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Spielwiese-Test 1379: Renature

Retten wir den Bach!

Wieder ein Spiel mit aufgesetztem Trendthema? Nein. Thema und Umsetzung sind schlüssig. Das exzellente Spielmaterial mit Pflanzen und wunderschönen Tiermotiven hält den Umweltaspekt im Bewusstsein. Und wie wir aus der Realität wissen, sind Ökoaktivisten in der Wahl ihrer Mittel nicht immer zimperlich. Das gilt auch bei Renature.

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Nr. 1379: Renature | Spielwiese-Code  |  | G | 10 |  |


2020: Deep Print

 Was ist's? 

 Für wen?  

  • Spieler bzw. Familien mit doch schon etwas gehobenerem Anspruch

 Was braucht's?  

  • Kluge Abwägung zwischen schnellem Punktegewinn und den Chancen, die sich erst gegen Ende des Spiels ergeben (können)

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  Pro Spielzug stehen den Spielern drei Dominosteine zur Verfügung, von denen er einen auswählt, legt und zudem eine Pflanze daneben setzen darf.

Bilder: Deep Print, spielwiese.at

 
Hier haben zwei Spieler Renature gespielt. Auch in Minimalbesetzung funktioniert das Spiel tadellos, bietet sogar mehr taktische Finessen.

 Die gute Nachricht  

Ein mehr als fairer Preis für ein sehr gutes Spiel mit sehr gutem Material

 Die schlechte Nachricht  

Höchstens zwei Details: Füllt sich ein Gebiet, sind die Gebietsplättchen im Weg und stellt man sie notgedrungen auf, sieht man die Punkte nicht mehr. Und die Coverilllustration mit den ins Licht schreitenden Menschen trägt schon sehr dick auf!


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 Rein ins Spiel!  

Studierte Ökologen werden die Hände vor dem Gesicht zusammenschlagen, wenn man willkürlich Tier X an einem umweltverschmutzten Bach aussetzt und sein neues Habitat x-beliebig bepflanzt. Aber das ist jetzt spitzfindig. Denn ohne Abstraktion sind bestimmte Themen kaum in einem Gesellschaftsspiel umzusetzen. Bei Renature haben wir es genau mit einer solchen Vereinfachung zu tun: Ein ökologisch heruntergekommenes Tal mit einem Bach soll wieder in seinen ursprünglichen „natürlichen“ Zustand versetzt werden. Dafür werden die Spieler mit Punkten belohnt. Wer dabei am meisten Punkte sammelt, geht als Ökoguru und Sieger hervor.

Wie schon so oft, haben die vielfach prämierten Autoren Wolfgang Kramer und Michael Kiesling ein Spielbrett wohldurchdacht in unterschiedliche Bereiche unterteilt. Grüne Felder zeigen einen Bach, die braunen Felder dazwischen unterschiedlich große, in der Anleitung einfach als sogenannte Gebiete bezeichnete Flächen. Diese Brachflächen gilt es zu renaturieren. Als Erstes fällt das exzellente Spielmaterial ins Auge. Dominosteine aus Holz mit Tieren darauf. Ebenfalls aus Holz Gras, Büsche, Kiefern und Eichen in den vier Spielerfarben sowie einer neutralen Farbe. Alles liegt gut in der Hand und ist sehr wertig. Gute Qualität beim Spielmaterial will der neue Verlag zu einem seiner Markenzeichen machen.

Meine Pflanzen sind wertvoller als deine

Jedes Gebiet ist vor Spielbeginn mit einem Gebietsplättchen (sic!) versehen worden, das zu erzielende Punkte anzeigt. Jetzt kann es eigentlich schon losgehen. Wer an der Reihe ist, platziert einen seiner Dominosteine und darf daneben eine Pflanze setzen. Dafür muss natürlich Platz auf den Feldern sein und Dominosteine müssen zueinanderpassen. Dazu später. Die Pflanzen Gras, Busch, Kiefer und Eiche haben abgestufte Wertigkeiten von 1 bis 4 und dafür gibt es bereits die ersten Punkte. Ist ein Gebiet voll, genauer gesagt: kann nach diesem Zug regelkonform keine weitere Pflanze mehr dort platziert werden, kommt es zu einer Gebietswertung. Wer in einem Gebiet in Summe die wertvollsten Pflanzen hat, bekommt die höhere Punktezahl des Gebietsplättchen, wer Zweiter ist, den niedrigeren Wert des Gebietsplättchens.

So weit, so gut. Damit ist das Grundprinzip von Renature schon erklärt. Kommen wir zu Strategie und Taktik, also dem Spielspaß dabei.

Der Spielplan hat eine Oberkante. Von dort aus gesehen, werden die Gebiete immer größer, je weiter man ins Tal vordringt. Das heißt: Den Weg dorthin muss man sich mit den Dominosteinen langsam erobern, um zu den Gebieten zu gelangen, die mit mehr Punkte locken. Die zwei zentralen Fragen dabei: Habe ich die passenden Dominosteine, um mich an diese Gebiete heranzutasten und habe ich dann noch genügend Pflanzen? Die Ressource Pflanzen steht nämlich erwartungsgemäß nicht im Überfluss zur Verfügung.

Von Jokern, Wolken und Anlockungen

Kurz erklärt, welche Unwägbarkeiten und Schwierigkeiten dadurch bei Renature auf die Spieler zukommen.Die Dominosteine sind gemischt und je nach Spieleranzahl jedem 13 bis 26 als persönlicher verdeckter Vorrat zugeteilt worden. Drei davon darf jeder Spieler nehmen und so vor sich aufstellen, dass nur er sieht, welche Tierkombinationen sich darauf befinden (am Ende des Zuges wird wieder auf drei Dominosteine ergänzt). Nach dem Dominoprinzip dürfen Dominosteine nur angelegt werden, wenn beide Anschlussstellen das gleiche Tier zeigen. Bei zehn verschiedenen Tieren hat man nicht immer einen passenden Dominostein. Es gibt allerdings einen Ausweg. Eine Tierart ist immer der Joker und darf auch „unpassend“ angelegt werden. Welche Tierart es gerade ist, können die Spieler ändern, indem sie zwei Wolken abgeben. Die Spieler starten mit sechs Wolken, die auch noch andere Vorteile bieten: einen ganzen zusätzlichen Zug ausführen oder bereits platzierte Pflanzen aus einem (bestenfalls schon abgerechneten) Gebiet wieder in seinen Vorrat zurückholen. Der Anfängerfehler ist, in der Startphase von Renature unbedacht zu viele Pflanzen zu setzen. Es ist meist gescheiter, sich nicht wegen kleiner Gebiete, die nur 2 oder 3 Punkte bringen, auf Händel um die dortige Mehrheit einzulassen und dafür Pflanzen zu verschwenden. Doch das ist leichter gesagt, als getan, weil die Entscheidung immer von der aktuellen Konstellation auf dem Spielbrett und den gerade zur Verfügung stehenden Tierkombinationen vor sich abhängt.

Im Hinterkopf sollte auch stets behalten werden, dass die Schlusswertung ohne großen Aufwand noch viele Punkte bringen kann. Am Ende werden nämlich auch die noch nicht abgeschlossenen Gebiete gewertet. Nehmen wir dafür das extremste Beispiel her. Die zwei größten Gebiete haben 13 Feldern, die zugehörigen Gebietsplättchen versprechen 13 Punkte für den Spieler mit der Mehrheit dort und 6 Punkte für den Zweitbesten. Gelingt es einem Spieler als einzigem vor Spielende (alle Dominosteine im Spiel sind verbraucht) ein solches Gebiet mit einem Dominostein zu erreichen, setzt er zudem noch Pflanze daneben, ist die Belohnung erklecklich: Er kassiert nicht nur die 13 „Hauptpunkte“, sondern auch noch die 6 „Nebenpunkte“ – also 22 Punkte (plus Wert der Pflanze beim Setzen). Nebenbei: Jedes Gebietsplättchen hat auf der Rückseite noch einen weiteren Punktewert, der erst in der Schlusswertung den anderen verraten wird.

Und obwohl Renature ein Wettbewerbsspiel ist, kommt man manchmal nicht ohne Hilfe der anderen weiter. Die Dominosteine schlängeln sich auf dem Spielbrett in verschiedene Richtungen. Hat man strategisch ein bestimmtes Gebiet vor Augen, kann es vorteilhaft sein, seine Mitspieler bewusst auf den Weg dorthin zu führen, quasi mit ein, zwei Dominosteinen Vorarbeit zu leisten. Anzulocken. Was freilich nur Sinn macht, wenn man dann überhaupt noch bzw. passende Pflanzen im Vorrat hat.

Wenn wir schon beim Legen der Dominosteine sind: Nicht nur die Tiere darauf entscheiden, ob ein Dominostein angelegt werden kann. Auch der Verlauf der Bachfelder und die Form der Gebiete lässt die eine oder andere Möglichkeit zu bzw. schließt sie aus. Zweigt man mit einem Dominostein beispielsweise von einem noch nicht abgeschlossenen Gebiet so ab, dass kein anderer Dominostein mehr direkt angelegt werden kann (damit kann auch keine Pflanze mehr gesetzt werden), sind die Mehrheitsverhältnisse und die zu vergebenden Punkte bis zur Schlusswertung festgezurrt. Ein Schachzug, den man dann ins Auge fasst, wenn man bereits über die wertvollsten Pflanzen in diesem Gebiet verfügt. Umgekehrt und das ganze Spiel gültig: Mit nur einer einzigen Pflanze ändert man oft die Mehrheitsverhältnisse in einem Gebiet, sichert sich den einen oder anderen Punkt oder bootet Mitspieler komplett aus. Auch das Leben von Umweltschützern ist kein Ponyhof.

Fazit

Im Verlauf der ersten Partie wird einem nach und nach bewusst, welche Vielfalt an strategischen und taktischen Möglichkeiten in dem Spiel steckt. Bei der Abwägung, ob Renature ein Kennerspiel ist oder nicht, schwindeln wir uns mit „gehobenes Familienspiel“ durch. Denn: Die zufällige Verteilung der Dominosteine und ihrer Tierkombinationen darauf sind ein zwar nicht störender, aber doch einflussreicher Glücksfaktor, der gegen ein reines kopflastiges Kennerspiel spricht. Und der im Grunde einfache Mechanismus erlaubt den schnellen Einstieg in das Spiel. Alles Weitere folgt. Oder um es salopp zu formulieren: Man wächst spielerisch mit der Herausforderung.

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 Nochmals spielen?  

Mit Sicherheit

 Rund ums Spiel  
  • Spielanleitung zum Herunterladen
  • Es ist das erste Spiel des Verlags Deep Print Games
  • Hinter dem neuen Verlag stecken sechs Personen von Pegasus, Frosted Games und der Gründungsmannschaft von Eggertspiele

Das Rezensionsexemplar wurde von Pegasus zur Verfügung gestellt

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