MEINUNG. Spieler freut es, wenn Traditionelles durch ein neues Thema in die Gegenwart befördert wird. Nur spielbar sollte es halt auch noch sein.
Ich bin in Vorarlberg zuhause. Wenn hier Karten geklopft werden, dann wird traditionell gejasst. Jassen, ein variantenreiches Spiel, das auch in der Schweiz Nationalsportcharakter genießt, sowie im Schwäbischen, im Elsass und in Süditrol gespielt wird.
Zu den Eigenheiten der österreichischen Abart gehört, dass im Laufe der Geschichte zwei wesentliche Entwicklungen des Kartenspiels nicht mitgemacht wurden, wie mir Piatnik-Chef Dieter Strehl einmal erklärte. Zum Ersten handelt es sich um so genannte einfachdeutsche Karten, bei denen im Gegensatz zu den doppeldeutschen Karten das Bild auf der Karte nicht gespiegelt ist. Zum Zweiten sind die Werte nur einmal auf der Karte angegegben und nicht, wie längst üblich möglichst in allen vier Ecken.
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Oben das einfachdeutsche Blatt der österreichischen Jasskarten, unten die unspielbare einfachdeutsche Version des neuen Vorarlberg Museum. Bilder: Wikipedia, Die Spielwiese |
Das macht es für Fremde nicht unbedingt leicht, muss man sich doch das ganze Kartenblatt bildlich merken, um mit der aufgefächerten Kartenhand klar zu kommen. Die Vorteile doppeldeutscher Blätter liegen buchstäblich auf der Hand. Vorarlberger sind allerdings mit diesen Handicaps sozialisiiert worden.
Nun steht im Juni die Eröffnung des neuen Landesmuseums an, genannt Vorarlberg Museum, und zu diesem Anlass haben sich die Museumsmacher respektive deren Grafiker des traditionellen Spiels angenommen. Es gibt eine eigene Museumsedition des Jassens. Statt Königen, Unter, Ober, Sauen, Elefanten und anderen tradierten Bildern werden volkskundliche und antike Museumsschätze gezeigt. Statt Herz, Eichel, Laub und Schelle muss das Museumslogo in vier verschiedenen Farben herhalten.
Alles sehr "stylish" und minimalistisch.
Alles aber auch unbrauchbar.
Weil statt wie im Original die Motive nicht raumfüllend sondern ins Zentrum gerückt wurden, weiß man mit Blick auf die Kartenhand nie, ob man jetzt zum Beispiel eine Karte mit dem Wert 6, 7, 9 oder 10 in der Hand hält, ob eine Bildkarte nun ein Unter, ein König oder gar ein Ass ist. Nur drei (oder mehr?) Logos oder überhaupt nur weißer Raum!
Das Spiel ist für die Katz. Chance verpasst. In der Sammlung des Vorarlberg Museums sind die 36 Blatt gut aufgehoben, nicht aber im Museumsshop. Man darf gespannt sein, ob dort ein Warnhinweis angebracht wird: Achtung, unspielbar!
Arno Miller
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… alles gelassen zu nehmen.