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  • Was Desigual, Hotels, Mietautos, Heidelberger und Asmodee miteinander zu tun haben

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Der Zusammenschluss der beiden Spieleverlage Heidelberger und Asmodee – hier als „Fusion“ bezeichnet, dort bezeichnenderweise als „Übernahme" – wird die Spielebranche weiter durchrütteln. Er markiert auch ein Ende der alten Verleger-Garde. Der Mitbewerb darf sich warm anziehen.

 

3. JÄNNER 2017

Das Thema des ersten Blogs im neuen Jahr war eigentlich ein anderes. Eine vertiefte Kooperation zwischen den „Heidelbären“ und der französischen Asmodee-Gruppe war zwar absehbar, jetzt ging es aber doch schneller. Und sie erfolgt heftiger, als erwartet.

So spricht kein Verleger alten Schlags, sondern ein Finanzmann. Statt Spiele könnten es auch Schokoriegel sein.

 

 

Um zu verstehen, was sich da im Hintergrund abspielt, ein kurzer Blick zurück. Von 24 Spielen, die seit 2009 zum Spiel des Jahres nominiert waren, standen oder stehen inzwischen neun unter dem Einfluss von Asmodee. Seit 2011 auch ein eigenes Kennerspiel des Jahres gekürt wird, waren oder sind von den insgesamt 18 nominierten Spielen Asmodee sieben zuzuordnen. Als Verlagsname taucht Asmodee dabei allerdings nur ein einziges Mal auf.

Denn allein in den vergangenen drei Jahren hat Asmodee unter anderem die Verlage Fantasy Flight Games, Days of Wonder (Zug um Zug), Pearl Games und Space Cowboys (Colt Express) geschluckt und die Rechte an Catan für den englischsprachigen Weltmarkt erworben. Und jetzt also Heidelberger – und so nebenbei auch noch den spanisch-französischen Verlag Edge und den spanischen Spielevertrieb Millennium.

Wie das alles geht?  

Asmodee ist eine französische Gruppe, bei der 2014 die börsennotierte Eurazeos eingestiegen ist. Das Milliardenunternehmen Eurazeos hat ein beeindruckend breites Portfolio und ist beispielsweise Mehrheitseigentümer des Mietwagenkonzerns Europcar und des weltweit zweitgrößten Tax-Free-Shopping-Abwicklers Fintrax, ist an der Hotelgruppe Accor (Ibis, Novotel, Mercure, Pullman u.a.) beteiligt, und hat ebenfalls 2014 285 Millionen Euro für zehn Prozent der Modemarke Desigual springen lassen, und und und.

Da waren 146 Millionen Euro, die Eurazeos in Asmodee investierte, beinahe ein Klacks.

Aktuell hält Eurazeos 79,4 Prozent der Anteile, das Sagen im siebenköpfigen Asmodee-Direktorium haben vier Eurozeos-Leute. Und sie verstehen offensichtlich ihren Job. Der operative Gewinn von Asmodee stieg 2015 um 92 Prozent auf 41 Millionen Euro, der Umsatz um 55 Prozent auf 270 Millionen. Zum Vergleich: Ravensburger setzte im selben Jahr mit Spielen und Puzzles und Beschäftigung 331,7 Millionen um. Man kommt sich näher.

Zwischen Asmodee und Heidelberger sind Berührungspunkte nicht neu. Eine Vertriebspartnerschaft besteht schon seit 2015. Als Asmodee 2014 die amerikanische Fantasy Flight Games (FFG) übernahm, ärgerte sich zwar Heidelberger-Gründer Harald Bilz, weil er den Vertrieb der bedeutenden Fantasy- und Sci-Fi-Spielemarke (u.a. Herr der Ringe, Star Wars, Game of Thrones) steuerte, konnte sich aber damit trösten, wiederum an FFG Anteile zu besitzen.

Sein überraschender Tod im vergangenen Sommer nährte Gerüchte, die wuchernde französische Asmodee-Gruppe werde den relativ kleinen Heidelberger Spieleverlag – wie viele andere zuvor – inhalieren. Ich hatte mit Heidelberger-Co-Geschäftsführerin Petra Hofstetter auf der „modell-hobby-spiel“ im Oktober in Leipzig dazu ein längeres Gespräch. Sie stellte gar nicht in Abrede, dass sich etwas zusammenbraut. Aber: Heidelberger werde es, wie es auch kommen würde, weiter bestehen bleiben.

Stimmt, obwohl man es sich hätte anders vorstellen können. Heidelberger „wird als Asmodee GmbH geführt, als Geschäftsführerin des Unternehmens wird Carol Rapp (Asmodee Deutschland-Geschäftsführerin, Anm.) fungieren“, verlautbarte Asmodee: „Der Heidelberger Spieleverlag wird weiterhin am Standort Walldürn bleiben und als Studio Heidelberger unter dem bekannten Logo des Bären herausragende Spiele entwickeln und die Lokalisation der FFG-Spiele fortsetzen. Auch die Logistik und das Lager werden wie bisher weitergeführt …“.

Man beachte: „Studio Heidelberger“. Davon ist in der knappen Information auf der Heidelberger-Website nichts zu lesen, nur, dass „Alles bleibt wie es ist …“ und abschließend ein bemerkenswertes „Wünscht uns viel Erfolg dabei!“

Unbestritten ergänzen sich die beiden Unternehmen. Sieht man sich deren eigenen Spiele bzw. Vertriebsprogramme an, fügen sich Special Interests (Fantasy und Sci-Fi) und Fachhandel-Expertise von Heidelberger sowie kaum mehr zu überblickende (Massen-)Produktvielfalt von Asmodee mit mittlerweile 67 Töchtern bzw. Partnerverlagen (von A wie Alea bis Z wie Z-Man) und dem Schwerpunkt Großflächen-Vertrieb wunderbar zusammen.

In französischen Börsemedien wird Stéphane Carville, CEO von Asmodee, nach dem Heidelberger-Edge-Millennium-Deal von Montag denn auch folgendermaßen zitiert: „Diese Operationen ermöglichen es uns, unsere Präsenz in Frankreich, Spanien und Deutschland zu stärken und die europäischen Märkte führend zu bestellen."

So spricht kein Verleger alten Schlags, sondern ein Finanzmann. Statt Spiele könnten es auch Schokoriegel sein. Mit der Heidelberger-Akquisition ist Asmodee vollends in Deutschland angekommen. In Deutschland, noch vor wenigen Jahren „das“ Spieleland No. 1 der Welt, tut sich nicht mehr gar so viel. Wachstum und Boom finden auf vielen anderen Märkten statt. Asmodee hat in fünf europäischen Ländern, in Amerika und in China längst Töchter in Stellung gebracht.

Ich trau’ mich wetten, die Heidelberger-Übernahme wird nicht die letzte gewesen sein.

 

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