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Spielwiese-Test 1389: Dive

Tiefgang, hier aber wirklich!

Von außen und von innen: Dieses Spiel ist ein starker Hingucker. Der Ablauf hält dann allerdings nicht das, was die Idee und Ausstattung versprechen.

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Nr. 1389: Dive | Spielwiese-Code  |  | E | 8 |  |


2021: Pegasus

 Was ist's? 
  • Schätzspiel für 1 bis 4 Spieler ab 8 Jahre
  • Autor: Romain Caterdjian, Anthony Perone
  • Grafik: Alexandre Bonvalot
  • Spieldauer: 30 Minuten
  • Verlag: Pegasus
  • ca.-Preis: 30,– €

 Für wen?  

  • Eindeutig für Familien! Und natürlich für Fans des Tauchens und der Unterwasserwelt

 Was braucht's?  

  • Gespür für feine optische Nuancen – und damit Übung

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36 solcher transparenter Folien sind das Herz des Spiels. Sie liegen gemischt übereinander und die Spieler müssen abschätzenauf welcher Ebene sich die Guten und die schlechten Meerestiere befinden.
  Ein Tippbeispiel auf der Tauchtafel: Der Spieler ist der Ansicht, nur auf der zweiten Ebene befindet sich ein Hai. Auf der dritten Ebene vermutet er Rochen oder Schildkröten, deshalb erhöht er den Tippeinsatz mit zwei Luftmarkern auf 9 (5+4), denn nur der mit der höchsten Zahl profitiert von den hilfreichen Meerestieren.

Bilder: spielwiese.at, Pegasus

 Die gute Nachricht  

Tolles und ungewöhnliches Spielmaterial zu einem sehr moderaten Preis

 Die schlechte Nachricht  

Die grundlegende Idee nutzt sich leider schnell ab


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 Rein ins Spiel!  

Obwohl die Unterwasserwelt wohl fast jeden fasziniert, gibt es wenige Spiele, bei denen das Tauchen an sich im Mittelpunkt steht. Meistens wird ein Tauchvorgang nur abstrakt am Rande gestreift, um zu einem versunkenen Schatz zu gelangen. Auch bei Dive verheißt die Rahmengeschichte eine Art Schatz, konkret den „heiligen Stein des Dorfes“, den der Häuptling ins Meer geworfen hat, damit der Stein im Meer wieder mit „heiligen Kräften“ aufgeladen werde. Doch bei Dive ist es insofern anders, als dass die Metapher „Der Weg das das Ziel“ ausnahmsweise einmal gilt. Es werden nämlich Tauchgänge simuliert, die je nach Einschätzung der Gefahrenlage gut gehen oder nicht. Wobei: Niemand ersäuft und keiner wird vom Hai gefressen, denn Dive ist ein ausgesprochen friedliches Familienspiel!

Einerseits ist Dive ein Laufspiel – es gewinnt der Spieler, der als Erster auf der Meerestafel auf Feld 23 zieht, andererseits ein Schätzspiel (in der Spielanleitung wird es „Wahrnehmungs-Spiel“ genannt): In welcher Tiefe des Meeres stoße ich beim Tauchen auf Haie (böse!), in welcher Tiefe auf harmloses bzw. hilfreiches Wassergetier? Genau das ist der Dreh- und Angelpunkt von Dive: Ein Stück Meeresquerschnitt, der aus 36 übereinander gelegten durchsichtigen Folien besteht, und der von oben betrachtet wird.

Jeder Spieler gibt geheim Tipps für die obersten Meeresschichten (maximal fünf Folien) ab. Je mehr Tipps richtig sind, desto schneller kommt der Spieler auf der Wertungsleiste (Meerestafel) voran.

Die erste Partie dieses Spiels ist eine Lotterie. Das muss man einfach betonen. Es braucht Übung einigermaßen treffsicher einzuschätzen, ob sich der Hai, ein Rochen oder eine Schildkröte in der zweiten, dritten, vierten oder gar fünften Schicht des Meeres befindet. Haben alle Spieler getippt, wird Schicht für Schicht (Folie für Folie) entfernt und jeweils überprüft, wer mit seinem Tipp richtig oder falsch lag.

Mit der Zeit werden die Tipps immer treffender. Übung macht den Meister, das ist das eine. Das andere: Je mehr Folien bereits entfernt sind, desto heller wird der verbleibende Teil, was eigentlich im Widerspruch zur Realität steht, in der es immer dunkler wird, je tiefer man im Wasser vorstößt. Es gibt dazu in der Spielanleitung auch den Tipp mit der (Handy-)Taschenlampe, um den Folienstapel auszuleuchten. Nun, wir haben dadurch nicht wirklich eine große Hilfe festgestellt.

Noch genauer muss hier beleuchtet werden, welche Tippmöglichkeiten es gibt. Jeder Spieler hat verdeckt eine Tauchtafel mit fünf Felder vor sich. Das oberste Feld gilt der obersten Schicht (Folie) des Meeresquerschnitts in der Tischmitte, das zweite Feld der zweiten Schicht usw. Getippt mit sogenannten Luftmarkern, die die Zahlen von 1 bis 5 zeigen und auf der Rückseite neben der Zahl auch einen Hai abgebildet haben. Als Erstes muss jeder Spieler abschätzen, in welcher Tiefe er einen Hai (oder auch mehrere) vermutet und er auf dem entsprechenden Feld den Luftmarker auf die Hai-Seite dreht. Hai oder kein Hai, das ist die erste Überprüfung pro Schicht. So lange ich richtig getippt habe, bin ich bei der Wertung für nachfolgende Schicht dabei. Habe ich mich vertippt, bin ich mit allen weiteren Tipps aus dem Spiel, auch wenn sie richtig gewesen wären. Anders gesagt: Mein Tauchgang ist für die laufende Runde beendet.

Was die Zahlen angeht: Grüne und rote Schildkröten sowie Rochen auf einer Folie können denjenigen Spieler auf der Wertungsliste weiter nach vorne bringen, der für die jeweilige Tiefe den höchsten Tipp abgegeben hat. Dazu können Luftmarker auch gestapelt werden, Zahlen also summiert werden. Der Rochen erlaubt übrigens, seinen Taucher (Wertungsstein) zu anderen Tauchern aufschließen zu lassen. Mit diesem einfachen Regelwerk erfährt das Spiel zwar taktische Komponenten, als Spielgefühl überwiegt bei Dive jedoch trotzdem das Einschätzen.

Das ist Plus und Minus zugleich, deshalb folgendes Fazit.

Fazit

Das simulierte Meer aus einem Stapel transparenter Folien ist ein außergewöhnliches Element, das Otto Normalspieler in den Bann zieht. Und es hat das Zeug Leute, die sonst gar nicht spielen, an den Tisch zu bringen. Dieser Reiz ist allerdings nicht von Dauer. Dieser Gimmick, dieses optische Sondieren des Meeres, nützt sich sehr schnell ab, von Partie zu Partie, fast schon von Runde zu Runde. Was als „normaler Rest“ von Dive übrig bleibt, ist völlig okay, vermag alleine aber nicht das Spiel über den Durchschnitt zu heben.

Es ist ein buchstäblich schönes Familienspiel, doch von einem Spiel mit Tiefgang kann nur im Zusammenhang mit dem Abarbeiten der Folien die Rede sein.

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 Nochmals spielen?  

Das ungewöhnliche Spielmaterial trägt den Spielreiz nur eine Zeit lang. Daran ändert auch nichts, dass die 36 Folien unzählige Kombinationen erlauben. Dive wird nicht im Kasten verstauben, aber wir schreiben es jenen Spielen zu, die dann wieder hervorgeholt werden, um es mit Leuten zu spielen, die es noch nicht kennen und sie (berechtigt) von der grundlegenden Idee zu beeindrucken.

 Rund ums Spiel  

Das Rezensionsexemplar wurde von Pegasus zur Verfügung gestellt

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