Meinung

Unsozial?

Der "Spiel des Jahres"-Chef spricht einer Neuheit dieses Frühjahrs ab, überhaupt ein Spiel zu sein. Eine Verteidigung.

 

13. APRIL 2017

Nmbr9 fehlt schon mal eine gewichtige Jury-Stimme für die Auszeichnung Spiel des Jahres 2017. Jury-Vorsitzender Tom Felber geht mit der Frühjahrsneuheit von Abacus in seiner NZZ-Kolumne, sagen wir es vorsichtig: hart ins Gericht.

Ist Nmbr9 „überhaupt ein Spiel?", fragt Felber, „oder ist es nicht eher einfach ein Solitär-Puzzle?" Mitspieler benötige man eigentlich nicht, sie seien sogar „lästig", weil sie „nur den Spielfluss verzögern". Weiter unten fällt sogar das Wort, Nmbr9 sei „unsozial".

 

Kein noch so gutes Spiel der Welt muss allen gefallen.   

 

Spielekritik soll durchaus zuspitzen und polarisieren. Aber, lieber Tom, hier schlägst du über die Stränge. Nicht, dass Nmbr9 für mich ein Favorit auf den roten Pöppel wäre. Auch unsere Testspieler kamen zu einem ambivalenten, wenn auch anderen Fazit. > Spielwiese-Test 1225: Nmbr9 Felbers Rezension ist vielmehr ein Beleg mehr dafür, dass sich über Spiele immer diskutieren lässt. Dafür gibt es viele Gründe, an zweien kommt man nie vorbei:

1. Jeder Mensch hat sein Pläsier. Was dem einen liegt, damit kann ein anderer mitunter gar nichts anfangen. Kein Spiel der Welt gefällt allen. Damit müssen auch Autos, Bücher, Filme, … selbst Blumen leben.

2. Jedes Spiel dient anderen und unterschiedlichen Zwecken.

Felber hat insofern recht, am Spielende werde „nur" verglichen, wer (für sich allein) die Aufgabe besser gemeistert hat. Aber: Man nennt das gemeinhin Wettbewerb. Geschätzte 90 Prozent aller Spiele sind Wettbewerb. Auch bei Camel up, Qwirkle, Dominion oder Colt Express, um nur einige Spiele des Jahres jüngeren Datums zu nennen, gibt es am Spielende einen Wettbewerbssieger, der aus den Möglichkeiten das Beste gemacht hat. Bis dahin hat – trotz Interaktion – im Grunde jeder für sich gespielt.

Keine Frage, Elemente der Interaktion verleihen einem Spiel zusätzlichen Reiz und Spannung. Aber ist Interaktion deshalb zwingendes Merkmal, damit ein Spiel als Spiel gilt?

Meine Antwort ist nein. Sonst hätten wir Gruppenzwang.

Nmbr9 hat eben einen anderen Ansatz. Siehe Pläsierchen und Zwecke. Felber wundert sich über einen "sagenhaften Hype" um das konkrete Spiel und bemängelt, dass sich „die Welt erschreckenderweise durch Smartphones bereits derart an solche Spiele gewöhnt hat". Hey, that’s life! Spiele waren immer und bleiben ein Spiegelbild der Gesellschaft. Dann spiegelt sich hier halt (vielleicht) die verpönte Handy-Spielwelt wider. Und wenn schon: Der Zweck heiligt die Mittel. Denn eines kann man Nmbr9 nicht absprechen, ob interaktiv oder nicht: Es bringt reale Menschen an einen realen Tisch, wodurch und worüber immer sie sich dann auch unterhalten. Also: Von wegen unsozial!

 

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