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Spielwiese-Test 1399: Cubitos

Sehr viel Aufwand für ein Wettrennen

In der Welt von Cubitos ist alles würfelförmig. Es gibt zwar auch Karten und die sind sogar sehr wichtig, doch nur im Zusammenhang mit den Würfeln. Deren Potenzial muss man schlagkräftig kombinieren. Sozusagen ein Dice-Building-Spiel.

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Nr. 1399: Cubitos | Spielwiese-Code  |  | F | 10 |  |


2021: Pegasus

 Was ist's? 
  • Laufspiel für 2 bis 4 Spieler ab 10 Jahre
  • Autor: John D. Clair
  • Grafik: Jacqui Davis, Philip Glofcheskie
  • Spieldauer: 45-60 Minuten
  • Verlag: Pegasus
  • ca.-Preis: 50,– €

 Für wen?  

  • Fortgeschrittenere Familienspieler oder Spieler, die Erfahrung mit Deck Building haben, das schätzen und das Prinzip mal mit Symbolwürfeln versuchen wollen

 Was braucht's?  

  • Risiko und Würfelglück

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  Das muss man den Machern lassen: Cubitos ist ein Hingucker! Rund um die Laufstrecke werden die unterschiedlichen Würfel für unterschiedliche Fähigkeiten neben den entsprechenden Karten in  Pappwürfeln bereit gestellt. So sieht man immer sofort, was noch zum Kauf zur Verfügung steht. Die Karten enthalten die nötigen Information wie Kaufpreis und Fähigkeiten.

Bilder: spielwiese.at

Bei Cubitos würfelt man nicht einfach eine Zahl und zieht um entsprechend viele Felder vor. Es gibt rund ein Dutzend unterschiedliche Symbole auf den Würfeln. Mit der Zeit verbessert man seinen Würfel-Pool, was noch lange nicht heißt, dass die Wunschsymbole auch gewürfelt werden. Denn die Anzahl der leeren Würfelseiten überwiegt.

 Die gute Nachricht  

Hat man’s kapiert, spielt es sich mit dem vielen Material flüssig

 Die schlechte Nachricht  

Eindeutig die Spielanleitung, die leider verunglückt ist


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 Rein ins Spiel!  

Wir geben es zu: Beim ersten Mal hatten wir Cubitos falsch gespielt. Und wir weisen alle Schuld von uns! Denn die Spielanleitung ist verwirrend. Jedenfalls kein Meisterstück.

Ist das Spiel selbst ein Meisterstück? Gut, aber … nein. Also, damit du weißt, worauf du dich einlässt, wagen wir eine vernünftige Beschreibung und versuchen eine möglichst objektive Bewertung.

Der Kern von Cubitos ist ein Wettrennen. Jeder Spieler schickt eine Figur los (zur Wahl stehen vier Rundkurse), wer zuerst wieder an Start/Ziel ankommt, ist Sieger. Wie der Name schon anklingen lässt, hat hier alles mit Würfeln zu tun. Es gibt eine große Menge an Würfeln! Sie verleihen unterschiedliche Fähigkeiten. In Phase 1 einer jeden Runde würfelt man, um mit dem Ergebnis in der zweiten Phase bessere Würfel zu erhalten – unter anderem, denn man will auch Füße/Schritte würfeln, um mit seiner Spielfigur voranzukommen. Nicht vergessen: Cubitos ist ein Laufspiel!

Mit der Zeit kauft man also neue Würfel. Das kostet Geld. Geld, das zuerst erwürfelt werden muss. Selbstredend, dass man nicht einfach mit allen seinen Würfeln drauflos würfeln kann. Die Anzahl ist anfangs auf neun Würfel (die auch jeder zu Beginn erhält) beschränkt, durch bestimmte Aktionen kann die Anzahl erhöht werden. Würfeln darf man so lange, bis man einen Fehlwurf erleidet, sprich: kein Würfel zeigt ein Symbol, sondern nur eine der (vielen) leeren Seiten. Dann verliert man alle Würfel, auch diejenigen, die man zuvor als gut und brauchbar zur Seite gelegt hat. (Ja, es gibt noch dieses Detail mit der Gefahr und drei Würfeln … das würde hier aber zu weit führen. Wir wollen möglichst kompakt bleiben. Schwierig genug).

Also, erst einmal zusammengefasst, was das Spielgefühl angeht: Man fordert klassisch sein Glück heraus und kann baden gehen.

Und das mit dem Zur-Seite-legen ist nicht wörtlich zu nehmen! Denn auf seinem Tableau hat jeder Spieler – von links nach rechts – die Bereiche Nachschub, Bereitschaft, Aktionsbereich und Ruhezone. Und genau da fängt das Problem der Spielanleitung an, warum Cubitos zuerst falsch gespielt werden kann. Wir hatten auch bei mehrmaligem Lesen nicht kapiert, wann genau (neue) Würfel in der Ruhezone bleiben, wann Würfel in der Bereitschaft liegen blieben, wann sie wieder in den Nachschub kommen, von wo aus sie in die Bereitschaft gelangen und so weiter. Alle in einer Runde gespielten Würfel auch wieder in der nächsten Runde als Pool zugänglich zu machen, war jedenfalls falsch. (Geht übrigens spieltechnisch, macht Cubitos aber auch nicht schneller).

Vielmehr muss wirklich auf den „Deck-Building“-Charakter des Spiels geachtet werden. Deck Building ist normalerweise mit Karten – hier eben mit Würfeln. Deren Erwerb ist unterschiedlich teuer und man muss danach trachten, zunehmend seine „guten“ Würfel in die Bereitschaft zu bringen. Der Rest ist dann ohnehin Würfelglück.

Spiel mit Ballast

In den vergangenen Jahren ging der Trend eindeutig in die Richtung Spielideen zu entschlacken. Also auf den Kern zu trimmen und von Ballast zu befreien (den konnte man, wenn das Spiel gut lief, später ja als Erweiterungen verkaufen). Bei Cubitos hat man das Gefühl, dass es genau in die entgegengesetzte Richtung gegangen ist. Da noch etwas und dort noch etwas … für ein Wettrennen wird enorm viel Aufwand betrieben.

Es gibt zum Beispiel eine Unmenge an Variationen, wie eine Partie Cubitos angelegt werden kann. Sieben mal sieben Karten zu einer bestimmten Sorte an Würfeln, wobei jede Karte einer Sorte andere Würfelfähigkeiten erlaubt. Deshalb sind die Karten – auch die einer Sorte – unterschiedlich teuer. Das alles kann man frei kombinieren, wobei die Spielanleitung zum Einüben zehn Vorschläge macht, welche Karten man zu welchen Rennstrecken für eine Partie kombiniert.

Cubitos ist eines jener Spiele, das geradezu danach schreit zwischen guten und schlechten Spielelementen zu unterscheiden. Hier das Wichtigste und keinesfalls vollständig:

Gut

  • Nach zwei, drei Runden spielen die Spieler tatsächlich, wie versprochen, gleichzeitig die beiden Phasen durch
  • Die Idee mit der Mitleidsschiene. Die zweite Spielfigur wird auf ein Tableau namens Fankurve gestellt. Immer, wenn man einen Wurf versaut, darf man in der Fankurve ein Feld vorrücken und erhält einen brauchbaren Trostpreis. Ironisches Augenzwinkern mögen wir immer!
  • Das witzige Gestaltungskonzept, das Cubitos aussehen lässt wie frühe, verpixelte Computerspiele. Grelles Retro, muss aber nicht jedermann gefallen.
  • Die Lösung mit den Würfeln in den Pappwürfelmulden: praktisch!

Schlecht

  • Das eigentliche Wettrennen verläuft anfangs unglaublich zäh und langsam
  • Dass, wie oben erwähnt, die Spieler ihre Phasen gleichzeitig spielen bedeutet auch ein Null an Interaktion. Auch auf dem Rennkurs passiert nichts dergleichen, sieht man davon ab, dass Nachzügler am Beginn einer Runde einen Vorteil haben
  • Wie man das viele Spielmaterial sinnvoll unterbringt, muss man sich selbst erarbeiten. (Würfelboxen unters Inlay oder Inlay ganz aus der Schachtel nehmen). Ein Hinweis oder ein Bild hätte gut getan.
  • Damit sind wir wieder bei der Spielanleitung angelangt, die wir schon als missglückt angesprochen haben. Damit zusammenhängend auch die Erklärungen der Karten– unvollständig – samt Symbolik und Anweisungen auf den Karten selbst. Da tauch(t)en immer wieder Fragen auf.

Im Sinne der Fankurve einen vierten Punkt

Pegasus stuft Cubitos als Kennerspiel ein. Eigentlich schrammt es am gehobenen Familienspiel vorbei. Hat man alles erstmal kapiert, flutscht der Ablauf. Was Cubitos dann doch zum Kennerspiel erhebt, ist nicht der Mechanismus, sondern die de facto unbegrenzte Kombinationsmöglichkeit aus Rennstrecken, Würfeln und Karten. Damit kann man, wenn man will, sich richtig austoben.

Bei allen Mängeln, die wir festgestellt und angesprochen haben, wäre es in der Spielwiese-Wertung nur eine 3 geworden. Aber man kann durchaus Cubitos-Fan werden und  muss auch das Potenzial in Betracht gezogen werden. Dann kommt man um einen vierten Punkt nicht herum.

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 Nochmals spielen?  

Hat man die Anlaufschwierigkeiten gemeistert, erkennt man die Luft nach oben, dass da doch noch was draus werden kann. Also probiert man’s.

 Rund ums Spiel  

Das Rezensionsexemplar wurde von Pegasus zur Verfügung gestellt

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