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Spielwiese-Test 414: Canyon

Ein "neues" Brettspiel, das Kartenspieler bevorzugt

Eine Mischung aus Karten- und Laufspiel. Selten gelingt sie so gut wie bei Canyon.

Aus Spielwiese 44 (1997)

 

 

Canyon: Eine gelungene Grafik macht Stimmung auf den Wettlauf zum Ziel, der nicht mit Würfeln, sondern einem Kartenspiel entschieden wird.
 

 Irgendwie ist es ja toll in dieser verrückten Spielebranche: Die Chance, daß ein vergriffenes gutes Spiel irgendwann unter neuem Namen wieder auftaucht, sind groß. Das vorliegende war als Bid & Bluff in der legendären 3M-Reihe erschienen, als Spielen noch keine Massenbewebung war.

Mit Kanus versuchen die Spieler als erster den Canyon zu befahren und ins Ziel zu gelangen. Das Tempo bestimmt ein Kartenspiel, dessen Mechanismus man von Rage bzw. neuen Varianten wie Wizard und Double (Spielwiese 39) kennt. Die Stolpersteine des Spiels lauern bis zum Wasserfall vor allem in Form der Mitspieler, die einem im Weg stehen. In der Schlußphase im Bereich des Wasserfalls behindert die dort herrschende Strömung.

Soviel vorweg zum generellen Ablauf von Can­yon. Was braucht man nun dazu? Im Idealfall nur 28 Felder zwischen Start und Ziel. Auf dem Spielplan befindet sich außerdem ein Rundenzähler. Spielsteine braucht man, das ist klar, weiters noch je einen Kartensatz mit Tempokarten von 0 bis 4 sowie die 50 Spielkarten, die ausgeteilt werden. In der ersten Runde erhält jeder acht Karten, in der zweiten sieben, usw, bevor es ab der neunten Runde wieder jeweils eine Karte mehr als in der Runde zuvor gibt. Auf dem Rundenanzeiger hält ein kleiner schwarzer Stein das jeweils für jeden sichtbar fest.

Das Spiel

Zuerst muß jeder Spieler abschätzen, wieviele Stiche er mit seinen Karten, die er gerade erhalten hat, machen wird. Dafür werden die Tempokarten verwendet. Es gelten die üblichen Stichspiel-Regeln, eine Farbe ist jeweils Trumpf. Das Ha­- sardieren wird bevorzugt: wer nämlich die angesagte Stichzahl erreicht oder übertrifft, erhält Bonuspunkte. Je mehr Stiche ein Spieler ansagt, desto höher auch die Zahl seiner Bonuspunkte. Logisch, daß sich diese Rechnung nicht immer für alle Spieler aufgeht.

Die erreichte Anzahl von Stichen plus eventueller Bonuspunkte ergibt die Anzahl der Felder, die der betreffende Spieler mit seinem Kanu fahren kann. Da auf jedem Feld nur ein Kanu stehen darf, und Buchten und zwei Inseln einem noch den direkten Weg versperren, muß man immer wieder kleine Umwege in Kauf nehmen.

In der Praxis ist es jedoch so, daß zu einem Spieler, der anfangs davonzieht, die anderen in der "Wasserfall"-Phase meistens wieder einigermaßen aufschließen. Hier, in den letzen acht Feldreihen vor dem Ziel, wird das Tempo deutlich verlangsamt. Denn in diesem Bereich wird nicht mehr die Anzahl der erreichten Stiche im Kartenspiel gezogen, sondern nur noch der entsprechede Bonuszahl! Wer sein angesagtes Tempo nicht exakt erreicht, wird mit seinem Spielstein zu allem Unglück noch von der Strömung erfaßt und zieht bestenfalls seitwärts, oft aber auch rückwärts. Dieser Canyon hat also durchaus seine Tücken!

Fazit In den verschiedenen Testrunden zeigte sich eines deutlich: Wer nicht gerne Karten spielt, kann auch Canyon wenig abgewinnen. Die Kartenphase ist das Herz des Spieles. Geübte Kartenspieler, die sich merken, was "gegangen" ist, und die ihre Chancen besser einschätzen können als Gelegenheits-Kartenspieler, sind eindeutig bevorzugt. Vor allem in der Schlußphase, wenn nur noch mit einem Bonus aus dem Stichspiel das Fortkommen gesichert ist.

Doch das spricht nicht gegen Canyon, sondern eher dafür. Denn somit entscheidet nicht vorrangig das Kartenglück über Sieg oder Niederlage, sondern das Geschick, seine Karten gut einzusetzen. Wenn in einer Familie gejaßt, geschnapst oder sonstwie Karten gespielt wird, paßt Canyon auf jeden Fall.



 

 Nr. 414: Canyon

 

Spielwiese-Code  |   | G | 10 |

2007: Abacus

  • Laufspiel für 3 bis 6 Spieler ab 10 Jahre
  • Autor: Frederick A. Herschler
  • Verlag: Abacus-Spiele
  • ca.-Preis: 18,– €

   Themen: Wettlauf, Wasser, Schluchten

      Preis-Leistungsverhältnis   
      Spielmaterial 
      Wiederspielreiz        
      Anspruch
  
   Glücksanteil        

  • Zielgruppe: Familien, Kartenspieler
  • Spieldauer: 45 bis 60 Minuten
  • Spielmaterial und Schachtel: schöne Verpackung, schönes Material, aber ein bißchen dürftige Angaben auf der Box
  • Spielanleitung: gut
  • Anspruch: Taktik und gutes "Kartenspiel-Hirn"
  • Spielreiz: hoch
  • Glücksanteil: mäßig

 -Service:

Spielanleitung zum Herunterladen

Auszeichnungen

  • Nominierungsliste 1998
  • spiel gut


 

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