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Spielwiese-Test 968: 3, 2, 1 … meins!

ebay lässt grüßen!

Es gibt einen Haufen Versteigerungsspiele. Hier aber ist die Versteigerung selbst das Thema.
 

 

 

 

Hinter Sichtblenden verbergen die Spieler ihr relativ geringes Kapital. Warenkarten, die ins Spiel kommen, wandern von 3, 2, 1 auf das unterste Feld "meins!" und kommen dort zur Versteigerung.

Foto: Winning Moves

Das Gebot kommt in die Faust, dann öffnen alle gleichzeitig ihre Hände. Hier wurde in der Bietrunde davor schon ein Blockadestein gesetzt, d.h. das erste Gebot kommt offen auf den Tisch und es kann nachgebessert werden. Die Spielerin in der Mitte hat den Wettstreit den beiden andern überlassen und nichts mehr geboten.

Foto: Spielwiese

 

 Bisher hat es erst wenige zaghafte Versuche gegeben, das Internet in Brettspielen zu thematisieren. Kirsten Becker und Jens-Peter Schlieman, die zusammen unter anderem schon Nacht der Magier entwickelten, haben sich mit 3, 2, 1 … meins! nun der Sache angenommen. Genauer: Dem seit ebay populär gewordenen Anbieten von privaten Gebrauchsgegenständen.

Schon der Titel des Spiels ist darauf ausgelegt, hier die erwünschte Assoziation herbeizuführen. "Wie im Internet werden Raritäen und Schnäppchen angeboten, die die Spieler ersteigern können", heißt es denn auch in der Einleitung zum Spiel.

Knappe Ressourcen

Wobei es dann doch immense Unterschiede gibt. So ist die Wahl der Güter, die man anbietet, recht zufällig. Und wer etwas anbietet, möchte das gute Stück vielleicht doch selbst in seiner Sammlung. Und vor allem: Wer mitsteigert, muss bei 3, 2, 1 … meins! dafür bezahlen.

Wer einen Gegenstand als Meistbietender ersteigert, wird logischerweise sein dafür gebotenes Geld los. Aber alle anderen, die ebenfalls ein Gebot gelegt haben, müssen davon die höchste Geldeinheit als "Gebühr" abliefern – obwohl sie leer ausgehen.

Das ist ganz schön hart. Und genau aus diesem Grund spricht das Spiel wohl nur wahre Fans von Versteigerungen bzw. Versteigerungsspielen an. Denn dieser Mechanismus hat es in sich. Es hat System, dass Geld von vornherein knapp ist und dass Spieler sehr schnell pleite gehen können und aus dem Spiel fliegen.

Horrende Gebühren

Wie immer bei Versteigerungsspielen: Beim ersten Mal hat man noch zu wenig Vorstellung davon, was als Gebot angemessen ist. Fast alle gehen mit zu hohen Geboten an die Sache heran und der Geldvorrat schmilzt. Hat man – nur als Beispiel – für einen Lampenschirm 80 Euro mit einem Fünfziger, einem Zwanziger und einem Zehner geboten und ein anderer Spieler mit 81 Euro mehr, sieht man sehr schnell sehr alt aus. Der Fünfziger ist futsch – als Gebühr fürs Mitsteigern.

Von allen Geldwerteinheiten hat man nur jeweils vier Stück. Da heißt es geschickt einteilen.

Zweites bestimmendes Element sind die Blockadesteine, von denen jeder zwei hat und jeden davon nur einmal verwenden darf. Taucht so ein Blockadestein beim Öffnen der Fäuste auf, kommen alle Gebote vor den Spielern offen auf den Tisch und jeder hat die Chance, noch einmal nachzubessern. Natürlich wiederum verdeckt in der geschlossenen Faust. Wer dann insgesamt das höchste Gebot hat, bekommt die Ware und die anderen bezahlen wiederum ihre Gebühr …

Fantasieloses Material

Ist an der Idee und dem Spielablauf nichts auszusetzen, so sind das Material und die Aufmachung eine herbe Enttäuschung. "Billig gemacht", kam da von unseren Testern. Vor allem das Spielgeld ist fuzzelig, aus dünnstem Karton und grafisch einfallslos wie eine Sperrlinie auf der Autobahn. Dass man das Spielgeld in einer geschlossener Hand unterbringen sollte, ist keine Ausrede. Da hätte der Verlag durchaus etwas mehr Kreativität an den Tag legen können (auch wird mit diesem Material wird das Spiel für eine Spielausleihe leider unbrauchbar).

Über die Gestaltung der 90 Warenkarten ließe sich ebenfalls diskutieren, aber sie sind immerhin funktionell. Klare Farben und klar erkennbare Merkmale, nämlich einmal "Zustand" (neu, gebraucht oder antik) und einmal "Verwendung" (Alltag, Luxus, Sammler).

Der Spieler, der zuerst drei Warenkarten mit drei gleichen Merkmalen bzw. in der gleichen Farbe ersteigert hat, hat gewonnen. Zwei Warenkarten liegen zu Beginn auf dem Versteigerungs-Spielplan, wer an der Reihe ist, deckt entweder eine neue auf oder schiebt eine bereits ausliegende weiter Richtung Versteigerungsfeld "meins!".

Nix is fix!

Wer die dort hingelegte Ware unbedingt will, wird eventuell überlegen, zuerst einmal nur einen Blockadestein in die Faust zu nehnen. Dadurch erfährt er, was die anderen geboten haben und kann entsprechend in der zweiten Runde sein wirkliches Gebot legen. Aber: Einer von zwei Blockadesteine ist damit weg und die Absicht ist leicht zu durchschauen. Doch ist es jemand anderem wirklich wert, so hoch hineinzugehen, um den Zuschlag zu verhindern?

Bei 3, 2, 1 … meins! gibt es keine Sicherheiten. Das Spiel kann sehr unerwartete Wendungen nehmen. Aber das ist ja das Schöne. Man muss es mit seinen knappen finanziellen Ressourcen nur durchhalten.

Fazit

Gute Idee, mangelhafte Umsetzung.

 

 Nr. 968: 3, 2, 1 … meins!

 

Spielwiese-Code |  | E | 10 |

2007: Winning Moves

 

  • Auktionsspiel für 2 bis 5 Spieler ab 10 Jahre
  • Autor: Kirsten Becker und Jens-Peter Schliemann
  • Verlag: Winning Moves
  • Ca.-Preis: 21,– €

   Themen: Versteigerungen

      Preis-Leistungsverhältnis   
    Spielmaterial 
      Wiederspielreiz        
      Anspruch
  
   Glücksanteil        

  • Thema/Umfeld: Versteigerung bzw. das System ebay als Thema
  • Zielgruppe: Erwachsene, Familien, die einen gewissen Hang zu Versteigerungen haben
  • Spieldauer: 30 Minuten
  • Spielmaterial: leider völlig ohne Fantasie gestaltet und zudem unpraktisch! Die kleinen Münzen sind kaum vom Tisch zu bekommen und gehen sehr leicht verloren. Der absolute Schwachpunkt des Spiels
  • Schachtelinfo: informativ und gut (das Foto mit ganz anderen Geldeinheiten als im Spiel deutet darauf hin, dass hier bis zum Ende noch gefeilt wurde)
  • Spielanleitung: gut
  • Anspruch: geschicktes Einteilen seiner finanziellen Kraft und den Überblick bewahren, was die anderen mit der Zeit an Geld ausgegeben haben
  • Spielreiz: nur für Fans von Auktionen wirklich hoch, anderen verleidet es schnell, weil der Frustfaktor relativ hoch ist und das Material leider misslungen ist
  • Glücksfaktor: hoch, weil die Gebote der Mitspieler weitgehend unberechenbar sind. Aber das ist auch von Reiz.

 -Service:

Spielanleitung zum Herunterladen
 



 


 

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