17. JULI 2014
Der Preis der Mütter
-------------------------------------------------- ARNO
MILLER --------------------------------------------------
Der Blick ins Kleingedruckte entlarvt die Absicht, dass es hinter der einen oder anderen Publikumswahl von Spielen um Verkaufsförderung geht.
Langsam wird's unübersichtlich. Aus den verschiedensten Ecken und mit verschiedenstem Ansatz schießen Spieleauszeichnungen wie dei sprichwörtlichen Pilze aus dem Boden.
Da haben wir einmal die mehr oder weniger "nationalen" Spielepreise, wie Spielehits in Österreich oder ein jeweiliges "Spiel des Jahres" in zahlreichen Ländern. Das lässt sich noch leicht überblicken. Hinzu gesellen sich Auszeichnungen, die von Branchenverbänden (Handel, Hersteller etc.) vergeben werden, bei denen meist nicht der spielerische Wert des Produktes, sondern seine Vermarktbarkeit im Vordergrund stehen. Dann eine breite Palette an irgendwie privat motivierten Spieleauszeichnungen … und, und, und.
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«Dass da Geschäftsinteresse dahinter steht, ist klar. |
Amigo stieß mich heute durch seinen Newsletter auf einen weiteren Spielepreis, den Mommy Award. Also einen Preis der Mütter. Mütter stimmen seit 2010 darüber ab, ob sie ein Spiel gut finden und ob es ihren Kindern Spaß macht.
Ich finde Publikumspreise gut. Dazu stehe ich, auch wenn ich für einen anderen Preis (Spielgrafik-Auszeichnung Graf Ludo) in einer Jury werke. Publikumspreise spiegeln im Idealfall die Begeisterung von ganz normalen Konsumenten für ein Produkt wider. Und Begeisterung ist ansteckend.
Ein Preis des Publikums ist ein Verkaufsargument. Weshalb Amigo aktuell damit wirbt, 2014 sieben Mal für einen Mommy Award nominiert zu sein. Das sieht auf den ersten Blick völlig legitim aus. Ein Verlag freut sich.
Kritisch zu beäugen ist allerdings, wenn – und das trifft keineswegs nur für den Mommy Award zu! – das Publikum nur die Wahl unter Spielen hat, die deren Hersteller für sie ausgesucht, sprich nominiert haben. Dass da Geschäftsinteresse dahinter steht, ist klar. Vorausgesetzt, man hat’s durchschaut. Dass, um beim Beispiel zu bleiben, der Betreiber des Internetportals netmoms.de, der den Mommy Award organisiert, die Burda-Gruppe ist und von Partnern wie Toys'R'Us gesponsert wird. "Europas erstes Mütterportal", heißt es dort weiter, werde "in Zukunft viele tolle Werbelösungen für Kunden wie LEGO DUPLO, Penaten, NUK oder Philips Avent umsetzen". Oder: Dass die Wahl eigentlich ein verkapptes Gewinnspiel ist, das mit "Kooperationspartnern" durchgeführt wird, "die grundsätzlich die Preise für die Gewinnspiele zur Verfügung stellen (Preissponsor) …"
Wie schon gesagt, ich finde Publikumswahlen gut und halte sie für eine willkommene Bereicherung zu Preisen, die durch (fachkundige) Jurys veregben werden. Wer will, kann und soll mitwählen. Zuvor ins Kleingedruckte von Teilnahmebedingungen zu blicken, ist mitunter zwar hilfreich zur Einordnung, wie aussagekräftig und relevant eine Wahl tatsächlich ist. Das kann freilich nicht verlangt werden und wäre ohnehin eher ein Thema für die Medienerziehung.
Was denkst du darüber?

