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Spielen zwischen Palmen und Mittelmeer

 FESTIVAL.  Mit einem unvergleichlichen Gratisangebot lockt das Festival des Jeux als erste Großveranstaltung des Jahres rund 100.000 Spielbegeisterte nach Cannes. spielwiese.at war am Wochenende dort.

 

   
   

Rund 300 Aussteller sind auf dem Festival des Jeux präsent. Ob großer oder kleiner Verlag: Sie geben sich Mühe, ihre Neuheiten möglichst im Großformat und in einem angenehmen Ambiente zur Schau zu stellen.   

Fotos: spielwiese.at

   
   

Ein extra großer Bereich ist für typische Spiele für Kinder und Familien vorbehalten. 

   
   

Es gibt in Cannes keine allgemeine Spielfläche, wie zum Beispiel in Wien. Gespielt wird direkt an den Ständen der Aussteller. Die schaffen zu diesem Zweck ein großzgiges Raumangebot. Sehr positiv: Auch zu Spitzenzeiten wird man in den Gängen kaum  gerempelt und gestoßen.   

   
   

Das Festivalgebäude liegt direkt am Meer. Zuerst einmal heißt es anstellen: Nach den Terroranschlägen in Frankreich – Nizza ist ja nur ein paar Kilometer weit entfernt – werden Besucher und ihre Taschen kontrolliert.  

   
   

Mediterranes Lebensgefühl auch in den Business-Bereichen des Festivals des Jeux, wo sich Verleger, Händler, Autoren und Illustratoren zusammensetzen.    

   
   

Wer will, kann auch Spiele an Ort und Stelle kaufen. Es gibt mehrere Händler im Festivalgelände. Hier geht es jedoch sehr ruhig ab: Die Rabatt- und Diskontschlachten, wie man sie von der "Spiel" in Essen her kennt, gibt es in Cannes nicht.    

     

Vieles ist beeindruckend und ungewohnt. Das Internationale Splelefestival an der Cote d'Azur verlangt beispielsweise keinen Eintritt. Der Stadt, die indirekt Veranstalter ist, ist wichtig, dass möglichst viele Besucher kommen. Siehe Interview: Eine Stadt erfindet ein Spielefestival. Ein Geschäft ist es trotzdem: Natürlich zahlen die rund 300 Aussteller Standmiete, für die Stadt entscheidend sind jedoch die errechneten 3,5 Millionen Euro, die die Festival-Besucher für Essen, Trinken, Übernachten etc. in der Statdt liegen lassen.

Das Kongressgebäude direkt am Mittelmeer ist auf die jährlich hier ausgetragenen Filmfestspiele zugeschnitten. Das Spielefestival findet fürs Publikum vornehmlich im weitläufigen Erdgeschoß und in einer Nebenhalle statt. Ein "luftiges" Gefühl mit hohen Decken darf man sich nicht erwarten. Nur ganz oben, wo verschiedene Turniere, darunter Welt- und Europameisterschaften, stattfinden, können die Teilnehmer ihren Blick auch einmal aufs Meer oder in den Hafen voller Luxusjachten schweifen lassen.

Doch darum geht es den Besuchern nicht. Sie wollen spielen. Sie finden hier alles, was am französischen Markt angeboten wird. Dieser hat sich in den vergangenen zehn Jahren rasant entwickelt. Zuvor vor allem von einigen traditionellen Spielen sowie einem Haufen Plastikkram für Kinder geprägt, bringt Frankreich heute das wahrscheinlich vielfältigste Spieleangebot in Europa hervor. Siehe auch Vive la difference!

Während sich die deutschsprachige Spieleszene noch stark auf kopflastige Spiele konzentriert, zeichnen sich viele französische Spiele durch zwei Kennzeichen aus: ein hoher Spaßfaktor, auffallend oft auch über der 2-4-Spieler-Grenze, und einer entsprechend erfrischenden und im besten Sinn des Wortes verspielter Gesamtgestaltung. Der Begriff Partyspiel wäre dafür allerdings zu eng gefasst. Vielmehr trifft das gemeinsame Spielen mit Freunden eine Sehnsucht nach Geborgenheit und Rückzug vor der aktuellen angespannten gesellschaftlichen und politischen Situation. Der typische französische Spieler ist zwischen 25 und 40 und lebt in der Stadt. Bemerkenswert ist, dass durch zahlreiche kleine Spieleläden auch am französischen Land der Fan ein üppiges Angebot findet. Und kleinere Spielefeste gibt es über die ganze Nation verteilt.

Doch zurück nach Cannes. Die nun schon 30-jährige Erfolgsgeschichte des Festival des Jeux fußt auf dem Gesamtangebot. Go, Dame oder Schach als "Ur-Spiele" sind hier ebenso aufgehoben wie das Rollenspiel und Videospiele. Den größten Teil an Ausstellungs- bzw. Spielfläche nehmen allerdings die modernen Brett- und Kartenspiele ein. Gespielt wird direkt an den Ständen der Verlage, die dafür eine große Schar an Spieleerklärern aufbieten. Viele Aussteller sorgen mit viel Deko für eine einladende Atmosphäre an ihrem Stand. Von Hektik ist nichts zu spüren. Man darf sich als spielender Standbesucher alle Zeit der Welt nehmen.

Man sollte allerdings des Französischen mächtig sein. Denn beim Festival des Jeux ist Frankreich weitgehend unter sich. Dass Cannes an der unteren Kante des großen Landes liegt, tut dem Erfolg der Veranstaltung keinen Abbruch. 40 Prozent der Besucher kommen aus anderen Landesteilen. Cannes war immer schon ein Sehnsuchtsort für viele Franzosen. Seit 1988 eben auch für die spielenden. Sie werden nicht enttäuscht.

 

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