Meinung

Die Sorgfalt ist ein Hund

Warum es nicht immer ganz leicht ist herauszufinden, ob es ein Spiel schon, auf jeden Fall oder vielleicht auch nicht mehr gibt. Und wenn ja, wo eigentlich?

 

2. JUNI 2017

Dieser Blogeintrag kommt wie keine Klage über eine Heidenarbeit im Dienste der User, ist er aber nicht. Vielmehr ist es ein kleiner Bericht aus der Werkstatt. Schließlich habe ich gestern mit der Spiele-Online-Datenbank www.spielescout.info die 10.000er-Marke geknackt. Exakt 10.129 Spiele sind mit Stichtag 1. Juni 2017 enthalten und mit einem einfachen Ampelsystem gekennzeichnet, ob es das betreffende Spiel noch regulär gibt. Oder nicht. Oder unter anderem Namen, oder …

 

Das Einhalten bestimmter Standards bedeutet Aufwand.  

 

 

Ganz schön tricky, das immer herauszufinden.

Die Verlage machen es einem nicht immer leicht. Dahinter steckt keine böse Absicht. Es ist die Folge davon, dass Verlage mehr und mehr länderübergreifend das gleiche Spiel gemeinsam produzieren lassen, Vertriebs- und Veröffentlichungsrechte weit mehr aufgedröselt sind als früher und einzelne Spieletitel zur sehr volatilen Ware geworden sind. Dazu drei Beispiele aus der Hexenküche des freien Marktes.

• Hutter hat vor Kurzem für Deutschland den Vertrieb von Iello an Land gezogen. Spiele des französischen Verlags finden sich aber nach wie vor auch bei Heidelberger.
• Heidelberger wiederum ist zu Jahresbeginn von Asmodee geschluckt worden. Beide Verlage haben bekanntlich schier endlos viele Spiele anderer Hersteller im Programm. Für den jeweiligen Heimmarkt veröffentlicht man sie zum Teil unter der eigenen Marke. So stand auf den Fantasy Flight Games-Spielen (FFG, mittlerweile ebenfalls eine Tochter von Asmodee) bisher auch „Heidelberger Spieleverlag“ auf der Schachtel. Da wird gerade reihenweise „bereinigt“. Auffälliges tut sich auch bei Spielen von CGE, die exklusiv von Heidelberger vertrieben wurden und auf denen bei uns ebenfalls der "Heidelbär" den Würfel in die Luft schmeißt. Auf der Heidelberger-Internetseite ist als Verlagshinweis „Czech Games Edition DE“ aufgetaucht. Von einem deutschen Ableger der Tschechen ist bisher nichts bekannt. Es könnte eine interne Bezeichnung sein, vielleicht bahnt sich jedoch schon die nächste Übernahme an. Schließlich hört man rund um Asmodee das ganze Jahr über das Gras wachsen und CGE würde perfekt ins Asmodee-Portfolio passen. Wir werden’s herausfinden.
• Einen ähnlich kräftigen Ausstoß an Neuheiten aus eigenem und fremden Haus wie Heidelberger hat Pegasus. Meist dreht sich bei den Hessen das Rad noch schneller als bei den Baden-Württembergern. Es war sogar schon so: Bis Heidelberger seiner Ankündigung des Erscheinungstermins mit reichlich Verspätung nachkam, war ein zeitgleich angekündigtes Pegasus-Spiel bereits wieder aus dem Sortiment. Da kann selbst der Fachhändler schon mal den Überblick verlieren.

Die Halbwertszeit von Spielen sinkt (nicht nur bei Pegasus) mitunter auf weniger als zwölf Monate. Zusätzlich ist immer mit Schnellschüssen zu rechnen. Da wird quasi über Nacht ein Spiel aus der Taufe gehoben, weil ein Thema gerade hypt. Vor allem über den kommenden Sommer wird’s wieder rund gehen, bevor im Oktober auf der Spielemesse in Essen der Tag der Offenbarung (und vieler weiterer Ankündigungen) anbricht und das Weihnachtsgeschäft eröffnet wird.

Verlagskataloge im Jahresrhythmus, zumindest bei den großen Verlagen und Vertrieben, verkommen aus solchen Gründen zusehends zu Makulatur. Um auf dem möglichst aktuellen Stand zu bleiben, welches Spiel überhaupt noch im Programm ist, sich der Vertrieb oder gar der Hersteller geändert hat, ist kontinuierliche, handwerkliche Recherche angesagt.

Was soll’s?, ließe sich einwerfen, entscheidend ist doch sowieso, was bei Amazon steht. Wäre da nicht auch die Sache mit den Namen der Spiele. Die Titel werden, speziell bei Verlagswechseln, gerne geändert. Mal leicht, mal überhaupt. Und es sind sehr, sehr wenige Verlage, die in ihrer Kommunikation überhaupt auf Titel wert legen. Im Katalog, in der Presseaussendung und auf der Website findet man nicht selten drei unterschiedliche Schreibweisen. Mal mit, mal ohne bestimmtem Artikel oder Pronomen, um nur die gängigste Schluderei zu nennen. Vom richtigen Gebrauch von Satzzeichen gar nicht zu reden.

Nochmal: Es geht nicht ums Jammern. Das Knacken der 10.000er-Marke nehme ich zum willkommenen Anlass, einmal die Arbeit an einer Spieledatenbank ins rechte Licht zu rücken. Das Einhalten bestimmter Standards, wie sie bei spielwiese.at und spielescout.info gang und gäbe sind, bedeutet Aufwand. Die Sorgfalt ist ein Hund, macht aber den Unterschied aus, auf den man sich verlassen kann. 

 

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