
Die Ansage kommt aus Großbritannien: Das Altersfreigabesystem von Computerspielen sei veraltet. Auf der Insel ist jedenfalls dieser Tage eine heftige Diskussion darüber entbrannt, was Kindern und Jugendlichen zuzumuten ist oder nicht bzw. über deren Spielverhalten. Eine Diskussion, die sich keineswegs auf Großbritannien beschränkt. Deshalb blickt die Spielwiese zwischendurch wieder einmal über den Tellerrand des Brettspielens.
Geplante Änderungen am Altersfreigabesystem von Computer- und Videospielen haben in Großbritannien zu einer breiten öffentlichen Auseinandersetzung mit dem Thema Gewalt in Spielen und Jugendschutz geführt. Im Mittelpunkt der zunehmenden Aufregung stehen dabei vor allem auch die umstrittene Frage der Zuständigkeit. Wie die BBC berichtet, sind die Auffassungen darüber, wer die Kontrolle über die Altersfreigabe von Videospielen ausüben soll, sehr unterschiedlich. So spricht sich etwa die britische Kulturministerin Margaret Hodge dafür aus, dass derartige Produkte nach demselben System gekennzeichnet werden sollen, wie es bereits seit längerem bei Filmen in Verwendung ist. Von Seiten der Games-Branche werden solche Pläne aber vehement abgelehnt. Sie tritt stattdessen dafür ein, dass das von der Videospielindustrie freiwillig eingeführte Pan European Game Information System (PEGI) zum offiziellen Standard erhoben wird.
"Das gegenwärtig geltende Altersfreigabe- und Klassifizierungssystem stammt aus einer Zeit, als die Videospielbranche noch in ihren Kinderschuhen steckte", stellt Hodge fest. Es müsse dringend eine Anpassung an den aktuellen Stand der Dinge erfahren. "Der Markt für Computer- und Videospiele ist dem System mittlerweile einfach über den Kopf gewachsen. Unsere Aufgabe ist es nun, über entsprechende Optionen nachzudenken, wie die Einstufung von Spielen wieder zweckmäßig und sachbezogen umgesetzt werden kann", erklärt Hodge. Die Regierung wolle in den nächsten paar Monaten verschiedene Vorschläge zur Verbesserung der Situation prüfen.
Unter anderem werde man dabei auch darüber nachdenken, ob das British Board of Film Classification (BBFC) künftig stärker in die Altersfreigabe von Videospielen miteinbezogen werden soll, so Hodge.
Industrie will unterschiedliche Kennzeichnung vermeiden
Dem derzeitigen System zufolge ist das BBFC hauptsächlich für die Altersfreigabe von Filmen zuständig. Nur in solchen Fällen, in denen bereits im Vorfeld erhebliche Bedenken bezüglich der Inhalte eines Spieltitels bestehen, kann der Behörde die Kompetenz der Festlegung einer altersbezogenen Freigabe von Computer- und Videospielen eingeräumt werden. Laut eigenen Angaben fallen rund drei Prozent der insgesamt in Großbritannien veröffentlichten Games unter diese Kategorie. "Wir hätten mit der anfallenden Extra-Arbeit jedenfalls kein Problem", betont ein BBFC-Sprecher gegenüber der BBC. Die Filmkontrollbehörde würde somit ihre Rolle lediglich um einen zusätzlichen Bereich erweitern.
Wir bevorzugen das von der Industrie unterstütze PEGI-System", meint Michael Rawlinson, Managing Director der Entertainment & Leisure Software Publishers Association (ELSPA): "Wir würden gerne zwei unterschiedliche Kennzeichnungen auf den Produkthüllen und somit eine mögliche Verwirrung bei den Käufern vermeiden und alle Spiele nach PEGI-Maßstab prüfen lassen."

