • Gespensterburg 1994 Noris (mit Michael Rüttinger)
  • Goldrausch
  • Heinz Sielmanns Expedition in Tierreich Noris
  • Hühnerhof Noris-Spiele (mit Michael Rüttinger)
  • Hühnerhof - Wer füttert die meisten Hühner? 2002 Goldsieber (mit Michael Rüttinger)
  • Igel, Frosch und Maus Noris
  • Inka 1984 Noris
  • Jackpot 1994 Drei Magier Spiele
  • Junior-Party (mit Michael Rüttinger)
  • Käpt'n Blaubärs Lügenquiz 1992 Noris (mit Bernd und M. Flessner und Michael Rüttinger)
  • Kibu-Kiki 1994 Drei Magier Spiele
  • Kinder-Quibble (mit Michael Rüttinger)
  • Kreativ Quiz 1992 Noris/Kaffee-Contor (mit Bernd Dümler, Bernd Flessner, M. Flessner, J. Hofmeister, V. Rohmann, Michael Rüttinger)
  • Kreuz und quer durch Deutschland (mit Michael Rüttinger)
  • Lustiges Lernen mit dem schlauen Fuchs Noris
  • Marienkäfer 1986 Selecta (mit Gilbert Levy)
  • Max Mümmelmann 1988 Ravensburger
  • Mein ABC-Spiel Noris
  • Mein ABC- und Zahlenspiel Noris
  • Mein schönes Lesespiel 1988 Noris (mit Michael Rüttinger)
  • Mein schönes Rechenspiel Noris
  • Mein Zahlenspiel Noris
  • Mini-Quiz Noris
  • Minz, Maunz und Bello Noris
  • Murmel Fiff 2003 Drei Magier (mit Kathi Kappler)
  • Perfekt geblöfft Noris (mit Michael Rüttinger)
  • Pictures Noris (mit Michael Rüttinger)
  • Piratenschatz Noris (mit Michael Rüttinger)
  • Quibble Noris (mit Michael Rüttinger)
  • Quizzard
  • ran SAT.1 Fußball Pocket-Quiz
  • Sachen suchen
  • Schau links, schau rechts, schau geradeaus ... Noris
  • Spass und Action 1993 Noris (mit Michael Rüttinger)
  • Spielhölle Noris (mit Michael Rüttinger)
  • Sterntaler 1989 Ravensburger
  • Stopp Noris (mit Michael Rüttinger)
  • Tauchbasis X-1 1995 Noris
  • TKKG - Der Schatz im Teufelsmoor 1986 Noris
  • Twiddeldum 1987 Noris (mit Alex Randolph)
  • Vokabo
  • Vom Tellerwäscher zum Millionär 1995 Noris (mit Michael Rüttinger)
  • Vorschul-Wissensquiz Noris (mit Michael Rüttinger)
  • Wahr oder gelogen? Noris (mit Michael Rüttinger)
  • Wer’s glaubt, wird selig
  • Wissens-Quiz Noris
  • Wissens-Quiz für Kinder Noris
  • Wissen und Spaß für die ganze Familie Wissens-Quiz Noris
  • Wörter-Rummy Noris (mit Michael Rüttinger)
  • Zwergen-Rennen 1996 Noris (mit Michael Rüttinger)

 

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de Cassans sind Spieler des Jahres 2001

 

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Die "Spieler des Jahres" 2001: Dagmar und Ferdinand de Cassan

Interaktion statt Kettenreaktion - Datenbank statt Laborversuche

Von Arno Miller

Eigentlich wollte er Nuklearphysiker werden. Ernsthaft. Er brachte das Interesse mit und hatte laut seinen Lehrern alle sonstigen Voraussetzungen dafür. Als Physiker wäre er aber nur hinter einem Uni-Schreibtisch versauert, meint Ferdinand de Cassan - und er wollte es aber immer schon ãmit den Leuten zu tun haben, mit ihnen Kontakt haben”. Also entschied er sich doch fürs Studium der Wirtschafts- und Sozialwissenschaften. Entsprechend nüchtern fällt auch seine Analyse aus, was den Aufwand eines ãMister Spiels” in Österreich angeht: ãAndere brauchen ein bis zwei Stunden zur Arbeit - ich habe einen großen Vorteil: Ich gehe zwei Minuten.”

Auf diese Weise Zeit gespart und mit einem unterdurchschnittlichen Schlafbedürfnis ausgestattet, bleibe ihm die Möglichkeit, seine Talente umzusetzen. ãWeder bin ich ein Weltmeister im Spielen, der immer gewinnt, noch bin ich der Mensch, der fähig ist neue Spiele zu erfinden. Aber meine Fähigkeiten liegen darin zu organisieren: Dass manche Leute erkennen, was man ehrenamtlich machen könnte und ich es schaffe, dass sie es tun und dabei mit anderen zusammen arbeiten.” So sei es rund ums Österreichische Spielefest, den neuen österreichischen Spielepreis und, und, und. Die Liste der Aktivitäten, Vereine und Initiativen, die von dem Fuchs-und-Hase-gute-Nacht-Nest Leopoldsdorf ausgehen, ist ellenlang.

Ein Kreis von rund zehn spielebegeisterter Leuten sei es, der sich mehr oder weniger regelmäßig trifft. Bierernst geht es dabei ganz offensichtich nicht zu, denn ãviele dieser Ideen entstehen durch Blödeleien”, räumt Ferdinand de Cassan ein. Die Arbeit, das sei dann das Umsetzen, das Umsetzen aber auch der eigentliche Spaß an der Sache.

Andere 49-Jährige dürfen Dagmar de Cassan getrost um ihre Quirligkeit sowie um ihr phänomenales Gedächtnis beneiden. Mitglieder des Spielekreises Wien berichten beispielsweise, dass sie von Leuten, die nach Jahren wieder einmal hereinschneien, aus dem Stand die Telefonnummer parat hat. Bei Details zu Spielen - und seien sie auch schon längst nicht mehr im Verkehr - verhält es sich genau so.

Sollte einmal das ãwandelnde Lexikon” dennoch ad hoc nicht weiter wissen, greift Dagmar de Cassan zur Tastatur und befragt ihre Datenbank mit zig tausenden Einträgen. Die Kerndaten von rund 13.000 Spielen (!) stehen auf der Spieledatenbank im Internet für jedermann zur Verfügung. An Umfang und Qualität steht sie der bekannteren Web-Adresse von Luding in nichts nach.

Überhaupt: Das Internet hat die Ferdinand und Dagmar in den letzten Jahren zusätzliche Flügel verliehen. Nicht nur zur Imagepflege der verschiedensten Aktivitäten, sondern auch mit Nutzen für die Spieler, besonders für solche, die einmal nicht weiter wissen. So gibt es unter anderem einen Regelservice, eine Internetberatung anhand verschiedener Eingabekriterien oder die ãSpielregelshow”, in der via internet Regeln aktueller Spiele mit Bildern erklärt werden. Als Ableger davon stellen die beiden das Ganze seit wenigen Tagen für die kurze Spielepräsentation dem Fachhandel auf CD-ROM zur Vergügung.

Die beiden Kinder Philipp und Simone sind ebenfalls beteiligt. Philipp, der heuer maturiert, ist der Webmaster des vielfältigen Internet-Angebots made in Leopoldsdorf bei Wien. Die zwei Jahre jüngere Simone kümmert sich beim Spielefest und bei Spielemarathons draußen im Marchfeld um die Kinder der Gäste und sorgt so indirekt ãsehr lieb und ausdauernd” (Dagmar) für den Spielenachwuchs. Die große Überraschung ist eigentlich, dass zwei Kinder, die in einem derartig einmaligen Spielehaushalt aufwachsen, trotzdem noch gerne spielen. ãDas liegt daran,”, klärt die Mutter auf, ãdass wir sie nie in unser Universum hineinziehen wollten: Sie konnten mitmachen, wenn sie wollten, wir haben sie nie bedrängt.” Und wenn die Kinder einmal dem optischen Reiz einer Schachtel verfielen, das Alter aber noch nicht dem Spiel entsprach, dann wurde ihnen auch klar gemacht, ãdass sie es spielen können, sie aber auch akzeptieren müssen, dass sie verlieren.”

Jung oder Alt: Die de Cassans haben Unzählige zum Spielen gebracht oder sie bei der Stange gehalten. Aber Missionarisches will Dagmar de Cassan nicht erkennen. Schon das Wort stört sie, weil es auch Zwang beinhalte: ãEs können Ideen überzeugen, wenn sie gut genug sind - das reicht.” Auch wenn das Spielen und das Drumherum Ausmaße von Arbeit angenommen hat, ãden Spaß habe ich nach wie vor dabei.” Das liege ãan der Materie und sicher auch an den Leuten, die man dabei kennenlernt. Sehr viele Spieler haben einen ganz eigenen Humor.” Für sie zeichne sich der typische Spieler an vorderster Stelle ãdurch eine große Portion Neugier und eine mindestens so große Portion Toleranz aus - eine Bereitschaft, sich mit neuen Menschen und neuen Dingen auseinanderzusetzen.”

Auch Ferdinand de Cassan bestreitet, ein Missionar zu sein: ãJeder versucht seine Freizeit zu organisieren. Ich spiele ungemein gern.” Und er freut sich, dieses Hobby mit so vielen Leuten zu teilen: ãEs ist ganz selbstverständlich geworden, dass Leute spielen. Wir (gemeint sind alle Spieler, Anm.) sind sehr weit gekommen: Wenn man heute über Spielen redet, dann wissen die Leute worum es geht und die meisten kennen auch selbst einige Spiele.” Da brauche man nicht mehr viel zu missionieren. Das Problem sei doch vielmehr der Wettbewerb zwischen den vielen Freizeitangeboten. Den Startnachteil des Brettspiels sieht Ferdinand de Cassan, ãdass man nur durch Vorbildwirkung die Leute motivieren kann mitzumachen”.

Wie war’s bei ihm? Eine glückliche Fügung, könne man sagen. Der Vater des kleinen Ferdinand und der damalige Bundesgremialvorstehers des österreichischen Spielwarenhandels seien enge Freunde gewesen: ãWenn man an der Quelle sitzt, hat man die Chancen gehabt”, erzählt de Cassan. Chancen auf ausgefallene Spielsachen und Spiele, die es Ende der 50-er und anfangs der 60-er ja bei weitem nicht in diesem Umfang gegeben hat. So wurde der Kleine praktisch vom Virus gepackt. Das manifestierende Ereignis schließlich ãwar Mitte der 70-er-Jahre meine erste Reise nach London. Da ga es eine Zeitschrift ,Games & Puzzles’, die über Spiele berichtet hat und da hat man noch nach England fahren müssen, um sich die guten Spiele zu holen. Heute ist es umgekehrt, heute fahren die Engländer nach Deutschland.”

Es ist schwer auszumachen, wer von den Eheleuten de Cassan der ãKopf” der Familienunternehmung ãSpielen in Österreich” ist. Ferdinand und Dagmar de Cassan sind ein kongeniales Paar, wenn es ums Hervorbringen neuer Spielerservices oder Ideen für die österreichische Spielebranche geht. Sie sind in diesem Bereich ãMacher”. Das macht sie auch nicht immer einfach: Sind sie von etwas überzeugt, dann wird es durchgezogen. So war es etwa, als zu Beginn der 90-er-Jahre die Neuorientierung und die Zukunft des Österreichischen Spielefests anstand. Darüber schieden sich bei Ferdinand de Cassan und Roberto Talotta als deren ãVäter” die Geister eklatant.

Ferdinand ist der Kommunikator nach außen. Vor dem Telefon hat er keinerlei Berührungsängste - und sei es manchmal auch zu ungewöhnlichen Tageszeiten. Einer seiner Standard-Sager lautet dann: ãWeißt du, ich will die Leute überzeugen, dass ...”. Obmann der IG Spiele - das ist der Trägerverein des Österreichischen Spielefestes, in dem die Verlagsgewaltigen und Importeure formal die nächsten Stufen der Vereinshierarchie belegen - ist die angeborene Rolle für Ferdinand de Cassan: Er ist ãMister Spielefest” und beherrscht den Spagat zwischen Kulturgut und Kommerz. Dazu gehört, wenn immer angebracht, der väterliche der Blick über den Brillenrand in die Kameras der Fotografen und Fernsehteams.

Das Abgelichtetwerden ist etwas, das Dagmar de Cassan überhaupt nicht liegt. Kamerascheu ist noch zu tief gestapelt. 2001 musste es die Vorsitzende der Weiner Spiele-Akademie denn trotzdem über sich ergehen lassen, einmal bei der Bekanntgabe der ãSpielehits? im nobeln Hotel Sacher, einmal bei der Verleihung der Urkunden am Vorabend des Spielefests. Sie hat’s insgeheim genossen, schenkt man den Blicken Glauben. Aber nur der Sache wegen, wird sie beteuern.

Die de Cassans leben also fürs Spiel. Doch wovon leben sie? Dagmar de Cassan ist Geschäftsführerin in der Firma ihrer Eltern, die Sonderaufbauten für Lkw herstellt. Für Ferdinand de Cassan war das Wirtschaftsstudium die gute Basis, später den Gartenbaubetrieb mit der größten Rosenzucht Österreichs zu übernehmen. Die Preise für heimische Rosen sind zwar im Keller, denn heute überschwemmen aus dem Osten Blumen zum Spotpreis den Markt. Reihum warfen Konkurrenten, pardon: Mitbewerber das Handtuch. Früher sei es eine Million Rosen gewesen, die die Firma produziert habe, heute wären es viel weniger. Mit seinem trockenen Humor fügt er hinzu: ãAber es besteht die Gefahr, dass wir immer noch die Größten sind.” Der Trend zur ãNatur aus zweiter Hand”, also ein gepflegter Garten, speziell mit ãnatürlichem” Teich oder Schwimmbad, habe die Rosenzucht-Baisse kompensieren können.

Ach ja, kennengelernt haben sich die beiden Preisträger - wo sonst - in einem Verein, wo gespielt wurde. Zum Spiel selbst gekommen ist Dagmar de Cassan während ihres Studiums der technischen Chemie (Biochemie) in Graz. Gespielt wurde damals aber Untypisches wie klassisches Familienspiel. Die persönliche Vorliebe zu komplexen Eisenbahnspielen entwickelte sich viel später. Und Ferdinand spricht nur von der Befriedigung durch ãdie Interaktion mit Leuten” und ãvom Glück, viele Leute gefunden zu haben, von denen man weiß, dass sie ehrlich spielen.” Denn nur so mache das spielerische Kräftemessen auf Dauer wirklich Spaß.

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Spieler des Jahres – Der Preis

 

> Preisträger im Porträt:
de Cassans sind Spieler des Jahres 2001
Kappler/Rüttinger sind Spieler des Jahres 2002
Klaus Teuber ist Spieler des Jahres 2003
> Der Preis

   

"Spieler des Jahres" würdigt Leistungen rund ums Spiel(en)

Fachzeitschrift Spielwiese vergibt die Auszeichnung "Spieler des Jahres”

Das Objekt der Auszeichnung für 2001

Für die Auszeichnung "Spieler des Jahres 2001" wurde der Vorarlberger Aktionskünstler Wilfried "Wif" Kofler (mehr über ihn weiter unten) beauftragt, ein spielbares Objekt aus Metall - seinem ureigensten Material als gelernter Schlosser - zu schaffen.

Zur ungewöhnlichen Waage gehören 19 Steine, die vom Schweizer, österrechischen und deutschen Ufer des Bodensees stammen. Damit betont die Auszeichnung ihren internationalen Charakter für den gesamten deutschsprachigen "Spielerkreis". Und was die Waagschalen angeht, erklärt Kofler, wolle er aufzuzeigen, dass es immer mehrere Sichtweisen und Einflussfaktoren gibt - sie sollten im Gleichgewicht liegen, um das Optimum herauszuholen". Ob bei einem Spiel, wo Glück, Taktik, Geschicklichkeit oder auch Wissen gemeinsam eine Rolle spielen können, so wie in anderen Lebensbereichen auch.

Beim Bespielen des Objektes ist es dehalb die auch die Aufgabe, die Steine auf den drei Waagschalen ins Gleichgewicht zu bringen.

Die Grundidee

Es gibt mehrere Dutzend Spielepreise - mehr oder weniger wichtig - rund um den Globus. Alle zeichnen "nur" Spiele bzw. Produkte aus. Kein einziger würdigt direkt die Leistung von Menschen, die hinter diesen Spielen stehen. Die Auszeichnung "Spieler des Jahres" soll aber genau das tun.

Kandidaten

Vor den Vorhang geholt werden Persönlichkeiten, die im Jahr zuvor durch eine besondere Initiative für das Spiel für Aufmerksamkeit sorgten oder mit einem Spiel besonders hervorstachen. Als Kandidaten für die Auszeichnung kommen also Autoren, Illustratoren, Verleger, Spieleredakteure, Veranstalter usw. in Frage. Rund ums Spielen gibt es ja jede Menge, meist einem größeren Kreis unbekannte Leute, die in diesem Bereich ihre Meriten haben.

Wofür

Ausgezeichnet werden sollen Personen/Gruppen/Institutionen, die im vorigen Kalenderjahr durch eine besondere bzw. hervorragende Leistung im deutschsprachigen Raum dem Spielen an sich einen innovativen Schub gegeben haben oder in anderer Weise positiv in Erscheinung getreten sind. Es soll keine Auszeichnung für ein Lebenswerk sein, was aber nicht gleich bedeutend damit ist, dass ein "alter Hase" von vornherein ausgeschlossen ist. Nur als Beispiel: Auch ein renommierter Autor kann schließlich mit einem tollen Spiel (noch einmal) einen überragenden Wurf hinlegen.

Der Künstler

Der Vorarlberger Aktionskünstler Wilfried "Wif" Kofler macht nichts ohne Hintersinn. In seiner Heimat ist er deshalb vor allem durch seine spontanen ironischen Umsetzungen bekannt geworden. Seine Objekte sind meist so ins Stadtbild eingebettet, dass sie erst auf den zweiten Blick auffallen.

Mal montierte er zu den Bregenzer Festspielen in Schwindel erregender Höhe an Laternenpfählen Wasserhähne, mal versah er das Geländer am Bodenseeufer mit stählernen Knoten, um an ein abgerissenes Kulturdenkmal auf gleicher Höhe zu erinnern ...

Für die Auszeichnung "Spieler des Jahres" wurde Kofler beauftragt, ein spielbares Objekt aus Metall - seinem ureigensten Material als gelernter Schlosser - zu schaffen. Zur ungewöhnlichen Waage gehören 19 Steine, die vom Schweizer, österrechischen und deutschen Ufer des Bodensees stammen. Damit betont die Auszeichnung ihren internationalen Charakter für den gesamten deutschsprachigen "Spielerkreis". Und was die Waagschalen angeht, erklärt Kofler, gehe es darum aufzuzeigen, dass es immer mehrere Sichtweisen und Einflussfaktoren - sie sollten im Gleichgewicht liegen, um das Optimum herauszuholen". Das ist auch die Aufgabe, die Spieler mit den Steinen zu erfüllen haben.

Die Jury

Natürlich braucht es jemanden, der die späteren Preisträger nominiert und aussucht.
 Nominierungen können von jedem der Spielwiese vorgeschlagen werden. Die Auswahl trifft dann jährlich eine Jury, die im Kern aus Spielejournalisten besteht. Der Jury gehörten u.a. Michael Knopf † (Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung), Dr. Christian Winder (Tiroler Tageszeitung, ORF), Knut-Michael Wolf (spielbox-online), Michael Weber (Reich der Spiele) und Arno Miller (Die Spielwiese). Der Kreis wurde jeweils um den jeweiligen Preisträger im darauf folgenden Jahr erweitert.

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