Toys'R'Us endgültig Fall fürs Geschichtsbuch

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WANDEL.  In den kommenden Wochen ist es soweit: Aus den Toys'R'Us-Märkten in Deutschland, Österreich und der Schweiz (DACH-Region) werden Smyths Toys Superstores. Der einstmals größte Spielwarenhändler der Welt war im Vorjahr in die Insolvenz geschlittert. Mehr über die Neuen und eine Replik auf Toys'R'Us.

 

Während in anderen Ländern die Toys'R'Us-Läden völlig von der Bildfläche verschwanden, wurden die 77 Geschäfte in der DACH-Region einschließlich der Onlineshops vom irischen Branchenriesen Smyths Toys übernommen. Die DACH-Zentrale befindet sich in Köln.

Bis Ende März soll die Umwandlung bei allen Filialen auch nach außen sichtbar sein. Ein Smyths Toys Superstore zeichnet sich durch deckenhohe Regale, darin aber durch eine im Vergleich deutlich übersichtlichere Ordnung aus. Das Sortiment erscheint auf den ersten Blick gleich wie bei Toys'RUs, ein stärkeres Gewicht wird jedoch dem Bereich Multimedia gewidmet.

Die Zeichen der Zeit nicht erkannt zu haben, war einer der Gründe für die Toys'R'Us-Pleite. Im Heimmarkt USA hatte die Kette den Wandel zum Online-Einkauf mehr oder weniger verschlafen. Ganz anders Smyths Toys, der frühzeitig auf "Multi-Channel" gesetzt hatte und hier ein Branchenvorreiter war. So sollen in der DACH-Region die Onlineshops länderspezifisch agieren und Kunden zum Beispiel Waren online bestellen und in einem stationären Geschäft abholen können oder sich nach Hause liefern lassen. 

Hinter den Kulissen spielten sich schon eine ganze Weile viele Veränderungs- und Neuerungsprozesse ab. Seien es die digitalen Umstellungen in den Bereichen Logistik, der IT, den Kassensystemen und dem Einkauf oder die Entwicklung einer neuen Marketingstrategie. Nicht zuletzt der Baubeginn des neuen Distributionslagers in Walsrode/D zeugt von der zukunftsorientierten Ausrichtung des Spielwarenhändlers.

Über Smyths Toys

Das Familienunternehmen Smyths Toys macht nicht viel Wind um die eigene Sache. Es wurde vor etwas mehr als 30 Jahren in Irland gegründen und zählt heute – mit DACH – über 200 Standorte. Es ist der am schnellsten wachsende Spielwarenhändler Europas. Hauptsitz ist Galway in Irland. Markenauftritt: Tiefblau mit drei gelben Buchstabenwürfeln als Logo. Den Sortimentskern bilden die Bereiche Spielwaren, Baby, Outdoor und Multimedia-Games. 

Über Toys'R'Us

Toys “R” Us, was umgangssprachlich so viel wie "Wir sind Spielzeug" bedeutet, wurde 1948 von Charles Lazarus (1923–2018) gegründet. Als 25-Jähriger eröffnete er seinen ersten Laden in Washington D.C. mit Babyartikeln, ab 1950 kamen Spielwaren hinzu. Sitz der in den Folgejahren rasant wachsenden Kette – zuletzt mit 64.000 Beschäftigten und über 1.700 Läden – war Wayne in New Jersey, veranlagt war das Unternehmen allerdings im Bundesstaat Delaware, einer der größten Steueroasen der Welt. Die Steuerflucht dorthin nützte über kurz oder lang jedoch nicht.

Mehrmals hatte der Konzern seinen Besitzer gewechselt, am Ende hatten Investitionsgesellschaften das Sagen, scheiterten allerdings spektakulär. Seit 2013 konnte in keinem Jahr mehr ein Gewinn erwirtschaftet werden. Im Frühjahr 2018 brach der Konzern unter seiner Schuldenlast zusammen. Sie betrug langfristig rund fünf Milliarden Dollar. 400 Millionen wären 2018 fällig gewesen.

1986 kam Toys'R'Us nach Deutschland, das erste Geschäft öffnete jedoch erst 1987 in Koblenz. Kurz danach folgten Geschäfte in Österreich und der Schweiz. 

Wer heute auf die amerikanische Website geht, findet nur noch eine rudimentäre Geschichte des einstmals größten Spielwarenhändlers der Welt. Eine Zeitleiste reicht (optisch) bis ins Jahr 2060. Der Überblick endet bezeichnenderweise mit dem Jahr 2015. Unter "A new generation of leadership" wird David Brandon als neuer CEO verkündet. Trotz kolportierer Jahresgage von 18 Millionen Dollar schaffte er es nicht, das Ruder herumzureißen. Die Gläubiger hatten den März 2018 als Frist gesetzt, einen Käufer für Toys'R'Us zu finden. Es fand sich keiner …


 

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