Meinung

Bei erstschlechter Gelegenheit

Sind Mütter und Paten die leichtere Beute, um bei Spielen Fantasiepreise durchzusetzen? Die Frage stellt sich mir nach dem jüngsten Preisvergleich bei 22 Online-Anbietern.

21. OKTOBER 2019

Bei vielen Spielen liegen Welten zwischen dem günstigsten und dem teuersten Preis, der verlangt wird. Eines fällt aber dennoch auf: Besonders ausgeprägt ist die Preisdifferenz bei Kinderspielen. Ob du für den Hasbro-Klassiker Kroko-Doc 9,99 Euro oder 32,99 Euro bezahlst, macht einen gewaltigen Unterschied. Das ist nur ein Beispiel aus der aktuellen Preiserhebung von spielwiese.at, die jährlich in der Zeit vor Weihnachten durchgeführt wird. Auch in den Vorjahren war es so, dass die größten Preisunterschiede vor allem bei beliebten oder angesagten Kinderspielen zu finden sind.

 

Der Fluch der Fernsehwerbung bleibt uns bei Erwachsenenspielen erspart.

 

Mir kommen dazu zwei Verdachtsmomente.

Erster Verdacht: Eltern, Großeltern, Paten und Tanten verlässt manchmal der gesunde Menschenverstand, wenn es um die Kinder geht. Dieser Irrationalität ist wissenschaftlich sogar gut belegt. Da werden Geschenke bei erstbester – oder erstschlechter – Gelegenheit gekauft, ohne mühsam Preise zu vergleichen. Das ist insofern verständlich, weil die Quengelei des Nachwuchs ermüdend wirkt. Schließlich hat sich den Kindern die penetrante Fernsehwerbung auf den einschlägigen Kinderkanälen eingebrannt. Sie lassen bei ihrem Wunsch nach einem bestimmten Spielzeug, einem bestimmten Spiel nicht locker.

Der zweite Verdacht gründet auf dem ersten: Manche Shop-Verantwortliche setzen gerade bei Kinderspielen bewusst Fantasiepreise. Sie können sich darauf verlassen, dass es genug Erwachsene gibt, die einen Verkaufspreis nicht lange hinterfragen.

So ist auch ein Verkaufspreis weit über dem „unverbindlich empfohlenen" der Hersteller (UVP) bei Kinderspielen keine Seltenheit. Erfahrungsgemäß hält sich der stationäre Handel eher an den UVP. Also: Falls ein Spielwarenladen in der Nähe vorhanden ist, es kann sich rentieren dort vorbeizuschauen.

Der Fluch der Fernsehwerbung bleibt uns bei den meisten Familienspielen und erst recht bei Erwachsenenspielen erspart. Außerdem, so meine Beobachtung: Erwachsene agieren sorgsamer, wenn es um Spiele geht, die sie für sich Spiele kaufen. Weil viele von ihnen auch besser über ein konkretes Spiel informiert sind, sind sie auch preisbewusster und gehen gezielter vor. Wahrscheinlich ist das auch ein Grund, warum es bei Erwachsenenspielen weniger oft zu Fantasiepreisen kommt, die verlangt werden.

 


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