Meinung

Volle Unterstützung sieht anders aus

Es ist (noch) Wahlkampf. Da geben Parteien auch gegenüber Kleinstgruppen gerne Versprechungen ab. Die Spielebranche, zu deren Sprachrohr sich die Spieleautoren aufschwangen, holte sich allerdings eine Abfuhr.

21. SEPTEMBER 2017

Am Anfang stand ein Ärgernis. Die Gamescom, Deutschlands größte Messe für Computerspiele, hatte im August die Generalsekretäre von CDU, SPD, Linke, Grünen und FDP zu einer einstündigen "Wahlkampfarena" eingeladen. Und sie kamen tatsächlich. Sie zeigten sich auch überraschend sattelfest im Thema Games und waren sich einig, diesen Wirtschaftszweig finanziell besser zu fördern, weil – Games seien ja ein Kulturgut, wie Film oder Literatur.

 

In Wahrheit ist den Verbrauchern die Mehrwertsteuer auf Spiele herzlich wurscht.

 

Gerade diese permanente Betonung des Kulturguts konnte und wollte die Spieleautorenzunft SAZ so nicht stehen lassen. Schließlich trägt man für "ihre", die "analogen" Spiele den Begriff Kulturgut schon seit Jahren fronleichnamsartig vor sich her.

Zwei Fragen bzw. Vorschläge stellte die SAZ nun ihrerseits an die Parteien. Gestern, vier Tage vor der Bundestagswahl, antwortete dann auch als letzte die SPD zu:

  • Die Aufnahme von analogen Spielen in den Sammlungskatalog der Deutschen Nationalbibliothek. Eine Forderung, die auch der Deutsche Kulturrat unterstützt.
  • Die umsatzsteuerliche Gleichstellung mit Büchern, Kino, Musik, Theater und anderen Kulturgütern.

Die Antworten auf die zweite Forderung sind schnell zusammengefasst. Nur die Linke ist für eine Senkung der Umsatzsteuer für Spiele. Alle anderen wollen das ohnehin komplizierte deutsche Umsatzsteuerrecht nicht noch mit einer weiteren Ausnahmeregelung belasten. Wenn Senkung, dann im Rahmen einer umfassenden Reform.

Zur ersten Forderung kam Differenziertes von den Parteien, unterm Strich aber aus SAZ-Sicht nicht wirklich Befriedigendes. Irgendwie sind die Parteien dafür (vorbehaltlos nur die CDU), geben jedoch zu bedenken, ob die Deutschen Nationalbibliothek der passende Ort ist und überhaupt, welche konkreten Aufgaben mit einer gesetzmäßig verordneten Pflichtabgabestelle verbunden wären.

Volle Unterstützung sieht anders aus.

Worum geht es eigentlich? Um Wehleidigkeit und Eifersucht, weil die "Elektronischen" eine hochkarätige politische Auseinandersetzung zusammenbrachten? Wohl auch. Wenngleich sich in erster Linie die Verlage und Hersteller als Branche Gedanken darüber machen sollte, warum das ihnen nicht gelingt.

Natürlich, es geht um (mehr) Anerkennung eines Teils des Kultur- und Unterhaltungsangebotes, den Brett- und Kartenspiele unbestritten darstellen. Ob nun sieben oder 19 Prozent Mehrwertsteuer, das hat zwar Symbolkraft. Doch den Verbrauchern ist es in Wahrheit herzlich wurscht. Ganz abgesehen davon, dass kein Mensch glaubt, Spiele würden dann billiger. 

Aber fragen kann man ja.

Man kann auch für die erste Forderung um Unterstützung bitten. Mir erschließt sich allerdings nicht wirklich der Sinn. Mit dem Deutschen Spielearchiv in Nürnberg gibt es bereits eine Stelle, die sich um Aufbewahrung, Pflege und wissenschaftliche Aufarbeitung des Kulturguts Spiele kümmert. Ich finde, bis auf das unreflektierte Statement der CDU, haben die Parteien hier eindeutig Stellung bezogen und als berechtigte Gegenfrage durchblicken lassen: Was brächte es?

 

Link zu den Statements auf der SAZ-Website

 


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