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Spielwiese-Test 1422: Carcata

Abhängig vom Lauf der Schildkröte

Carcata ist ein augenscheinlich sehr schönes Spiel, das Erinnerungen an die Zeit vor gut 30 Jahren aufkommen lässt, als Familienspiele einerseits mehr Tiefe erhielten, andererseits teils skurrile Materialschlachten zwischen den Verlagen ausgetragen wurden.

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Nr. 1422: Carcata | Spielwiese-Code  |  | G | 8 |  |


2020: Goliath

 Was ist's? 
  • Sammelspiel für 2 bis 4 Spieler ab 8 Jahre
  • Autor: Roberto Fraga
  • Grafik: Thibaud Pourplanche
  • Spieldauer: 30-45 Minuten
  • Verlag: Goliath
  • ca.-Preis: 38,– €

 Für wen?  

  • Familien

 Was braucht's?  

  • Wagemut und recht viel Glück

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 Die gute Nachricht  

Tolles Material, stimmiges Setting

 Die schlechte Nachricht  

Durch die Schlussbestimmung wird oft ein Spieler als Opfer gewählt


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Bei Carcata ist alles sehr, sehr plakativ. Man fühlt sich an die späten 1980er erinnert.

Bild: Goliaath

 Rein ins Spiel!  

In mehreren Schichten aus Sechsecken türmt sich der Vulkan vor den Spielern in der Tischmitte auf. Wir, die tapferen Krieger unseres Stammes, die eine Prüfung auf der Insel zu bestehen haben, befinden uns noch am Strand. Auch die weise Schildkröte wartet am Strand. Sie wird noch eine wichtige Rolle spielen.

Was aber tun wir derweil? Wir sollen Edelsteine sammeln, die der Vulkan ausspuckt. Dass dabei Gefahren lauern, ist auf den ersten Blick klar. Lava, zum Beispiel. Und dann kann uns auch ein Edelstein, der vom Vulkan ausgespuckt wird, treffen und direkt aus dem Spiel katapultieren.

Wer an der Reihe ist, darf die fünf Würfel so lange werfen, bis er mit dem Ergebnis zufrieden ist. Mit einer Ausnahme: Wird eine Schildkröte gewürfelt, kommt dieser Würfel sofort zur Seite. Am Ende seines Zuges wird die Schildkröte um entsprechende viele Felder am Strand entlang vorgerückt. Hat sie die Insel zweimal umrundet, haben sich die Spieler sozusagen den Zorn der Inselgötter zugezogen und die Insel explodiert. Mit anderen Worten: Die Spieler haben verloren, die Insel gewonnen. Das ist eine kooperative Komponente bei Carcata. Sie kann überraschend schnell eintreten.

Das „reguläre“ Spielende ist erreicht, wenn ein Spieler auch seinen letzten Krieger (von 5 an der Zahl) verloren hat. Sein Stamm ist bei der großen Prüfung gescheitert, die überlebenden Stämme zählen und vergleichen ihre Punkte. Punkte gibt es auf mehrfache Weise. So sind die gesammelten Edelsteine unterschiedlich viel wert, 1 Diamant fünf Punkte, 1 Smaragd nur einen Punkt. Dann kommt es darauf an, auf welcher Ebene sich ein Krieger befindet: Eine Spielfigur am Strand, der tiefsten Ebene, bringt 1 Punkt, eine Spielfigur in Gipfelnähe, auf der sechsten Ebene 6 Punkte – mit jeder Stufe kommt 1 Punkt dazu. Es bedeutet unterm Strich, dass sich sehr oft zwei, drei Spieler zusammentun, um den dritten oder vierten buchstäblich abzuschießen. Vorzugsweise jenen, der weit oben steht und viele Punkte einheimsen würde. Und abschießen ist tatsächlich so gemeint: Wer „Ausbruch“ würfelt, zieht dafür jedes Mal einen Edelstein aus dem Beutel, gibt ihn in den Krater und dreht den Vulkan in die gewünschte Richtung, bevor der Edelstein durch Hebelwirkung ausgespuckt wird. Sehr zielgenau lässt sich dabei nicht operieren, aber einigermaßen. Und davon abgesehen: Es sind diese kleinen Elemente, die bei Carcata Freude bereiten. Nächstenliebe hin oder her.

Fazit

Roberto Fraga, einer der renommiertesten zeitgenössischen Spieleautoren, hat hier ein kunterbuntes Feuerwerk an Ideen zu einem Spiel zusammengefügt, das hohen Aufforderungscharakter hat (wegen seines Materials) und auf Familien großen Reiz ausübt (wegen seiner Möglichkeiten). Ob beide in Frage kommenden Siegbedingungen geglückt sind, sei dahingestellt. Sie passen jedenfalls nicht wirklich zusammen. Als Hausregel schlagen wir vor: Spielende ist, wenn die Schildkröte zweimal rund um die Insel gewandert ist, dann werden die Punkte gewertet. Auch wer vorher schon ausgeschieden ist, sollte mit seinen Edelsteinen noch gewertet werden.

Hintergrund

Die Vulkaninsel Carcata gab es tatsächlich. Auf einer Landkarte von Lucas Janszoon Waghenaer (etwa 1533/34–1605/06) wurde sie erstmals in der westlichen Welt erwähnt. Er nannte die Insel Pulo Carcata. Pulo ist dabei offenbar von einem indonesischen bzw. malaiischen Wort für Insel abgeleitet. Die heute gebräuchlichen Bezeichnungen sind Krakatoa oder Krakatau. Und das führt uns wiederum zum Ausbruch des gleichnamigen Vulkans 1883, der zu einer globalen Katastrophe geführt hat: Die Druckwelle der gigantischen Explosion umrundete die Erdkugel siebenmal und der Knall der finalen Explosion war in über 4800 km Entfernung noch zu hören. Die Insel in der Meeresenge zwischen Sumatra und Java wurde nahezu vollkommen zerstört.

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 Nochmals spielen?  

Eigentlich schon.

 Rund ums Spiel  

Das Rezensionsexemplar wurde von Goliath zur Verfügung gestellt

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