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Spielwiese-Test 975: Hase und Igel

Wieder im Rennen

Die Spielwiese nimmt anlässlich der Neuauflage diesen Klassiker unter die Lupe. Hat der Reiz fast 30 Jahre und drei Ausstattungen überdauert?

 

Die Grafik der aktuellen Ausgabe bei Ravensburger lehnt sich stark an das Original von 1979 an.

Fotos: Ravensburger, Abacus

 
Zum Vergleich die Ausgabe von Abacus, wo das Spiel von 2000 bis 2007 war.
 
Die Felder des Wettlaufs wechseln einander ab und jede Art hat ihre Bedeutung.
 
Karotten liefern den Spielern die "Energie" vorwärts zu kommen. Wie beim Autofahren: Je mehr man aufs Gas drückt, umso höher der Verbrauch. Links in der Tabelle die Zugweite, rechts die Anzahl der dafür notwendigen Karotten.
 

 Über wenige Spiele gibt es wirklich gute Anekdoten. Über Hase und Igel schon. Als das Spiel vor bald 30 Jahren auf den Markt kam, lobte es auch ein Spielekritiker, merkte allerdings an, dass dem Spiel ein Würfel fehle.

Das ist bzw. war aber damals genau der Clou an der Sache: Die Spielfiguren wurden nicht durch den Würfelzufall bewegt, sondern durch den "Verbrauch" von Werten, die auf Karten gedruckt sind.

Genauer gesagt, sind es Karotten, mit denen die Spieler ihre Hasen bewegen. Der eigene Hase sollen als Erster ins Ziel kommen – also ein klassisches Laufspiel. Was aus verschiedenen spieltechnishen Gründen gar nicht so einfach ist. Eingebettet in die Geschichte vom Hasen und vom Igel, braucht die Spielfigur Futter, um den Weg zurücklegen zu können. Das sind Karotten. Für die gesamte Strecke hat man am Beginn zu wenig davon, am Ende können es sogar zu viele davon sein!

Denn nur zwischen einer Minimal- und einer Maximalmenge an Karotten dürfen die Spieler das Zielfeld betreten. Aber jetzt haben wir schon zu weit vorgegriffen.

Ungebrochener Charme

Was uns im Moment noch viel mehr interessiert, ist warum ein Spiel auch nach drei Jahrzehnten noch seinen Charme besitzt. Denn das ist die absolute Ausnahme. Sicher spielt eine gewisse Rolle, dass Hase und Igel das allererste Spiel des Jahres war. Das ist schon ein Prädikat und seit 1979 war reichlich Zeit für Mundpropaganda.

Abgesehen von jedweder Nostalgie, braucht der für die damalige Zeit innovative Spielmechanismus auch heute noch keinen Vergleich zu scheuen. Okay, heute ist von vielen Spielern mehr direkte Interaktion gefragt. Aber die gab es bei Hase und Igel indirekteben auch schon 1979: Beim Kampf um die Salatfelder, um die Igelfelder und um die Platzierungsfelder.

Und ein dritter Punkt. Die Aufmachung des Spielbretts samt Spielmaterial ist zeitlos schön im besten Sinn des Wortes.

Nachschub entscheidend

Was passiert also? wird sich jemand fragen, der das Spiel noch nicht kennt. Alle Spieler starten mit dem gleichen Karotten-Vorrat, die Züge auf Felder kosten umso mehr, je weiter man seinen Sprung machen will. Dazu gibt es eine praktische Tabelle, die so genannte Rennkarte. Das Ziehen um ein Feld kostet eine Karotte, das Ziehen um acht Felder aber schon 36. Gäbe man das Startkapital von 68 Karotten auf einmal aus, käme man gerade elf Felder weit. Die Strecke beträgt aber 64 Felder.

Also heißt es einerseits haushalten und andererseits sich rechtzeitig um Nachschub zu kümmern. Neue Karotten bekommt man, wenn man Pausen einlegt. Einmal aussetzen auf einem Karottenfeld bringt zehn neue Karotten auf die Hand. Nachschub gibt es auch, wenn man sich auf ein Igelfeld zurückfallen lässt. Für jedes rückwärts gezogene Feld gibt es zehn Karotten. Und schließlich gibt es noch die Positionsfelder (ursprünglich Flaggenfelder genannt), auf denen entweder eine einzelne oder mehrere Zahlen stehen. Stimmt sie mit der Position im Rennen überein, bevor man seinen eigentlichen Zug ausführt, gibt es ebenfalls Gemüse, und zwar das Zehnfache der jeweiligen Position.

Da nun auf jedem Feld immer nur ein Hase stehen darf, bleiben Gerangel und taktische Überlegungen nicht aus. Es wird nämlich immer wieder vorkommen, dass man auf ein bestimmtes Feld möchte, dieses aber besetzt ist, und man dann vielleicht zwei, drei Karotten zu wenig auf der Hand hat, um die Figur des Mitspielers zu überspringen. Oder andere partout nicht überholen will. Vor allem in der Nähe der Salatfelder, von denen es nur noch vier gibt (früher waren es fünf). Solange ein Spieler noch eine seiner drei Salatkarten besitzt, die er am Beginn erhalten hat, darf er nicht ins Ziel: Vorher muss der Salat "gefressen" werden.

Es gelten harte Gesetze

Das ist das harte Gesetz im Wettlauf von Hase und Igel. Verpasst ein Spieler die Chance, muss er sich wohl oder übel wieder zum nächsten Igelfeld zurückfallen lassen. Das kann zwar massig neue Karotten bringen, aber dazu muss das Feld erst einmal frei sein. Und in der aktuellen Version ist die Anzahl der Igelfelder reduziert worden.

Die Neuauflage bei Ravensburger wurde im Vergleich zu ihrem Vorläufer um ein paar Details verschärft. Eine Regel, die manchem aussichtsreichen Spieler schon das Genick gebrochen hat, gab es aber auch schon 1979: Wer weder einen Vorwärtszug machen, noch auf das nächste Igelfeld zurück kann, weil es besetzt ist, muss zurück an den Start!

Und auch das ist verhängnisvoll geblieben: wer sich mit zu vielen Karotten dem Ziel nähert, hat nicht rechtzeitig gerechnet. Der Erste darf nach dem Zieleinlauf maximal zehn Karotten übrig haben, der Zweite 20 usw. Ansonsten heißt es auch in diesem Fall: Zurück an den Start!

Für immer jung

Sich einfach "nur" von A nach B zu bewegen, mag manchen Spieler befremden, der gerne Inseln besiedelt und Städte entwickelt. Dennoch: Hase und Igel hat Tücken und stellt auch erfahrene Spieler immer wieder vor Herausforderungen, die man als Neuling nicht erahnt. Die Startphase einer Partie Hase und Igel ist zwar meist schleppend, bis alles einmal in Fahrt gekommen ist und der erste Spieler plötzlich einen Ausbruch wagt. Dann aber geht die Hasenpost ab! Denn wie in der Fabel gewinnt nicht unbedingt jener, der einfach wild vorausprescht, sondern sein Rennen schlau angeht.

29 Jahre nach der ersten Auszeichnung eines Spiel des Jahres muss den damaligen Juroren Anerkennung gezollt werden: Sie haben das Potenzial dieses scheinbar simplen Laufspiels richtig eingeschätzt. Hase und Igel wird wahrscheinlich für immer jung bleiben.



 Nr. 975: Hase und Igel

 

Spielwiese-Code  |   | G | 12 |

2008: Ravensburger

2000: Abacus

1979: Ravensburger

  • Laufspiel für 3 bis 6 Spieler (je mehr, desto spannender im Ablauf) ab 10 Jahre
  • Autor: David Parlett
  • Verlag: Ravensburger
  • ca.-Preis: mit 20,– € ein Top-Angebot

   Themen: Fabeln, Hasen, Igel, Wettrennen

      Preis-Leistungsverhältnis   
      Spielmaterial 
      Wiederspielreiz        
      Anspruch
  
   Glücksanteil        

  • Zielgruppe: Familien
  • Spieldauer: die auf der Schachtel angegebenen 30 bis 45 Minuten sind recht optimistisch
  • Schachtelinfo: spärlich, auch wenn der Kern getroffen wird
  • Spielmaterial: gut; das Spielbrett wurde gegenüber der Originalausgbe verkleinert, dadurch sich auch die Ablagefelder für die Karottenkarten weggefallen
  • Spielanleitung: gut
  • Anspruch: Ein Leckerbissen für Taktiker und und Strategen – eine gute Planung seines Wettlaufs ist unabdingbar
  • Spielreiz: nach wie vor hoch
  • Glücksanteil: mäßig, hängt auch davon ab, wie stark eine Spielerunde die Hasenfelder und damit die Ereigniskarten in Anspruch nimmt

 -Service:

Spielanleitung zum Herunterladen (Ausgabe 2008)
Spielanleitung zum Herunterladen (ursprüngliche Ausgabe 1979)

Auszeichnungen

  • Spiel des Jahres 1979

Rund ums Spiel

  • war das erste prämierte Spiel des Jahres
  • hielt sich fast 20 Jahre lang bei Ravensburger im Programm, kam 2000 bei Abacus in anderer modernerer Aufmachung auf den Markt
  • seit 2008 wieder bei Ravensburger in der Reihe Unsere besten Familienspiele mit Rückbesinnung auf den ursprünglichen Layout-Stil
  • In der aktuellen Fassung sind Anzahl und Anordnung der 64 Felder geändert, um das Spiel eher zu beschleunigen



 


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