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Mit Worten punkten

Mattel/Alfred Mosher Butts: Scrabble©

Scrabble© gibt es in vielerlei Gestalt: Als Junior-Ausgabe, für die Reise oder als Spiel mit Karten. Hier die Sonderedition zum Millennium.

Design oder nicht sein. Das war schon damals die Frage, als ein Österreicher einem deutschen Spiel ein unverwechselbares Gesicht gab.

Kennen Sie jemanden, der es noch nie gespielt hat? Sie werden relativ wenige finden. Scrabble© ist das Buchstabenspiel schlechthin.

Das Wort-Spiel hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Scrabble© wechselte im Laufe der Jahrzehnte mehrfach seinen "Besitzer". Der amerikanische Konzern Coleco brachte es sogar fertig, mit dem Bestseller Bankrott zu gehen (siehe auch Daten & Fakten). Aber es dauerte schon eine geraume Zeit, bis der Erfinder des Spiels damit Erfolg hatte. Erfinder kann man in diesem Fall auch berechtigt sagen: Es war nicht nur eine Idee, es war eine Entwicklung, bei der Alfred Mosher Butts, ein amerikanischer Architekt (Bild unten rechts), nichts dem Zufall überließ. Die ausgeklügelte Abstimmung der einzelnen Komponenten gab den Ausschlag, dass Scrabble© so lange überlebte und noch heute als Nonplusultra unter den Buchstabenspielen angesehen wird. Denn das erfolgreiche Spiel fand zuhauf Nachahmer.

Butts, ein ruhiger Mensch, hatte für Spiele und die Sprache gleichermaßen ein Faible. Er mochte keine Würfelspiele – die waren ja nur Glücksache. Zusätzlich war er der Meinung, dass alle rein strategischen Spiele, wie etwa Schach, für die allgemeine Bevölkerung zu kompliziert waren. So machte er sich daran, ein Spiel zu erfinden, das halb Glücksache war und halb auf Können beruhte. Sein Ur-Scrabble© wurde noch ohne Brett gespielt. Die Spieler erhielten Punkte nach der Länge der gebildeten Wörter. Zusatzpunkte gab es für Wörter, welche die als "minor honours" (kleine Ehren) bezeichneten Buchstaben B, F, H, M, P, V, W, Y verwendeten, noch mehr Zusatzpunkte für die "major honours" (große Ehren) J, K, Q, X und Z.

Butts berechnete die Häufigkeit von Buchstaben und den Wert jeden Buchstabens des Alphabetes, indem er sorgfältig die Titelseite der "New York Times" analysierte. Schließlich war er der Meinung, dass ein zu häufiges "S" das Spiel zu einfach mache und reduzierte dessen Vorkommen im Spiel auf vier.

Eine solche auf die jeweilige Sprache angepasste Ausgewogenheit findet man bei allen Ausgaben rund um den Globus. Auch wenn dies den Spielern nicht bewusst ist, so ist es doch die Formel für den Erfolg. Ganz, wie Butts es geplant hatte: Eine Mischung aus Glück – das Ziehen aus dem Säckchen – und Können – das Optimum mit seinen Buchstaben auf dem Bänkchen zu erzielen. Zu leicht will es ja auch der Scrabble©-Spieler nicht haben: Den wahren Kick erlebt er nur, wenn er eine Herausforderung mit "unmöglichen" Buchstaben meistert. Und: Dieser Gedanke steckt auch bei allen Eltern irgendwo im Hinterkopf, die ihren Kindern Scrabble© "beibringen". Denn es ist "ja ein gutes Spiel, bei dem man etwas lernen kann".

Bis zur Meisterschaft kann man Scrabble© betreiben. Die erste WM fand trotzdem relativ spät statt, nämlich 1991 in London. Alfred M. Butts, der das alles ins Rollen brachte, durfte sich darüber noch freuen. Er starb zwei Jahre später im Alter von 93 Jahren.

Daten & Fakten

Das populärste Buchstabenspiel der Welt gibt es in nicht weniger als 121 Ländern zu erwerben. Bis heute wurden weit mehr als 100 Millionen Exemplare von Scrabble© in bisher 29 Sprachen verkauft.

Alfred Mosher Butts erfand das Spiel 1931. Er nannte es anfangs Lexico. Es war ihm damit allerdings zu Beginn kein Glück beschieden: Sein Antrag auf ein Patent wurde 1933 abgelehnt. Nach weiteren Rückschlägen kam der allmähliche Erfolg ab 1948, nachdem das Spiel unter dem neuen und heute noch verwendeten Namen am 1. Dezember endlich ein Patent erhielt und am 16. Dezember das Warenzeichen für Scrabble© eingetragen wurde.

1953 gewährte James Brunot, ein Freund Butts und dessen bisheriger Produzent, dem amerikanischen Spielehersteller Selchow an Righter eine Produktionslizenz. Im selben Jahr griff das Scrabble©-Fieber auf Australien über wurde das Spiel von J.W. Spear & Sons in Großbritannien eingeführt. Spears brachte es später auch als erste im deutschsprachigen Raum heraus.

Später war hierzulande das Spiel unter anderem bei Jumbo und ist seit einigen Jahren bei Mattel (kaufte 1994 J.W. Spear and Sons). 1986 wurde Selchow and Righter verkauft, der Käufer Coleco machte aber ein Jahr später prompt Konkurs. So kam es, dass Milton Bradley (MB) doch noch zu den Rechten für Scrabble© in den USA und Kanada kam. 53 Jahre zuvor hatte die Firma das Spiel abgelehnt.

Rund ums Spiel

 Ist ein Spiel dermaßen lange auf dem Markt und dazu noch so erfolgreich und Genre-bestimmend, gibt es natürlich auch jede Menge Außergewöhnliches Kurioses aus dem Umfeld zu berichten. Eine kleine Auswahl:

  • Im Herbst 2008 feiert Mattel den 60. Geburtstag von Scrabble nicht nur mit einer Jubiläumsausgabe, sondern auch mit der Herausgabe einer eigenen Duden-Edition (BIld rechts). Gibt es das Wort "TAKLER”? Lässt sich mit der Form "FLÖGET” punkten? Scrabble-Profis und solche, die es werden wollen, finden in dem Buch 120.000 Wörter und Wortformen der deutschen Sprache, die als sprachüblich gelten und gelegt werden dürfen. Der "Scrabble-Duden” versteht sich als der unbestechliche Schiedsrichter für alle Spielsituationen und Zweifelsfälle.
  • Unterwasser-Scrabble wurde am 12. Dezember 1995 an der Portsmouth University zugunsten von Kindern in Not gespielt. Dazu wurden Bretter mit einer Spezialbeschichtung und Spielsteine mit Bleigewichten verwendet. 
  • 1985 spielten Lieutenant Commander Waghorn und Lance Corporal Gill fünf Tage lang ununterbrochen Scrabble, als sie in einer Gletscherspalte in der Antarktis eingeschlossen waren. 
  • Es gibt tatsächlich eine Stadt namens Scrabble. Sie befindet sich in Berkeley County, im amerikanischen Bundesstaat West Virginia. Es gibt dort keinen Scrabble-Club!
  • Das Gattungswort Scrabble kommt aus dem Holländischen – schrabbelan bedeutet kratzen bzw. zerkratzen und ist unter Umständen über holländische Siedler in Nordamerika ins Amerikanische gekommen. 
  • Im Laufe der über sechzigjährigen Scrabble-Geschichte sind über 150 Millionen Spiele-Sets produziert worden.

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