Meinung

Niemand ist gerne ein Exote.

Nürnberg. Spielwarenmesse 2018. Tag 1. Was einem so ein- und auffällt.

30. JÄNNER 2018

Die Theorie. Wir Journalisten berichten den neugierigen Spielern von neuen Spielen, die in Nürnberg vorgestellt werden. Deshalb gehört der Vortag der Spielwarenmesse der Presse, an dem die Messe eine „Press Preview“ organisiert.

Die Praxis. Spiele, konkret je ein einziges Spiel stellten in diesem Jahr Pegasus, Schmidt und Drei Magier vor.

Es soll nicht der Eindruck entstehen, es gäbe gar keine Spiele mehr. 

 

Das war’s dann. Ravensburger fokussierte auf Tiptoi-Bücher, Kosmos auf Experimentierkästen für Mädchen. Ach ja, Peter Maffay war auch da, machte Promotion für den neuen Tabaluga-Film samt Merchandise-08/15-Spielen. Mau Mau und so.

Okay … aber was hat die Nicht-Präsenz der Spieleverlage mit mir als Spielefan zu tun? Die Frage ist berechtigt und die Antwort spielt über die Bande. Peter Berneiser, Pressechef von Pegasus, hat es auf meine Frage, ob sich die Teilnahme an der „Press Preview“ überhaupt noch auszahlt, treffend so formuliert: 1. Man weiß es nicht, 2. Pegasus will die Fahne hoch halten, damit nicht der falsche Eindruck entsteht, es gäbe gar keine Spiele mehr.

Es geht um den Dominoeffekt. Worüber auf einer Fachmesse gesprochen wird, worüber von einer Fachmesse berichtet wird, beeinflusst das Orderverhalten des Handels. Was der Handel nicht ordert, ist für den Konsumenten nicht (oder nur mit Umständen) erhältlich. Wovon die Medien nicht berichten, findet keine Wahrnehmung der Verbraucher. Da jeder Mensch mit seinem Hobby Teil einer Community ist, ist es für die Community insgesamt wichtig, dass sie in der Öffentlichkeit präsent ist. Ist sie es nicht, fühlt sich das einzelne Community-Mitglied als Exote.

Niemand ist gerne ein Exote.

Jetzt könnte man es sich einfach machen und sagen: Liebe Verlage, nehmt doch an der „Press Preview“ teil. Man kann die Teilnahme niemandem vorschreiben. Sie ist mit beträchtlichen Kosten verbunden. Mit Promotion-Personal und -material ist man da rasch bei einem fünfstelligen Betrag.

Die Kosten-Nutzen-Rechnung stellen nicht nur Spieleverlage an. Auch aus dem Bereich Spielzeug fehlten heute einige große Namen. Und nicht nur das. Es waren auch deutlich weniger TV-Teams unterwegs, als die vergangenen Jahre. Liegt es daran, dass seit Jahren vor allem Drohnen und anderes fliegendes Zeugs die „Press Preview“ dominieren und das auch die Berichterstatter vom Fernsehen ermüdet?

Man kann es drehen und wenden, wie man will. Die „Press Preview“ ist in der Abwärtsspirale und die Katze beißt sich in den Schwanz. Weniger Teilnehmer, auffallend mehr Leerfläche, weniger Berichterstatter.

Die Bilder, O-Töne und Texte, die heute Abend im Fernsehen und morgen in den Zeitungen zu finden sein werden, werden auf jeden Fall ein sehr eingeschränktes Bild auf die Welt der Spielwaren bieten.

Und es ist zu befürchten, dass Spiele dabei gar nicht vorkommen.

 

Leser interessierte auch

 


Was denkst du darüber? Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!  – Mehr über die Regeln, was veröffentlicht wird, was nicht, findest du hier


Drucken E-Mail

Selbstverständlich erfüllt diese Website die Pflicht zum Hinweis auf den Einsatz von Cookies. Durch Cookies können Internetseiten nutzerfreundlicher, effektiv und sicherer gemacht werden. Durch die Nutzung dieser Website erklärst du dich damit einverstanden, dass sie Cookies verwendet. .