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Spielwiese-Test 1038: Las Vegas

Jetzt will ich’s wissen!

Nominiert zum Spiel des Jahres 2012: Ein simples Zockerspiel, das keinen kalt lässt. Zu verlockend sind die Geldscheine und die Möglichkeit, dass …

 

 

 

 

Vegas-Prinzip an einem Beispiel erklärt: Bliebe es so, bekäme Rot den höheren Geldschein (70.000 Dollar), weil Rot am meisten Würfel in Casino 2 liegen hat. Grün und Blau gingen leer aus, weil sich gleiche Würfelanzahl aushebelt. Legt Blau einen Zweier nach und spekuliert vergeblich auf einen dritten, hätte Grün am Ende die Nase vorn, weil sich die beiden beiden Mitspieler dann gegenseitig ausgeschaltet hätten. In beiden Fällen käme der niedrigere Geldschein nicht zur Auszahlung.

Bild: Die Spielwiese

   

 Simpel muss keineswegs schlecht heißen. Denn Las Vegas ist alles andere als das. Gängigen Augenwürfeln sind hier klare Bestimmungen zugeordnet. Die geworfenen Dreier kommen auf Casino 3, geworfene Fünfer auf Casino 5 … Jeder Spieler hat eingangs acht Würfel seiner Farbe, es gibt sechs Casinos und das war es auch schon an Spielmaterial. Sieht man vom Spielgeld ab, um das es geht.

Die Vorbereitung

Was man damit macht, ist schnell erklärt. Der Einstieg für Las Vegas-Neulinge erfolgt problemlos. Die sechs nummerierten Casinos werden nebeneinander auf den Tisch gelegt. Vom gut gemischten Stapel mit den Dollars werden nach und nach Scheine gezogen und dem ersten, dem zweiten usw. Casino zugeteilt. Sobald bei einem Casino mindestens 50.000 Dollar liegen, ist das nächste für die Geldzuteilung an der Reihe.

Soweit zur einfachen Vorbereitung.

Jetzt wird gewürfelt!

Ein Startspieler wirft alle seine acht Würfel und muss sich entscheiden, ob er einen oder mehrere mit gleichen Zahlen setzt. Zum Beispiel seine drei Zweier auf Casino 2. Dann ist der nächste Spieler an der Reihe. Nicht verwendete Würfel behalten die Spieler für die kommende Runde.

Ihren Würfeleinsatz machen die Spieler im Grunde von zwei Überlegungen abhängig: Wo winkt das meiste Geld? Wo stehen meine Chancen am besten?

 

Atmosphärisch: Die Ablagetableaus zeigen reale Spielcasinos der Wüstenstadt Vegas.  
   

Sobald alle Spieler alle ihre Würfel platziert haben, geht es nämlich ans Kassieren. Bei jedem Casino gibt es einen oder mehrere Geldscheine mit Werten von 10.000 bis 90.000 Dollar zu holen. Wer die meisten Würfel im Casino liegen hat, kriegt den höchsten Geldschein, wer dort am zweitmeisten Würfel hat, erhält den zweithöchsten Geldschein usw.

Das große Aber

Natürlich kommt an dieser Stelle das große Aber. Spieler, die jeweils gleich viele Würfel in einem Casino liegen haben, gehen leer aus! Um es drastisch zu illustrieren: Es wartet ein einzelner 80.000-Dollar-Schein bei Casino 4, die Spieler mit den roten und blauen Würfeln haben jeweils fünf Würfel mit einer Vier hingelegt, der Spieler Weiß nur einen einzigen. Rot und Blau schauen durch die Finger, Weiß streift die 80.000 Dollar ein. Nach vier kompletten Durchgängen wird gezählt, wer der beste Zocker war.

Zögern und Schadenfreude

Vegas lässt mit dieser einfachen Regel sehr viel Platz für Schadenfreude. Der Glücksfaktor überwiegt deutlich, und man weiß es auch. Trotzdem setzen sich manche Spieler gerne als begabte Wahrscheinlichkeitsrechner in Szene. Da gerät der Spielfluss schon mal kurz ins Stocken (wer hierbei seine Gedanken ausplaudert, hilft anderen bei der Einschätzung seines Verhaltens; selber schuld!) Ein paar grundsätzliche Überlegungen schaden nämlich nicht:

  • mit dem ersten Wurf bereits drei oder noch mehr gleiche Zahlen nicht nur zu werfen sondern gleich einzusetzen, kann vor allem für die ersten Spieler von Nachteil sein. Da bei Las Vegas immer auf eine Ausgangslage reagiert wird, stehen dafür in den folgenden Runden relativ wenige Würfel zur Verfügung. Die Aussicht sollte also auf einen hohen Gewinn sein, wenn man sein Pulver rasch verschießt
  • zur Gewinnstrategie – das entsprechende Würfelglück vorausgesetzt – kann gehören, als Start- oder als erster Folgespieler in der ersten Runde zuerst einmal nur einen Würfel zu platzieren und schauen, was passiert. Wer in der zweiten Runde noch sieben Würfel zur Auswahl hat, ist selten schlecht bedient
  • bei acht Würfeln, die jeder als Ausgangspunkt hat, ist ein Geldschein selbst mit fünf gleichen Würfeln noch lange nicht sicher
  • deshalb immer darauf achten, wie viele Würfel Mitspieler noch haben, die einen im selben Casino Konkurrenz machen
  • der sprichwörtliche Spatz in der Hand ist oft wertvoller als die Taube auf dem Dach: wenn sich alle um 80.000-er oder 90.000-er reißen, bleiben Geldscheine mit geringeren Werten oft kaum beachtet. Die können "billiger", sprich: ohne Zwei- oder Dreikämpfe zu ergattern sein
  • liegen an einem Casino zwei oder mehr Geldscheine, kann man bewusst auf den zweiten Platz losgehen
  • und nicht zuletzt: Wenn sich zwei streiten, freut sich der Dritte. Wenn bei den Spielern die Würfel zur Neige gehen, im Zweifelfall durchaus darauf spekulieren, dass diejenigen, die um den höchsten Dollarschein streiten und nicht locker lassen, sich am Ende vor lauter Gier gegenseitig ausschalten.

 

Die Runden laufen sehr kurzweilig ab, weil stets alle mitfiebern, die schon erste Würfel ausgelegt haben. Wer wie viel Geld in einem Durchgang kassiert, wird oft erst mit dem allerletzten Würfel entschieden. Mit einer guten halben Stunde für vier Durchgänge ist die Spieldauer überschaubar. Das macht Lust auf eine Revanche, um nebenbei seine Studien fortzusetzen, welche Mitspieler eher zu den Konfliktscheuen oder zu den Jetzt-will-ich’s-wissen-Typen zählen.

Nur ein kleines Manko soll vermekrt sein: Zur besseren Übersichtlichkeit, was wo zu holen ist, wäre es gut gewesen, die Farbverteilung der verschiedenen Werte der Geldscheine anders vorzunehmen. Gerade die Abstufung der beieinander liegenden 10.000- und 20.000- sowie der 30.000- und 40.000-Dollar-Scheine ist zu unscharf ausgefallen. Das schmälert das Spiel allerdings nicht.

Fazit

Die schlichten Mittel und der einfache Mechanismus rücken Las Vegas in die Nähe des starken Zockerspiels Gambler, später als Engel & Bengel benannt, verfehlt dessen Qualität aber knapp. Trotzdem: Die Gier ist auch hier ein Schwein und Zockernaturen kommten voll auf ihre Kosten!

 

 Nr. 1038: Las Vegas

 

Spielwiese-Code |     | E | 8 |


2013: Alea/Ravensburger


2012: Alea/Ravensburger

  • Würfelspiel für 2 bis 5 Spieler ab 8 Jahre
  • Autor: Rüdiger Dorn
  • Grafik: Harald Lieske, Mia Steingräber
  • Verlag: Alea/Ravensburger
  • ca.-Preis: 25,– €

   Themen: Glücksspiel, Casinos

      Preis-Leistungsverhältnis   
      Spielmaterial 
      Wiederspielreiz
      Anspruch
  
   Glücksanteil  

  • Zielgruppe: Erwachsene, Familien
  • Spieldauer: 30 Minuten
  • Schachtelinfo: sehr dürftig
  • Spielmaterial: sehr gut mit kleinen Abstrichen beim Spielgeld
  • Spielanleitung: gut
  • Anspruch: Risikobereitschaft, Wahrscheinlichkeitsberechnung
  • Spielreiz: sehr hoch
  • Glücksanteil: sehr hoch

 -Service:

Rund ums Spiel

  • Alea-Mutter Ravensburger hatte bereits 1996 ein gleichnamiges Spiel im Programm. Auch damals ging es um Spieltische und Casinos. Das aktuelle Spiel hat aber nichts damit zu tun
  • Las Vegas-Autor Rüdiger Dorn ist in der Spieleszene eher für seine etwas aufwändigeren und komplexeren Spiele bekannt
  • Das Spiel hieß bei Erscheinen zuerst nur Vegas
  • 2014 erscheint Las Vegas Boulevard als Erweiterung



 



 

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