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Herbstneuheiten 2018: Die besten Spiele im Überblick

 NEUE SPIELE.  Es ist ein unglaublich dichtes Gedränge an neuen Spielen, die alle noch vor Weihnachten verkauft werden wollen. spielwiese.at hat die vielversprechendsten Neuheiten und Besonderheiten dieses Herbstes herausgepickt.

 

Kuratierte Übersicht anstelle sinnloser Listen

Auf der Spielemesse in Essen waren Ende Oktober rund 1400 Neuheiten zu sehen. Schon angesichts dieser Zahl macht eine Auflistung wenig Sinn *). spielwiese.at-Herausgeber Arno Miller hat deshalb unter vier Gesichtspunkten die Spreu vom Weizen getrennt. Am Beginn stehen zwei Trends, die sich diesen Herbst im riesigen Angebot verstärkten: Krimispiele und Spiele für größere Gruppen.

 

 NEUE SPIELE.  Es ist ein unglaublich dichtes Gedränge an neuen Spielen, die alle noch vor Weihnachten verkauft werden wollen. spielwiese.at hat die vielversprechendsten Neuheiten und Besonderheiten dieses Herbstes herausgepickt.

 

Kuratierte Übersicht anstelle sinnloser Listen

Auf der Spielemesse in Essen waren Ende Oktober rund 1400 Neuheiten zu sehen. Schon angesichts dieser Zahl macht eine Auflistung wenig Sinn *). spielwiese.at-Herausgeber Arno Miller hat deshalb unter vier Gesichtspunkten die Spreu vom Weizen getrennt. Am Beginn stehen zwei Trends, die sich diesen Herbst im riesigen Angebot verstärkten: Krimispiele und Spiele für größere Gruppen.

 

Mord und Totschlag

Detektive liefern mehr Spannung

Während im Fernsehen der "Tatort" gegen Seherschwund kämpfen muss, steht bei Spielen die Krimiwelle offenbar erst am Anfang. Über 40 Spiele, bei denen es um Verbrechen von Diebstahl bis zu Mord und Totschlag geht, haben wir dieses Jahr zu den einschlägigen Stichworten gezählt. Der Großteil davon ist im Herbst erschienen.

 

 
Samt Recherchen im Internet ermitteln die Spieler bei Detective bis zu drei Stunden.
  Bei Shadows – Amsterdam sollte ein Fall hingegen in 20 Minuten gelöst sein. 
     

Groß im Kommen sind dabei Detektivgeschichten. Wie auch in Film und Fernsehen geben eigenmächtige Ermittlungen von Induvidualisten oft mehr Spannung her als routinemäßige Polizeiarbeit. Wie die Drehbuchautoren fürs Bewegtbild gehen auch die Spieleautoren sehr kreativ ans Werk. Das nimmt dann, wie bei Detective von Pegasus mit zwei bis drei Stunden Ermittlungsarbeit, schon mal epische Ausmaße an. Es gibt fünf Fälle aufzuklären, die auch noch zusammenhängen. Auch Recherchen im Internet spielen eine Rolle. Internetzugang und ein Facebook-Account sind auch beim zweistündigen Detective Stories – Das Feuer in Adlerstein (Idventure) erforderlich. Dieses Spiel ist als realistischer Kriminalfall angelegt: Ein folgenschwerer Brand in der Stadt Adlerstein fordert ein Menschenleben. Wegen Brandstiftung mit fatalen Folgen wird ein Journalist angeklagt. Die Frage ist: Zu Recht? Ähnlich aufgebaut ist vom selben Verlag Der unvollendete Fall Holmes. Auch wenn der legendäre Londoner Detektiv ein Handy noch nicht einmal erahnen konnte, hier ist ein Smartphone oder ein Tablet vonnöten.

Mit 20 Minuten wesentlich schneller geht es bei Shadows – Amsterdam (Libellud) zugange. In der Grachtenstadt kämpfen zwei Detektiv-Teams gegeneinander und müssen den Fall mithilfe von Bildkarten schneller entschlüsseln als das andere.

Allein gegen den Bösewicht

Auch alleine kann gegen das Böse gespielt werden. Frosted Games und Pegasus haben die Einpersonenermittlung Der Unterhändler neu aufgelegt. Dabei wird gegen einen imaginären Geiselnehmer vorgegangen. Es gibt bereis fünf Erweiterungen!

Und natürlich gibt es auch Nachschub für die Fangemeinde der Black Stories von Moses. Zum Einen ist eine Sebastian Fitzek-Edition erschienen (25 der 50 Rätsel nehmen Bezug auf seine Bücher, die man jedoch nicht kennen muss), und zum Anderen mit Black Stories – Das mörderische Drehbuch leichte Kost: Ein Spieler liest seinen „Drehbuchautoren“ den Filmtitel und die Einleitung vor, legt die erste Filmszene auf den Tisch und los geht’s. Die Mitspieler müssen nun mit Ja-/Nein-Fragen errätseln, was hier geschehen ist und was als Nächstes passiert, erst dann bekommen sie die nächste von sechs Szenenkarten, die einen Fall bzw. einen fertigen Krimi darstellen.

Bei der oben genannten Zahl 40 fürs Krimi-Genre nicht mitgezählt sind die verwandten Escape-Spiele. Praktisch alle einschlägigen Lieferanten versorgen die Anhänger noch rechtzeitig vor Weihnachten mit neuen Fällen.

 

Gruppenerlebnisse

In direktem Kontakt oder neudeutsch: Face to Face

Was das Brett- und Kartenspiel im Wesentlichen von Computerspielen unterscheidet, ist der direkte Kontakt mit den Mitspielern in der Gruppe. Mitunter kann dieses Erlebnis buchstäblich körperlich werden. Bleib cool! hat Hasbro ein Partyspiel getauft, bei dem die Spieler sich abwechselnd ein Cool-o-Meter auf den Kopf setzen, das Alarm schlägt, wenn (angeblich) der Blutdruck steigt. Warum er das sollte? Nun, der Träger soll möglichst ruhig bleiben, während seine Mitspieler jede Art von Blödsinn treiben müssen. Das jeweilige Opfer hat genau 30 Sekunden Zeit, Ruhe zu bewahren und damit einen Punkt zu ergattern.

 

 
Bleib cool! von Hasbro   Gut gelaunter Piatnik-Chef Dieter Strehl: 25 Jahre Tick … Tack … Bumm mit sieben Millionen verkauften Stück. 
     

Weniger sinnbefreit geht es bei einer Reihe von neuen Wörterspielen zu, einem überaus beliebten und bewährten Genre unter den Partyspielen. Wir greifen Tick ... Tack … Bumm Chain Reaction heraus von Piatnik. Tick … Tack … Bumm ist als das Spiel mit der Bombe bekannt und dieses Jahr 25 Jahre alt geworden. Zum runden Geburtstag stellte Piatnik diese Version vor, bei der es nicht genügt, nacheinander Begriffe zu nennen. Hier müssen zur Verschärfung Buchstabenketten gebildet werden: Der Endbuchstabe des genannten Wortes ist der Anfangsbuchstabe des nächsten Wortes. In seiner gewohnt spitzen Art wies Firmenchef Dieter Strehl diesem Spiel (sowie dem Activity-Ableger Hol den Horst!) bei der Vorstellung auf der Essener Spielemesse den gebührenden Platz im Spielemarkt zu: Piatnik konzentriere sich lieber auf die Weiterentwicklung bewährter Ideen die Spaß garantieren würden, als auf noch so schön und aufwendig gemachte komplexe Spiele, von denen fast alle nach wenigen Monaten bereits in der Versenkung verschwinden. Vom Tick … Tack … Bumm-Original wurden übrigens schon sieben Millionen Stück verkauft.

Die Teilnehmerzahl bei der neuen Version ist nach oben offen. Das ist insofern bemerkenswert, als die Zahl an Spielen, deren Spieleranzahl nur noch mit einer Zahl und einem Plus dahinter angegeben wird, stetig wächst. Darin spiegelt sich offenbar das neu erwachte Bedürfnis nach spielerischem Gruppenerlebnis. Unter den Herbstneuheiten zählten wir allein bei „richtigen“ Verlagen (also keine Kickstarter-Projekte, Selbstverleger und Ähnliches) 18 Spielen, die auf Deutsch erschienen sind und dieses Plus aufweisen. Weitere 21 Spiele nennen konkret bis zu 8 Spieler, einige wenige 9 oder 10. Dabei geht es quer durch alle Kategorien, von Unser lustiges Tierparparty-Spiel aus der Kleinkinderreihe Ministeps von Ravensburger über das bewegungsförderliche Reaktionsspiel Vollpfosten bei Zoch bis zum Horrorabenteuer Mythos Tales bei Pegasus.

Nicht zuletzt steht hinter dem Zug, verstärkt Spiele für (größere) Gruppen auf den Markt zu bringen, der Megatrend Kooperationsspiele. Die gehen halt mal nur in der Gruppe.

 

Anders als gewohnt

Wie alle Branchen lebt auch der Brett- und Kartenspielmarkt von Innovationen. Sie fallen einmal mehr und einmal weniger markant aus. Hier ein Blick auf einige hervorstechende Neuerscheinungen. 

Brettspiel nimmt sich eines Tabuthemas an

Beginnen wir mit der thematisch wahrscheinlich ungewöhnlichsten Neuheit dieses Herbstes. Es geht ums Sterben, konkret um Sterbebegleitung. Wird das Leiden von Todgeweihten schon im realen Leben eher tabuisiert, muss ein Spiel dazu erst recht zunächst irritieren. Der Titel Holding on – Das bewegte Leben des Billy Kerr zeugt im ersten Teil von der Hoffnung, das Unabwendbare vielleicht doch noch übergehen zu können, der zweite Teil nimmt dann konkreter Bezug auf das, wie sich das Spiel dem Thema annähert. Erleben und Austausch stehen dabei im Vordergrund, die Spieler schlüpfen in die Rolle von Pflegern. Sie arbeiten zusammen, um sich angemessen um Billy zu kümmern, auf medizinische Notfälle zu reagieren und das Vertrauen des Patienten zu gewinnen. Im Verlauf der zehn zusammenhängenden Szenarien müssen sie die Bruchstücke seiner Lebenserinnerungen zusammensetzen und erfahren immer mehr über Billys sorgenschwere Vergangenheit. Das Spiel ist ernst, einfühlsam und die Veröffentlichung auf jeden Fall eine mutige Verlagsentscheidung.

 

 
Unscheinbar, aber mit einem ernsthaften Thema: Holding on – Das bewegte Leben des Billy Kerr. Dabei geht es um Sterbebegleitung.   Beim Spiel Nyctophobia (= die Angst vor der Dunkelheit) spielen die Spieler mit einer aufgesetzten Dunkelbrille und müssen sich tastend durch ein Labyrinth bewegen.
     

Mit konkreten Ängsten hat auch das Spiel Nyctophobia zu tun. Der Begriff bezeichnet die Angst vor Dunkelheit. Im Kinderspielbereich ist das Thema durch eine Vielzahl an Gute-Nacht-Spielen präsent. Im Erwachsenenbereich hingegen war uns bisher kein Spiel zur Angst vor der Dunkelheit bekannt. Ihr wird bei dem Spiel bei Pandasaurus zuerst einmal reißerisch Raum durch das Gruselcover eingeräumt, damit man gleich weiß, wo der Hammer hängt: Die Spieler müssen vor dem Bösen flüchten und bekommen dafür Dunkelbrillen aufgesetzt, auch damit sich die Beklemmung steigert. Was sich daraus ergibt ist ein Kimspiel in einem 3D-Labyrinth auf dem Spieltisch: Die Spieler müssen sich auf ihren Tastsinn und ihre Kommunikation verlassen, um dem Jäger davonzukommen.

Dieses, sagen wir einmal: düster umgekehrte Scotland Yard ist nicht die einzige Neuheit, die mit ungewöhnlichen Mitteln auf der Welle der Escape-Spiele schwimmt. Ravensburger versucht mit den drei Ausgaben Die Tempelanlage, Die Sternwarte und Die Hexenküche in einer neuen Reihe EXIT Puzzle zwei Genres geschickt zu verbinden: Es gibt jeweils eine Aufgabe und die Lösung führt über das fertig gelegte Puzzle aus 759 Teilen, das die gesuchten Hinweise darstellt. Und natürlich ist es so, dass die Bildvorlage für das Puzzle nicht alles preisgibt. Sonst wäre es ja zu einfach.

Das Internet weiß alles

Bleiben wir bei Ravensburger und schwenken wir zu einem Trend ein, den wir weiter oben schon gestreift haben: Traditionelles Spiel, angereichert mit der digitalen Gegenwart. Ravensburger platziert in das überquellende Regal der Quizspiele seine Neuheit mit der doppelsinnigen Schreibweise kNOW! (Bild rechts). Was ist hierbei anders? Es ist das Resultat einer Zusammenarbeit des Spieleverlags mit Google, bei der der Suchmaschinengigant die Referenzdaten für die gesuchten Begriffe und Antworten des Quizspiels beisteuert. Übers Internet. kNOW! gibt es in zwei Packungen, einmal mit und einmal ohne Google Assistant-Gerät Google Home Mini, also einem kleinen Ding, über das wir „mit dem Internet“ sprechen. Ein Smartphone tut’s aber auch, auf dem Google Assistent installiert ist. Über diese Google-Software und die Anrede „Professor Google“ wird gecheckt, ob die die Antworten richtig sind zu den Fragen auf ganz herkömmlichen Kärtchen. Google weiß selbstredend die exakte Antwort auf Schätzfragen wie "Wie weit ist es von hier nach Honululu?“, spielt seine Stärke aber dann voll aus, wenn es zum Beispiel darum geht, die längsten Flüsse eines Landes oder Ähnliches zu nennen. Das ist recht unterhaltsam und die Kombination Ravensburger-Google beseitigt einen Nachteil vieler Wissensspiele: Die meisten sind für den deutschen Markt produziert, wodurch ein Österreicher oder ein Schweizer mit diesen länderspezifischen Fragen nichts anzufangen weiß. Bei kNOW! ersetzt man einfach die Provenienz: Statt die Frage nach den „bekanntesten Athleten Deutschlands“ in die Runde zu werfen, fragt man nach den „bekanntesten Sportlern Österreichs“, um ein Beispiel zu nennen. Internet-Professor Google weiß die Antwort (deren Rangliste darauf basiert, wie oft ein Dirk Nowitzki oder ein eben ein Marcel Hirscher in den Weiten des Internets gefunden wird). Die Hinterlassenschaft digitaler Spuren ist auch das Treibmittel bei  #hashtag – The Game von Jumbo, wovon der Spielwiese-Test bereits veröffentlicht ist.

Eine vergleichsweise sinnbefreite Verbindung zwischen Amazons Alexa und traditionellem Kartenspiel ist Mau Mau Turbo bei Noris. Wir führen diese „Innovation“ stellvertretend für jene Spiele an, die mit einer App aufgepeppt sind, das „Digitale“ im Grunde aber lediglich Beiwerk im Sinne einer Spielanleitung anderer Art ist. Bei Mau Mau Turbo gibt Alexa vor, was zu tun ist, verändert unversehens einmal die Spielrichtung, ein andermal die Vorgabe für die folgenden Karten.

Retro-Charme

Man kann das Ganze auch umdrehen. Das macht Iello mit 8Bit Box. Hier ist Retro-Charme angesagt, wenn der französische Verlag Iello „die erste Brettspiel-Konsole“ anpreist. Die Spielesammlung führt uns in die 1970er zurück, als uns die ersten Computerspiele mit ihren verpixelten Grafiken von Klötzchen und Farbpunkten in den Bann zogen. Drei einschlägige Spiele sind in 8Bit Box enthalten. Millennials werden sich über das rudimentäre Design eher totlachen, für ihre Väter als die wahrscheinlichen Adressaten ist’s eine Hommage an die gute alte Zeit, die auch bei Spielen noch viel, viel einfacher war.

Mit einem Spiel allein ist's nicht getan

Runden wir den diesen Teil des Überblick mit zwei Neuheiten von Fantasy Flight Games ab, die zwiespältig aufgefasst werden können. Da ist zum Einen Discover – Zu unentdeckten Landen, das als erstes „Unique Game“ der Welt tituliert wird, zum Anderen Keyforge – Ruf der Archonten als erstes „Unique Deck Game“. Die verbindende Klammer: Jede Schachtel hat einen anderen Inhalt. Bei Discover – Zu unentdeckten Landen bewegt sich Käufer A in einem anderen Szenario (es geht ums Erforschen und Überleben in verschiedenen Welten) als Käufer B. Das macht neugierig darauf, was der Freund spielt und man könnte ja auch tauschen oder sich gleich eine zweite Packung kaufen?

Bei Keyforge – Ruf der Archonten sind Zusatzkäufe definitiv Teil des Konzepts. Es gibt und wird auch keine Boosterpackungen geben, sondern nur einzelne Decks. Das Spiel stammt von Richard Garfield, dem Erfinder von Magic. Ähnlichkeiten wie das direkte Kartenduell zweier Spieler und die insgesamt mystische Handlungswelt sind vorhanden, der Unterschied zu bisherigen Sammel- und Deckbauspielen ist jedoch, dass jedes gekaufte Deck einmalig ist. Es gibt es nur einmal auf der Welt und es wurde nach einem Algorithmus in der Fabrik zusammengestellt. Damit muss gespielt werden, komme was wolle, denn Tauschen ist nicht vorgesehen.

Fantasy Flight Games hat hochgerechnet, dass es 104 Quadrillionen Kombinationen für seine Decks gibt. Das ist eine Zahl mit 33 Nullen. Die Namen der einzelnen Karten wurden automatisch von einem Zufallsgenerator generiert. Das Ergebnis fiel allerdings nicht zu hundert Prozent befriedigend aus und hat bereits für Lacher und Häme in der Szene gesorgt. Eine Karte, die „Die Frau, die Haie abwirft“ heißt, geht ja noch durch. Für die Karte „Der Kaiser, der für Buben zahlt“ ist das Verständnis allerdings endend wollend. Der Verlag räumt ein, bei 0,05 Prozent der Karten der ersten Ausgabe sei es zu einer „unglücklichen Aneinanderreihung von Wörtern“ gekommen. Anrüchige Karten sollen von Turnieren ausgeschlossen werden und Fantasy Flight Games will betroffene Decks retour nehmen und austauschen, heißt es. Wohl eher ist zu erwarten, dass daraus Sammlerstücke mit noch unbekanntem Wert werden.

 

Von Wiedergängern und Nostalgikern

Vorsicht neuer Name!

Im abschließenden Teil unserer Übersicht der Spieleneuheiten des Herbsts 2018 widmen wir uns Spielen, die explizit nicht neu sind. Schließlich kommen jedes Jahr zahlreiche bekannte – und hervorragende – Spiele mit neuen Namen und neuem Aussehen als Wiedergänger.

Beginnen wir mit einem Kultspiel von Wolfgang Kramer. 1996 erschien sein Autorennspiel Top Race bei ASS und war bereits eine Weiterentwicklung des 1980 ebenfalls bei ASS verlegten Niki Laudas Formel 1. Später gab es verschiedene Neuauflagen wie beispielsweise 2002 bei Aldi oder 2008 bei Pegasus sowie Ausgaben unter verschiedenen Namen wie Daytona 500 im internationalen Markt. Daraus wurde jetzt bei Iello Downforce.

Als 2007 Benno Delonge mit erst 50 verstarb, war sich die Spielekommune sicher, dass vor allem sein Trans America Bestand haben wird: Ein aufs Wesentliche und somit familientauglich reduziertes Eisenbahnspiel bei Winning Moves (2002). Ravensburger hat jetzt eine Neuauflage lanciert und gleich mit der Variante Trans Europa in eine gemeinsame Schachtel verpackt.

Dieses und die unmittelbar davor liegenden Jahre waren von einigem Hin und Her von Verlagen und Vertrieben gekennzeichnet. Das lag allem voran durch Zukäufe und Übernahmen der französischen Asmodee-Gruppe (die diesen Sommer selbst den Besitzer wechselte). Damit wechselten immer wieder auch Spiele ihr Logo-Mäntelchen. Zwei Beispiele: da Zeichnen-Ratespiel Pictomania, ursprünglich von Czech Games Edition (CGE) verlegt und bei uns bei Pegasus erschienen, kommt jetzt mit anderem Cover über Asmodee unter dem Label CGE wieder auf den Markt; das Schätz- und Zuordnungsspiel Timeline, 2011 bei Hazgaard herausgekommen, ist via Asmodee nun auf verschiedene Themenausgaben und gleichem Namen unter der Marke Zygomatic aufgeteilt.

 

 
Auch nach über 40 Jahren noch immer gut: Downforce, das ursprüngliche Top Race von ASS.
  Nostalgie kommt auf: Spika lässt ehemalige Brettspiele aus der DDR als Replkas wieder aufleben.
     

Im Stakkato und ohne Anspruch auf Vollständigkeit: 2F hat Foppen (1995) wieder aufgelegt, Mattel Voltage (2005), Lupri das ehemalige Hans im Glück-Spiel Kabale und Hiebe (2006), Pegasus Race to the Galaxy (2008 bei Abacus), Rio Grande Burger vs. Pizza (2009 als Burger Joint bei Abacus), Franchise bei Queen ist ein umgemodeltes Pfeffersäcke (Goldsieber, 1998), aus Mosaix (Schmidt 2009) wurde bei Moses nun Te-Trix und Piatnik hat sich, was viele freuen wird, dem Quiz-Klassiker 20 Questions (gab es bei verschiedenen Verlagen und verschiedenen Namen) angenommen.

Ganz ohne Verschleierungstaktik tischt uns der Spielehändler und -verleger Ralf Viehweg aus Annaberg-Buchholz im Erzgebirge jungen Wein in alten Schläuchen auf: Der gute Mann bringt seit einem Jahr Replikas von Spielen heraus, die es in der DDR gab. Das steht auch so drauf und zielt natürlich auf ein bestimmtes (N)ostalgie-Publikum ab. Wessies werden die Namen Tatü-tata … die Feuerwehr ist da!, Im Märchenwald, 1, 2, 3 … ich fange Dich!, Wir sammeln Pilze und Mein Blumenspiel nichts sagen, ehemaligen DDR-Bürgern mit Sicherheit schon.

Der Verlagsname lautet SPIKA und auch damit werden reifere Jahrgänge ein Deja vu haben: Spika stand in der DDR für Spielewerk Karl-Marx-Stadt. Ralf Viehweg: „Wir knüpfen dabei an die Tradition der Spieleherstellung in der Region an und setzen sie fort: alle unsere Spiele werden in Deutschland hergestellt. Bei der Produktion der Repliken achten wir darauf, den Charakter der Originalspiele zu bewahren. Sie enthalten die originalen Spielpläne, Spielanleitungen und worauf wir besonders stolz sind, die Spielfiguren in der ,historischen’ Form. Kleine, bunte Männlein mit spitzem Hut – sie waren das Markenzeichen vieler DDR-Brettspiele.“

Bilder: Dick Mudde, Portal Games, Asmodee, Hasbro, Ravensburger, Iello, Spika, spielwiese.at

Demnächst

Einer Reihe von Familienpielen werden wir uns in Kürze in einem eigenen Beitrag widmen.

 *) Für alle, die dennoch eine Auflistung wünschen: In der erweiterten Suche unserer Spieledatenbank bei "Jahr" einfach "2018 Herbst" eingeben und die Liste kommt.

 

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