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Hintergrund: Spieleversender vor Verkauf

  HANDEL. Ein groß gewordener Player am Spielwarenmarkt steht vor dem Verkauf. Seinen Eigentümern passt das Sortiment nicht ins Weltbild.

 

Exklusive Angebote auch für Spieler

Letzteres Wort sollte bereits die Fährte legen. Es geht um die Mediengruppe Weltbild in Augsburg. Nicht nur in deren Läden, sondern vor allem in ihren Katalogen und im Onlineshop finden sich jede Menge Spiele. Für den Kinderbereich samt Spielwaren gibt es mit Kidoh sogar eine eigene Marke. Und schon öfters in der jüngeren Vergangenheit waren Spiele "testweise" zuerst als exklusive Ausgaben nur bei der Weltbild-Gruppe zu haben, bevor sie in den regulären Handel kamen (spielwiese.at berichtete, siehe auch Links unten).

100-Prozent-Eigentümer der Weltbild-Gruppe ist die Katholische Kirche Deutschland. Deren Oberhirten, die Bischöfe, stoßen sich schon länger daran, dass aus dem christlichen Verlag ein Mischmasch-Unternehmen geworden ist. Selbst die 1,7 Milliarden Euro Gesamtumsatz konnten sie nun nicht mehr überzeugen. Anstoß einmal mehr pornografische Inhalte, die es bei Weltbild eben auch gibt, und das sie nun nicht mehr tolerabel finden. 

Verkaufsbemühungen schon vor drei Jahren

Denn schon 2008 wollten die Bischöfe Weltbild verkaufen, als die Kirchenbasis Druck machte von ihnen wissen wollte, ob sie sich mit dem ständig gewachsenen Verkaufsprogramm noch identifizieren könnten. Die Pläne wurden damals nach mehreren Monaten aufgegeben, weil sich kein potenter Verkäufer fand.

Dieses Mal aber scheint der Bogen so weit gespannt, dass es kein Zurück mehr gibt. Das sind die Nachrichten der Bischofskonferenz von Anfang dieser Woche, und jene aus der Konzernzentrale in Augsburg. Dort hat man sich mit dem Abstoßen durch die Kirche bereits abgefunden. Vorstandsvorsitzender Carel Halff geht allerdings nicht von einem schnellen Weltbild-Verkauf aus. Fachleute würden bei Firmen dieser Größenordnung mit einer Prozessdauer nicht unter 18 bis 24 Monaten rechnen, sagte er, und: „Wir nehmen uns aber in die Pflicht, den Prozess kurzzuhalten.“

6400 Mitarbeiter werden betroffen sein. Wohl nur ein geringer Teil ist als Kirchgänger zu bezeichnen. Längst ist Weltbild zu einer Firma wie jede andere mutiert. Siehe Bischofs-Urteil.

Sogar der Papst mahnte Linientreue ein

Sogar der Papst hatte sich im Oktober in die Causa eingeschaltet, weil Weltbild Erotikbücher mit Titeln wie "Schlampen-Internat" und "Anwaltshure" ins Programm nahm. Benedikt XVI. mahnte, dass es an der Zeit sei, die "Verbreitung von Material erotischen oder pornografischen Inhalts, gerade auch über das Internet, energisch einzuschränken".

Nur ein paar Stationen aus der Geschichte

Am Anfang stand eine Familienillustrierte mit dem Titel "Weltbild", nach christlichen Werten ausgerichtet. Die ist längst eingestellt. Es kamen Bücher hinzu, mehrere diözesane Verlage schlossen sich zusammen, übernahmen andere, auch durchaus weltliche Verlage. 1994 eröffnete Weltbild gemeinsam mit der Buchhandlung Hugendubel die drei ersten eigenen Filialen. Heute sind es insgesamt 469 Filialen unter dem gemeinsamen Dach in Deutschland, der Schweiz, Österreich und Polen. Seit 1997 präsentiert das Unternehmen außerdem sein Angebot im Internet. Ein Meilenstein war ab 1999 die Vermarktung von Restauflagen über den "Jokers"- Katalog.

Mit der Zeit wuchs auch das Angebot an Gesellschaftsspielen. Vor allem im Kinderspielbereich sind praktisch alle großen Marken abgedeckt.

Die Weltbild-Gruppe ist heute eines der größten Medienunternehmen in Europa. Was den Absatz von Büchern angeht, rangiert sie hinter Amazon an zweiter Stelle.  Von einem eigenen eBook-Reader in Konkurrenz zu Amazons Kindle und Apples iPad sind seit dem Herbst bereits 150.000 Stück verkauft worden – die Zukunft sieht das Management deshalb klar im digitalen Vertriebskanal.

Wohl eher ohne als mit der Kirche.

 

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