Meinung

Spielen soll immaterielles Kulturerbe werden

Nürnberg. Spielwarenmesse 2018. Tag 3. Was einem so ein- und auffällt.

1. FEBRUAR 2018

Tagesthema ist eindeutig die anstehende Übernahme des polnischen Spieleverlags und -vertriebs Rebel durch Asmodee. (Siehe auch Meldung Asmodee schnappt sich jetzt auch Rebel) Schon längere Zeit wird den Franzosen die Bezeichnung Krake umgehängt und in der Branche fragt man sich: Wen übernimmt Asmodee als nächstes? Oder übernimmt sich Asmodee mit all seinen Akquisitionen?

Warum das Schicksal von Asmodee nur bedingt von seinen Spielen abhängt und in Wirklichkeit ganz andere Interessen dahinter stehen, habe ich bereits vor einem Jahr im Blog-Beitrag Was Desigual, Hotels, Mietautos, Heidelberger und Asmodee miteinander zu tun haben dargestellt. Anlass war die Übernahme von Heidelberger.

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Bleiben wir gleich beim Thema. Wie berichtet ist vor wenigen Tagen die Gründung – oder sagen wir: Umwandlung von Heidelberger – des Asmodee-Studios "Heidelbär Games" offiziell bekannt gegeben worden. Seit gestern ist die Website dazu online. Darauf wird als erstes Heidelbär-Spiel Tags angekündigt. Dabei handelt es sich um ein zeitbegrenztes Wörterspiel von Spartaco Albertorelli. Es wird im Laufe des Jahres erscheinen und über Asmodee vertrieben.

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Das Recht auf Spiel ist bereits in der UN-Kinderrechtskonvention verankert.

 

Um die Anerkennung des Brett- und Kartenspiels als Kulturgut wird bekanntlich schon lange gekämpft. Seit gestern ist eine Nebenfront eröffnet. Die kulturelle Ausdrucksform „Spielen mit Spielzeug“ soll Aufnahme in das Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes finden. Mit Beginn der Spielwarenmesse in Nürnberg startete der Deutsche Verband der Spielwarenindustrie (DVSI) das Bewerbungsverfahren.

Das immaterielle Kulturerbe umfasst nach der Definition der UNESCO-Konvention „Bräuche, Darstellungen, Ausdrucksformen, Wissen und Fertigkeiten – sowie die dazu gehörigen Instrumente, Objekte, Artefakte und kulturellen Räume (…), die Gemeinschaften, Gruppen und ggfls. Einzelpersonen als Bestandteil ihres Kulturerbes ansehen.“ Der DVSI beurteilt die Chancen auf die Aufnahme ins Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes positiv: „Es wird schon immer gespielt. Spielen, insbesondere mit Spielzeug, gehört zum Leben wie die menschlichen Grundbedürfnisse Schlafen, Essen und Trinken. Deshalb ist in Artikel 31 der UN-Kinderrechtskonvention das Recht auf Spiel bereits verankert“, konstatiert DVSI-Geschäftsführer Ulrich Brobeil.

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Die Nabelschau deutscher Spieler und Verlage hat sich spätestens mit der Gegenbewegung zu den "german games" erledigt, indem heute ein großer Teil der Spieleneuheiten aus Amerika, Asien, Frankreich und Osteuropa stammt. Und dennoch gibt es noch weiße Flecken auf der Spielelandkarte zu schließen. Mit Muni Toys aus Istanbul ist erstmals ein türkischer Spielehersteller daran, am deutschsprachigen Markt Fuß zu fassen. Einen Stand in Nürnberg gibt es, ob sich auch Vertriebspartner bis Messeschluss finden, ist noch unbekannt. Muni Toys produziert ausschließlich Spiele aus Holz, bemalt die Spielfiguren mit "speziellen Farben", was zu einer, ich formuliere vorsichtig: eigen- und neuartigen haptischen Erfahrung führt. Die Spiele sind durchwegs abstrakt und konventionell.

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 Morgen wieder mehr.

 

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