Meinung

Gutes Spiel, aber …

Spöttisch könnte ich sagen: Man muss nur warten können. Wie eine kompakte Version die Vorbehalte gegenüber dem Original bestätigen kann.

 

5. APRIL 2017

Ich hatte so ein eigenartiges Gefühl. Kein Zweifel, das Spiel war gut. Aber ziemlich überfrachtet, vor allem der Zusammenbau und das Gefummel mit der Pyramide, nur um ein Würfelergebnis zu erzielen – das war mir doch zu viel überflüssigen Gimmicks. Meinen Testkollegen in der Runde erging es ebenso. 

 

Ein Ableger muss sich immer am Original messen lassen. Manchmal auch umgekehrt.  

 

Dass Camel up dann Spiel des Jahres wurde, konnte ich nicht wirklich nachvollziehen. Ich wärme diese Erinnerungen auf, weil dieSse Woche die Veröffentlichung des Spielwiese-Tests von Camel up – Cards ansteht. Das ist der kleine Bruder von Camel up – oder vielmehr ein vollwertiger Ersatz des großen Brettspiel ums halbe Geld.

Im Herbst hatte ich Gelegenheit die Cards-Ausgabe schon vor der offiziellen Markteinführung bei Pegasus in Friedberg zu spielen. Und dieses Mal überzeugte mich das Konzept von Anfang an. Ich war deshalb sehr gespannt darauf, wie Camel up – Cards in unserer Testergemeinde ankommen wird.

Unisono wurde es von ihr als hundertprozentige Alternative wahrgenommen. Ich hatte mich nicht getäuscht. Manche unserer Tester bezeichneten es sogar „besser als das Original“.

Um auf das eigenartige Gefühl „Gutes Spiel, aber …“ zurückzukommen: Bei Camel up, also dem ursprünglichen „Großspiel“, blieb der entscheidende Kick aus, die Testeindrücke unbedingt und sogleich in eine Rezension zu gießen. Trotz rotem Pöppel. Zu sehr changierten die Erfahrungen zwischen funktionierenden Lauf- und Wettmechanismen und unverhältnismäßig großem Aufwand, um zu einem Spielresultat zu gelangen. Unbeabsichtigt wird das durch das kompakte Camel up – Cards bestätigt.

Außerdem: Die Auszeichnung Spiel des Jahres hypt ein Spiel automatisch und es findet von vornherein mehrere hunderttausend Käufer. Ohne die preisgekrönten Selbstläufer generell zu übergehen, war es aber immer schon meine Politik, das Spielepublikum viel lieber auf die im Schatten stehenden Pflänzchen zu stoßen.

Spiele, die spielwiese.at zum Testen ausgewählt hat, kursieren in der Regel durch mehrere Gruppen. Diese halten ihr Urteil in einem Wertungsbogen fest. Kommt das Spiel zurück, wird mehr oder weniger heftig darüber diskutiert, was daran gut, schlecht, originell, außergewöhnlich oder auch sterbenslangweilig ist, womöglich nicht funktioniert oder einfach nur nervt. Zusammen mit den Eindrücken aus eigenen Spielrunden fällt dann die Entscheidung: Wird ein Spielwiese-Test veröffentlich oder nicht.  

Im Fall von Camel up – Cards war sie eindeutig. Auch und gerade wegen des eigenartigen Gefühls zum Vorläufer, an dem sich das Kartenspiel messen lassen muss. Der Spielwiese-Test steht ab Freitag online.

Warum sich ein Spieleverlag mit einer „Billigausgabe“ kannibalisiert, ist eine andere Geschichte. Die erzähle ich in Kürze.

 

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