Die Verlage überbieten sich seit heute auf den Spieltagen in Essesn einmal mehr mit einer Neuheitenflut, als ob es keine Finanzkrise gäbe. Sicher: Die neuen Spiele wurden auf Schiene gebracht, als Banker und ihre Kunden noch beruhigt schlafen konnten. Aber die sich abzuzeichnen beginnende Zurückhaltung der Konsumenten ist auch eine Chance für die Spielebranche.
Mit einem Anteil, der sich bis zum Jahresende voraussichtlich wieder zwischen 17 und 18 Prozent einpendeln wird, stellen Spiele und Puzzles erneut die umsatzstärkste Warengruppe auf dem Gesamtspielwarenmarkt.
Zwar gibt es auf der einen Seite einen Umsatzrückgang im Segment Kartenspiele, weil beim Trendthema Poker der Markt sehr schnell und nachhaltig gesättigt wurde. Auf der anderen halten Zuwächse bei Kinder- und kleineren (Reise-)Spielen das Markgeschehen in der Waage. Unterm Strich, verkündet die Fachgruppe Spiel, seien Spiele die "sicherste Bank" für den Spielwarenhandel.
Mit dieser Annahme dürften die Verleger über das gewohnte Marketinggeschreibsel hinaus richtig liegen. Sie könnten in Zeiten wie diesen sogar noch Einiges mehr herausholen. Aktuelle und ernst zu nehmende Untersuchungen besagen, dass angesichts der völlig außer Tritt geratenen Finanzwelt und der drohenden Rezession die Konsumenten ihren Gürtel enger schnallen werden.
Wie das zusammenpasst, ist einfach. Wenn größere private Investitionen verschoben werden und vor allem auch beim Ausgehen gespart wird, erlebt die Freizeitbeschäftigung in den vier Wänden zuhause einen Aufschwung. Dafür bietet sich das Spiel als vor allem auch beim Preis kaum zu schlagendes Angebot hervorragend an. Nach dem Trend zum gemeinsamen Kochen zuhaus der Trend zum anschließenden gemeinsamen Spielen mit Freunden. Warum nicht?
Arno Miller

