Spielwiese-Test 1427: Cascadia

Veröffentlicht in Spielwiese-Tests

Waldlauf zum Runterkommen

Für Kaskadien im Nordwesten Amerikas gilt was auch für andere noch weitgehend touristisch unerschlossene Gebirgszüge gilt: Hektik gibt es hier nicht (für Menschen zumindest) und es ist hier einfach schön. Das Kosmos-Spiel Cascadia kupfert das sozusagen ab.

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Nr. 1427: Cascadia | Spielwiese-Code  |  | G | 10 |  |


2022: Kosmos

 Was ist's? 
  • Legespiel für 1 bis 4 Spieler ab 10 Jahre
  • Autor: Randy Flynn
  • Grafik: Beth Sobel
  • Spieldauer: 30-60 Minuten
  • Verlag: Kosmos
  • ca.-Preis: 35,– €

 Für wen?  

  • Legespiel- und Naturfans

 Was braucht's?  

  • Gute Chancenabwägung

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 Die gute Nachricht  

So richtig schön zum Entschleunigen

 Die schlechte Nachricht  

Wartezeitengefahr


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Bären leben vorzugsweise als Paare, Bussarde sind Einzelgänger, Lachse brauchen einen "Weg" für ihre Wanderung …: Cascadia spielt im Tierreich der Kaskadenregion im Nordwesten Amerikas. Das Naturspiel erinnert aufs Erste etwas an Flügelschlag, auch weil die Illustratorin schon dort beteiligt war. Cascadia ist allerdings ganz anders.

Bild: Kosmos

 Rein ins Spiel!  

Alles ganz einfach. Landschaftsplättchen anlegen, hier Wildnisplättchen genannt, und ein abgebildetes Tier drauf stellen. Tiergruppen, -reihen und andere Tierkombinationen bringen am Ende Punkte. Fertig.

Nun, das stimmt schon. Mehr passiert bei Cascadia auch nicht. Zumal es keine Interaktion gibt, weil jeder für sich spielt. Als Gesamtpaket allerdings rangiert das Spiel weit oben in der Bewertungsskala. Es bietet nämlich erstaunliche Spieltiefe und -varianz.

Ein recht starker Glücksfaktor ist gegeben, doch da jeder Spieler 20 Mal an die Reihe kommt, sollten sich Glück und Pech bis zum Ende einer Partie schon ausgleichen. 20 Mal absolutes Pech hintereinander zu ereilen, das ist zwar theoretisch möglich, aber in der Praxis ebenso unwahrscheinlich wie 20 Mal hintereinander die optimale Auswahl an Landschaften, pardon: Wildnis und Tieren vorzufinden.

Wer an der Reihe ist, dem stehen in der Tischmitte stets vier Kombinationen, bestehend aus einem Wildnisplättchen und einem Tier, zur Auswahl. Will man unbedingt ein bestimmtes Wildnisplättchen und ein Tier, das bei einem anderen Wildnisplättchen liegt (oder umgekehrt), ist das möglich. Das kostet jedoch einen Zapfen einer Douglasie. Die sind rar. Im Gegensatz zu den Douglasien, oft verwechselt mit den Mammutbäumen, die im Nordwesten Amerikas häufig vorkommen. Wildnisplättchen und Tier werden bei sich (an-)gelegt, die Auslage am Tisch wird wieder auf vier Kombinationen aufgefüllt.

So geht’s ruhig dahin, es entstehen Wartezeiten, weil Hannah wieder so lange zum Nachdenken braucht. Aber irgendwann ist fertig gespielt, weil keine Wildnisplättchen mehr im Vorrat sind. Dann wird gewertet. Auch das ist auf den ersten Blick unspektakulär. Für jedes der fünf Tiere lag eine Wertungskarte offen aus. Beim ersten Mal sollte man der Empfehlung folgen und jeweils die „einfachste“, mit „A“ markierte Wertungskarte nehmen. Beim Bären ist es so. dass immer zwei benachbarte Bären Punkte bringen, und zwar exponentiell ansteigend von 4 Punkte für 1 Paar, bereits 11 Punkte für 2 Paare usw. Ähnliches gilt für die längste Kette an Lachsen, während Bussarde nur zählen, wenn sie allein durch die Lüfte schweben und keinen Artgenossen unmittelbar neben sich haben. Der Fuchs, ein schlauer Allesfresser, geht auf Nummer sicher: Er punktet am meisten, wenn eine Vielzahl verschiedener Tiere um ihn herum ist. In späteren Runden kann man andere und anspruchsvollere Wertungskarten für die einzelnen Tiere nehmen.

Punkte gibt es weiters dafür, wie vorausschauend jemand seine Wildnisplättchen arrangiert hat. Zusammenhängende Landschaften werden dabei bevorzugt. Auch dieses Wertungsdetail ist einfach abzuhandeln. So viel sei verraten bzw. gewarnt: Wer nur auf die Tiere schaut und auf die Zusammensetzung seiner Wildnis nicht achtet, kann unmöglich gewinnen. Die Mischung macht’s.

Damit sind wir auch bei der grundlegenden Botschaft der Macher dieses Spiels, die aus der Region Kaskadien stammen: Die Biodiversität dieses Lebensraumes ist einzigartig und erhaltenswert. Und da passt ein Regeldetail sehr gut dazu: Bevor ein Spieler ein Wildnisplättchen und ein Tier nehmen darf, muss die Auslage auf „Überbevölkerung“ überprüft werden. Vier gleiche Tiere, das geht gar nicht! Alle müssen ausgetauscht werden. Drei gleiche Tiere? Das geht ausnahmsweise gerade noch, der Spieler am Zug darf aber die drei gleichen austauschen, indem er aus dem Stoffbeutel neue zieht.

PS.:

Am Spielmaterial gibt es bis auf eine Ausnahme nichts zu mäkeln. Die Wertungskarten könnten etwas robuster sein. Doch schwerer wiegt die Haben-Seite: Die Wildnisplättchen sind von bester Güte und die Tier-Chips nicht nur aus Holz, sondern von vornherein bedruckt. Oftmals ist es ja so, dass für solches Spielmaterial ein Bogen beigelegt wird, aus dem dann die Spieler zuerst einmal Klebebildchen herauspulen und dann auf ein nacktes Stück aufkleben müssen. Danke Kosmos, dass ihr uns diese Arbeit hundert Mal erspart!

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 Nochmals spielen?  

Ja.

 Rund ums Spiel  

Das Rezensionsexemplar wurde von Kosmos zur Verfügung gestellt

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