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Spielwiese-Test 1069: Opera

Charakter-Sache

Opera zählt auf jeden Fall zu den optischen Hinguckern der jüngeren Neuerscheinungen. Das Spiel selbst ist nicht jedermanns Sache, was nicht nur am Thema liegt.

 
  Sauber eingeteilt und atmosphärisch illustriert: Das Opera-Spielbrett. In der unteren Leiste stehen die Charaktere zur Auswahl, die rechte gibt den Rang der einzelnen Komponisten an.
  Die Budgettabelle: Zum Ende der vorigen Runde standen Grün auf 5, Blau auf 4, Rot auf 3 und Gelb auf 0. Grün bietet nun vier Dukaten, Blau fünf, Rot sieben und Gelb sechs Dukaten. Grün bewegt seinen Stein nun als Erster, weil er die höchste Position vor dem Bieten hatte. Die andern folgen entsprechend ihren Positionen – da Blau hinter Grün lag, muss sich dieser Spieler mit dem Platz hinter Grün auf derselben Ebene begnügen.

Illustrationen: Huch

 
  Nach und nach bauen die Spieler Opernhäuser vor sich auf und platzieren dort ihre Musikstücke, die sie erworben haben.

Bilder: Spielwiese

 
  Die Musikstücke gibt es auf der Leiste der Komponisten zu kaufen. Je höher der Komponist im Rang, desto teurer wird auch das Musikstück.
   

 Mit Opern hat nicht jeder was am Hut. Beim Brettspiel Opera geht es allerdings überhaupt nicht um Musik – es ist eigentlich ein Wirtschaftsspiel. Auch der Opernbetrieb ist Ökonomie, zwar immer mit kulturellem Hintergrund, aber eben trotzdem Wirtschaft. Wer die besten Stars hat, das beste Angebot an populären Stücken und trendigen Komponisten, der gewinnt. Darum, und unterm Strich nur darum geht's bei Opera.

Das Spiel des relativ unbekannten Autors Hans van Tol (von ihm stammen auch Die unbezwingbare Stadt und Kuh sucht Bauer) zählt zu der Kategorie Ich-such-mir-meine-Rolle-aus-Spielen. In die Spielewelt und einem breiteren Publikum eingebracht haben sie Autoren wie Bruno Faidutti (Ohne Furcht und Adel), Marcel-Andre Casasola Merkle (Verräter) und Andreas Seyfarth mit Puerto Rico. Treibende Kraft all dieser Spiele ist, dass es verschiedene Charaktere mit unterschiedlichen Fähigkeiten gibt, die sich die Spieler in jeder Runde neu aussuchen können. Bei Opera sind es neben anderen der Critico, der Esperto, der Architetto und natürlich auch ein Maestro.

Welche Fähigkeiten sie haben bzw. was sie nützen, das erschließt sich nicht jedem Spieler auf Anhieb. Vielleicht ist die Welt der Oper oder die Rahmenhandlung für viele Zeitgenossen einfach zu fremd. Wir fanden es auch in verschiedenen Testrunden nicht endgültig heraus, wo der Haken sitzt.

Ruhmespunkte sammeln

Dabei ist Opera bei einer genauen Analyse recht einfach. Es geht am Ende um die meisten Ruhmespunkte auf einer Wertungsleiste gesammelt hat. Ruhmespunkte gibt es für – nennen wir es so – erfolgreiche Opernaufführungen. Sehr schön gelöst und an das Treiben an einer Börse erinnernd, ist wie viel Budget die jeweiligen Spieler in ihre nächste Aufführung investieren. Dahzu gibt es die so genannte Budgettabelle am linken oberen Spielbrettbereich. Wer dort mit seinem Stein am weitesten vorne steht, darf sich zuerst ins Geschehen einbringen. Die Positionen müssen mit dem Einsatz von Dukaten erobert werden. Wer sich anfangs an zweiter Stelle befindet, muss nicht zwingend als zweiter Spieler folgen. Vielleicht kommt der vorderste Spieler noch einmal an die Reihe, vielleicht sogar ein drittes Mal.

Hinten anstellen

Die Bugettabelle funktioniert nämlich so: Zuerst wird um die Platzierung geboten – in der verdeckten Hand, die dann alle gleichzeitig öffnen. Für jeden Dukaten, den man bietet, zieht man seinen Stein um eine Reihe nach oben. Es gibt zehn Reihen. Kämen zwei oder mehrere Spieler durch ihr Gebot in die gleiche Reihe, entscheidet das höhere Gebot, wer sich in der Reihe an die erste Stelle setzt. Das "Abarbeiten" ist das, was das eigentliche Spiel ist, oder anders gesagt: jede Aktion kostet Geld (nun aber nicht mehr real, sondern "nur" in der Budgettabelle), um deren Einsatz man in den Reihen nach unten rutscht. Kommt man damit in eine Reihe, in der schon ein anderer Stein liegt, muss man sich in der betreffenen Reihe hinten anstellen. Wer also wann an die Reihe kommt, das ist so wie ein Blatt Papier mit Text zu lesen.

Was kann man nun mit seiner Investition anstellen und was bringts? Bei Opera geht es um ein ausgeklügeltes Wechselspiel von Geld, Ruhm, Angebot und Nachfrage. Gesteuert wird es über die Auswahl folgender Charaktere, wobei jeder Charakter pro Runde nur von einem Spieler einmal genutzt werden kann:

Der Architetto

Er liefert das Grundgerüst, um überhaupt agieren zu können. Denn Opera funktioniert so, dass die Spieler vor sich Opernhäuser errichten, die sie dann bespielen. Als Startkapital erhält jeder Spieler das Hauptgebäude der Oper von Venedig mit einem Saal. Alle Opernerweiterungen (Säle) oder Opernhäuser aus anderen Städten müssen zugekauft werden. Das kostet einerseits Dukaten, andererseits rückt man dafür auf der Punkteliste sogleich ein bisschen vor.  

Der Impresario

Mit ihm kauft man bis zu zwei Musikstücke. Diese Musikstücke wurden anfangs nach Zufall gezogen und auf die enstsprechenden Komponistenfelder am rechten Spielbrettrand gelegt. Diese Musikstücke verteilt der Spieler auf seine Säle in seinen Operhäusern.

Der Maestro

Der Dirigent kommt nicht nur einem Spieler direkt zugute, sondern möglicherweise allen Spielern. Er wird nämlich auf dem Spielbrett von einer Stadt zu einer anderen Stadt bewegt und bringt den jeweiligen Spielern, die dort ein Opernhaus stehen haben, doppelte Einnahmen.
 

Der Critico

Auch er erlaubt einen sehr speziellen Einsatz. Er beeinflusst nämlich die Rangfolge der Komponisten. Die sechs Komponisten befinden sich, wie schon erwähnt, rechts in einer senkrechten Leiste. Stücke des Komponisten ganz oben kosten sechs Dukaten, Stücke des untersten Komponisten nur einen Dukaten. Der Rang hat dann ab sofort Einfluss auf den Erwerb von Musikstücken durch den Impresario: Die einen werden teurer, die anderen billiger. Mit dem Critico kann ein Komponist um bis zu zwei Ränge verschoben werden. Die Aktion macht vor allem als Vorbereitung für die nächste Runde Sinn, wenn man in dieser den Esperto wählt.

Der Esperto

Ähnlich wie der Maestro wirkt sich auch der Esperto, der Opernfreund für eine Stadt aus. Wer will, kann sich für alle Musikstücke, die bei ihm in der betreffenden Oper aufgeführt werden, Punkte gutschreiben lassen – nämlich entsprechend dem Rang der Komponisten. Der Pferdefuß: Anschließend muss er sein wertvollstes Musikstück aus dieser Stadt dem Spieler mit der niedrigsten Punkteanzahl schenken.

Die Signora (Kammerfrau)

Ihren Nutzen erschließt sich den meisten Spielern erst spät, manchen gar nicht. Die Signora ist auch etwas sehr Spezielles: Es gibt einen Palazzo genannten Bereich, in den man eines seiner Musikstücke verkaufen kann – entweder gegen Geld oder Punkte. Es geht hier um eine Art Turbo: Man kriegt auf die Schnelle Geld, um beim nächsten Gebot besser mitmischen zu können.

 

Der Kreis schließt sich

Die Wahl eines dieser Charaktere kostet eine Gebühr, die auf der Budgettabelle verrechnet wird, man sinkt also in der Budgettabelle nach unten. So schließt sich der Kreis.

Opera geht über neun Runden, wobei es nach jeweils drei Runden zu einer Spezialwertung kommt. Allerdings wird schon nach jeder Runde festgestellt, von welchem Komponisten die meisten Musikstücke aufgeführt werden. Dieser Komponist rückt auf der Komponistenleiste einen Platz höher, seine Musikstücke werden dadurch ab der nächsten Runde teurer. Zuerst aber werden die Einkommen ausbezahlt: Für Opernhäuser mit einem aufgeführten Musikstück gibt es einen Dukaten, für Opernhäuser mit zwei Musikstücken drei Dukaten, für drei besetzte Säle schon fünf Dukaten. Das Maximum sind mit sechs besetzten Sälen 15 Dukaten.

Fazit

Die Schlussfolgerung aus diesem Treiben in der Welt der Oper muss differenziert ausfallen. Auf der einen Seite ist es hervorragendes Spielmaterial, das geboten wird. Volkan Baga und Arenea Kunkeler haben zum Thema genau den richtigen (Farb-)Ton getroffen! Allein eine etwas abgestufte Kennzeichnung der Gebäudekarten (Säle) verschiedener Städte könnte die Verwechslungsgefahr bei Anfängern etwas vermindern. Auch das Zusammenspiel aller regelrelevanten Elemente ist sehr gut gelöst und lässt genügend Raum für eigene Entscheidungen, aber auch für manche Überraschungen. Das ist aber auch zugleich der kritische Punkt bei Opera. Was man denn am besten wann macht, sprich: zu welchem Zeitpunkt welcher Charakter am zielführendsten eingesetzt werden soll, das verlangt genaues Überlegen. Opera ist deshalb kein Spiel für spielerisch Unbedarfte, sondern für Fortgeschrittene.

Und die haben nun endlich auch thematisch eine völlig neue Wahl: statt Mittelalter, Steinzeit oder Inseln einmal etwas so Elitäres und Kunstsinniges wie Beethoven & Co.
 

 Nr. 1069: Opera

 

Spielwiese-Code  |   | F | 12 |  |


2009: Huch

  • Wirtschaftsspiel für 2 bis 4 Spieler ab 12 Jahre
  • Autor: Hans van Tol
  • Grafik: Volkan Baga, Arenea Kunkeler
  • Verlag: Huch
  • ca.-Preis: 36,– €

   Themen: Oper, Musik, Wirtschaft

      Preis-Leistungsverhältnis   
      Spielmaterial 
      Wiederspielreiz 
      Anspruch
      Glücksanteil

  • Zielgruppe: Erwachsene, Kunst- und Opernfreunde
  • Spieldauer: 90 bis 120 Minuten – verlangt also etwas an Sitzfleisch
  • Schachtelinfo: informativ und ein guter Überblick; dass das Spiel besondere Fähigkeiten verlangt, wird zumindest angedeutet
  • Spielmaterial: sehr gut – allein eine gewisse Verwechslungsgefahr von Gebäudeteilen innerhalb derselben Gruppe
  • Spielanleitung: durchschnittlich, hätte sich straffen lassen
  • Anspruch: ein guter Überblick und Interesse an Zusammenhängen
  • Spielreiz: nur bei erfahrenen Spielern von Bestand; für Otto Normalspieler dauert es einfach zu lange
  • Glücksanteil: durchschntitlich

 -Service:

Spielanleitung zum Herunterladen
 



 





 

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