Spielwiese-Test 1320: Flügelschlag

Veröffentlicht in Spielwiese-Tests

 

Mangelwirtschaft in der Vogelwelt

Flügelschlag, das Kennerspiel des Jahres 2019, ist ein großes umfangreiches Ausprobierspiel. Es gibt keine ausgesprochene zielführende Gewinnstrategie. Dazu ist zu viel Material mit zu vielen Möglichkeiten vorhanden. Gleichzeitig herrscht permanenter Mangel an Dingen, die man braucht. Es gewinnt, wer den Mangel am besten managt.

 

Nr. 1320: Flügelschlag | Spielwiese-Code  |  | F | 10 |  |


2019: Feuerland

 Was ist's? 
  • Sammelspiel für 1 bis 5 Spieler ab 10 Jahre
  • Autor: Elizabeth Hargrave
  • Grafik: Ana Maria Martinez Jaramillo, Natalia Rojas, Beth Sobel
  • Spieldauer: 60-90 Minuten
  • Verlag: Feuerland
  • ca.-Preis: 50,– €

 Für wen?  

  • Sicher für Vogellieber, ansonsten für Freunde gepflegten Spielens mit Anspruch

 Was braucht's?  

  • Realistische Chancenabwägung und auch ziemlich viel Glück
 

 

 
  Wunderschön gemacht, aber für ein Kennerspiel mit relativ hohen Glücksmomenten behaftet: Flügelschlag.

Bild: Feuerland

   

 Die gute Nachricht  

Mal wirklich ein anderes Thema!

 Die schlechte Nachricht  

Der Unwägbarkeiten sind zu viele


 Rein ins Spiel!  

Vögel. Dazu noch amerikanische. Wie um alles in der Welt kommt man auf ein solches Thema für ein Spiel? Elizabeth Hargrave, die Autorin von Flügelschlag, hat bei sich zuhause in Maryland am Lake Artemesia Vögel beobachtet und als Hobbyornithologin ihre eigenen Statistiken angelegt. Damit ist dieser Punkt geklärt. Schwieriger wird die Antwort, warum dieses Spiel dermaßen eingeschlagen hat.

Die Materialfülle? Es gibt 170 Karten mit Vögeln drauf, Würfel, 75 Miniatureier in Pastellfarben, ansprechende Spielertableaus und und und. Das beeindruckt und wiegt beachtliche 2,28 Kilogramm.

Der Spielmechanismus? Es gibt viel zu beachten (Kennerspiel!), das ineinandergreift und insgesamt optimiert werden soll. Nicht neu, aber doch wie anders gelöst.

Oder doch das Thema? Menschen lieben Vögel. Wenn sie einem nicht gerade das Auto vollsch… oder Krach machen.

Es wird wohl eine Mischung aus allem sein. Außerdem steckt gutes Marketing hinter dem Erfolg des Spiels. Der Zugang zu Flügelschlag ist nicht leicht. Man bekommt fünf zufällige Vogelkarten und je einen Futterchip der fünf verschiedenen Futtersorten sowie zwei Bonuskarten mit Zielvorgaben, die aber erst am Spielende relevant sind. Und als Erstes muss man sich entscheiden, welche der beiden Bonuskarten sowie welche Vogelkarten und Futterchip man abgibt. Für jede Vogelkarte, die man behält, wandert ein Futterchip zurück in den allgemeinen Vorrat. Zusammen dürfen es nicht mehr als fünf Teile sein. Dabei lässt sich kaum bis überhaupt nicht abschätzen, wie die Partie ablaufen wird. Siehe dazu auch Gut. Mit Abschlägen.

Wichtig fürs Grundverständnis von Flügelschlag sind folgende Dinge.

• Um einen Vogel ins Spiel zu bringen, braucht es einen bis drei bestimmte Futterchips.
Vögel haben ihren zugeordneten Lebensraum. Auf dem Spielertableau gibt es dafür drei Reihen: Wald, Gras und Wasser. Dort werden die Vogelkarten abgelegt. Manche Vögel fühlen sich auch in verschiedenen Lebensräumen wohl.
• Jeder der drei Lebensräume hat zudem eine spezielle Funktion. Entscheidet man sich für Wald, gibt es neues Futter. Entscheidet man sich für Gras, gibt es Eier. Entscheidet man sich für Wasser, darf man neue Vogelkarten ziehen.

Und natürlich herrscht allerorten Mangel. Einmal fehlt einem das passende Futter, dann hat man nur Vogelkarten, die nicht mit den Zielen übereinstimmen, oder es fehlen Eier. Ja, die Eier werden mit fortschreitendem Spiel immer wichtiger. Denn schon für die zweite Vogelkarte, die man in einem Lebensraum ablegen will, muss man ein Ei abgeben. Für den vierten und fünften Vogel dann jeweils zwei.

Dazu ist das Spielertableau in Spalten und Zeilen (Lebensräume) unterteilt. Wer an der Reihe ist, darf genau eine Aktion ausführen. Dazu wird ein Aktionsstein in die erste leere Spalte von links eines waagrechten Lebensraums gelegt und nützt die darauf abgebildete Funktion. Das kann zum Beispiel sein, zwei Futterchips, drei Eier oder eine neue Vogelkarte zu erhalten. Dann, und das ist der Optimierungsmotor des Spiels, wandert der Aktionsstein in die davon linke Spalte. Liegt dort schon eine Vogelkarte, darf die Fähigkeit dieses Vogels, wie es heißt, „aktiviert“ werden. Hier gibt es eine Unmenge an Möglichkeiten, die auf der jeweiligen Vogelkarte angeführt sind. Auch hier erhält man zum Beispiel ein zusätzliches Ei, darf um Futterchips würfeln oder eine Vogelkarte nachziehen und behalten, wenn die Spannweite dieses Vogels größer oder kleiner als ein bestimmter Wert ist. (In der amerikanischen Originalausgabe ist das übrigens namensgebend: Wingspan) Weitere Möglichkeiten an dieser Selle würden zu weit führen. Es gibt einfach zu viele. Wieder wandert der Aktionsstein nach links und aktiviert die Fähigkeiten des nächsten Vogels. Anders gesagt: Je mehr Vögel in einem Lebensraum sind, desto mehr zusätzliches Material erhält man. Und zwar jedes Mal, wenn die Aktion des Lebensraums gewählt wird. Nur bei der Aktion "Vogel spielen", also dem Auslegen einer neuen Vogelkarte, kann die Spalte frei gewählt werden und hier gibt es kein Wieder-nach-links-rücken.

Die Spieler beginnen mit acht Aktionssteinen. In der ersten Runde werden also von jedem Spieler reihum acht Aktionen gesetzt. Jede Runde hat ihr spezielles Rundenziel, dargestellt durch ein wiederum zufällig auf eine kleine Tafel gelegtes Zielplättchen. Am Ende einer Runde wird für eine Zwischenwertung verglichen. Spezielle Rundenziele können zum Beispiel die meisten Vögel mit Eiern in einer bestimmten Nestform , die meisten Vögel im Lebensraum Wasser sein. De meisten Punkte gibt es für den Besten und weniger für die Nächstgereihten. Das wird auf der kleinen Tafel mit einem Aktionsstein markiert und auch wer das Rundenziel völlig verpasst hat, legt einen seiner Aktionssteine auf das Feld Null. Somit startet man mit einem Aktionsstein weniger in die Runde zwei, mit sechs in die Runde drei und mit nur noch fünf in die vierte und letzte Runde.

Jeder Vogel hat nicht nur seine besonderen Fähigkeiten, wie oben erwähnt. Vögel zählen am Ende auch unterschiedlich viele Siegpunkte . Die Bandbreite reicht von 0 bis 9. Vögel können in vier verschiedenen Arten von Nestern brüten (wichtig für die Rundenziele!), in denen unterschiedlich viele Eier Platz haben. Wie viel steht auf jeder Vogelkarte.

Bei insgesamt 170 Vogelkarten im Spiel bedeutet das allein schon eine Menge an Unwägbarkeiten. Denn alles sollte irgendwie zusammenpassen. Die Futterchips zu den Karten, die man ausspielen möchte, Eier, um Aktionen zu ermöglichen. Verlassen kann man sich dabei auf gar nichts. Für ein Kennerspiel ist recht viel Zufall und Glück dabei. Nehmen wir das Futter. Man bekommt neues Futter, wenn man sich für die Aktion „Wald“ entscheidet. Aber Futter steht nicht unbegrenzt zur Verfügung. Für Auswahl und Verteilung steht ein hübsches und nettes 3D-Futterhäuschen am Tisch. Fünf große Würfel werden hinten hineingeworfen und kommen unten im Trog heraus. Wenn man unbedingt einen Wurm oder eine Maus braucht, diese aber nicht vorhanden sind, macht die Aktion keinen Sinn. Alle fünf Würfel werden erst dann neu gewürfelt, wenn nur noch eine Sorte Futter im Trog vorhanden ist. Und dann stellen sich wieder Glück oder Pech ein. Man kann bei Flügelschlag mit seinen Vogelkarten auch buchstäblich verhungern.

Abgesehen vor dem ersten Mal fragt man sich auch während einer Partie immer wieder: Wozu das Ganze? Nun, es geht um Siegpunkte, in Summe zusammengesetzt aus jenen der einzelnen Vögel, der Rundenziele, ob und in welchem Ausmaß man das Ziel der Bonuskarten am Ende erreicht hat. Jedes Ei, jeder Futterchip, den man durch Aktivieren von Fähigkeiten auf dem Tableau lagern konnte und jede Karte, die man (ebenfalls durch Aktivierung) unter einen Vogel schieben durfte, bringt einen Siegpunkt.

Welche Gewinnstrategie man bei Flügelschlag verfolgt, lässt sich anfangs nicht festlegen. Das ist ein Manko. Zu viel hängt vom Zufall ab, der wiederum den individuellen Verlauf bestimmt. Flügelschlag ist kein geradliniges Spiel. Es ist ein Optimierungsspiel. Gerade gegen Schluss, in der vierten und letzten Runde, machen viele Vogelkarten oder Futterchips oft keinen Sinn mehr, weil sie nicht mehr umsetzbar sind, bei lediglich fünf Zügen. Da bleibt dann nur noch möglichst viele Eier „zu legen“, um das Punktekonto aufzufüllen. Vorausgesetzt, die schon ausgelegten Vogelkarten erlauben das überhaupt. Denn die Kapazität der einzelnen Nester ist ja begrenzt. Vielleicht, als Tipp, sollte man schon frühzeitig darauf schauen, Vögel mit möglichst ergiebigenNestern den Vorzug zu geben.

 

 

 

 Nochmals spielen?  

Auch wenn sie nicht immer wussten, warum und wie man gewonnen haben oder über die Runden kamen: Fast alle Testspieler wollten Flügelschlag unbedingt wieder spielen.

 Rund ums Spiel  
  • Spielanleitung zum Herunterladen
  • Ausgezeichnet als Kennerspiel des Jahres 2019 und mit dem Deutschen Spielepreis 2019
  • Im November 2019 ist die Europa-Erweiterung mit 89 neuen Vogelkarten erschienen. Weitere Erweiterungen zu anderen Kontinenten sind in Vorbereitung

Das Rezensionsexemplar wurde von Feuerland zur Verfügung gestellt

Drucken

Selbstverständlich erfüllt diese Website die Pflicht zum Hinweis auf den Einsatz von Cookies. Durch Cookies können Internetseiten nutzerfreundlicher, effektiv und sicherer gemacht werden. Durch die Nutzung dieser Website erklärst du dich damit einverstanden, dass sie Cookies verwendet. .