Stammt das neue Spiel des Jahres Dominion von jemandem, den es gar nicht gibt? Anders gefragt: Ist Donald X. Vaccarino wirklich existent oder doch nur ein Pseudonym? Und wenn ja, für wen? Die Spielwiese hat geforscht.
Von offizieller Seite wird beteuert, dass es den Herrn Donald X. Vaccarino wirklich gibt. Auffällig jedoch ist, dass selbst die offizielle Nachrichtenlage über den Autor von Dominion vergleichsweise äußerst dürftig ist. Zwar gibt es auch unter den Spieleautoren solche, die sehr scheu sind. Andererseits müsste ein Mensch, der laut offiziellem Lebenslauf schon so vieles in verschiedenen Bereichen geleistet hat, zumindest im Internet mehr Spuren hinterlassen haben als der besagte Donald X. Vaccarino.
So wird die Gerüchteküche auf einschlägigen Internetforen fast täglich neu beschickt, dass alles nur ein PR-Gag sei. Donald X. Vaccarino gebe es nicht, hinter dem Pseudonym stecke vielmehr Jay Tummelson. Oder Jay Tummelson mit Dale Yu und Valerie Putman. Oder auch in Kollaboration mit Bernd Brunnhofer. Oder nur Yu und Staton, oder
Das erste Bild ist aufgetaucht
Gestern ist immerhin das erste Bild von Donald X. Vaccarino aufgetaucht. Jay Tummelson, Chef von Rio Grande Games, wo Dominion in den USA erstmals veröffentlicht wurde, hat es einer amerikanischen Szenewebseite zum Beweis geschickt. Seither geht die Frage um: Wer hat diesen Mann schon einmal gesehen? Registrierte spielwiese.at-Leser können miträtseln, indem sie auf den neuen Autoren-Eintrag über Donald X. Vaccarino klicken.
Vaccarino kommt angeblich aus der EDV-Welt. Schon 1994 habe er allerdings die Delete-Taste seines bisherigen Programmierer-Lebens gedrückt, um sich ganz dem Spiel zu verschreiben, liest man in der offiziellen Pressemitteilung von Hans im Glück bzw. Vertriebspartner Schmidt zur Preisverleihung Spiel des Jahres 2009. Der 40-Jährige lebe heute in Kalifornien und habe bereits Dutzende von Spielen entwickelt, bei denen meist Karten eine Hauptrolle spielen. Auch das
bekannte Sammelkartenspiel Magic: The Gathering sei "eng mit dem Namen Vaccarino verbunden".
Die Idee zu Dominion sei ihm gekommen, als er ein Problem bei einem anderen Spiel lösen wollte, weil dort zu viele Karten im Spiel waren. Und irgendwann kamen dann Dale Yu und Valerie Putman ins Spiel, die die Dominion-Grundidee mit Vaccarino weiterentwickelt hätten.
Dass Putman und Yu zusammen mit Bernd Brunnhofer und Jay Tummelson in Berlin Ende Juni die Auszeichnung Spiel des Jahres in Empfang genommen haben, aber ausgerechnet der Autor fehlte, wirkte etwas komisch. Putman schreibt in ihrem Blog ganz nebenbei, dass Vaccarino das Flugzeug verpasst hätte.
Wie es der Zufall will
Zufall? Ausgerechnet ein Jahr, nachdem das schon dem Vorjahrspreisträger Reiner Knizia – nachweislich – passiert war, ebenfalls auf einer Flugverbindung USA-Berlin
?
Zufall, dass Vaccarino verdammt ähnlich wie Vacaria klingt? Das ist eine Stadt im brasilianischen Bundesstaat Rio Grande do Sul. Der Name des Dominion-Verlags Rio Grande Games bezieht sich zwar auf den Fluss in Nordamerika, aber die Namensgleichheit nährt natürlich Spekulationen. Auch, dass das "X" als zweiter Vorname eigentlich ja auch für "aus
(Rio Grande)" stehen könnte. Ach ja, und zur Vervollständigung diverser Theorien: Donald heißt "der Mächtige", Donald X. Vaccarino könnte also frei übersetzt "der Mächtige von Rio Grande" bedeuten.
Die Szene ist also beschäftigt, alle anderen dürfen sich über das "Versteckspiel" von Donald X. Vaccarino amüsieren. Für Aufmerksamkeit ist jedenfalls gesorgt.
Versteck- und Wortspielereien
Auch wenn es das neue Spiel des Jahres solche Spielchen gar nicht notwendig hätte, ganz neu ist die bewusste oder unbewusste Geheimniskrämerei denn auch wieder nicht.
2004 war Sankt Petersburg zum Spiel des Jahres nominiert. Der Autor ein gewisser Michael Tummelhofer. Rasch stellte sich dessen wahre Identität heraus: Bernd Brunnhofer, Chef des Verlags Hans im Glück, der für das Pseudonym seinen und den Namen von Jay Tummelson und Michael Bruinsma zusammenwürfelte. Jay Tummelson von Rio Grande kennen wir bereits: So wie Brunnhofer Rio Grandes Dominion im deutschsprachigen Raum vertreibt und umgekehrt Tummelson in den USA die Hans im Glück-Spiele, ist Michael Bruinsma der Schlüssel zu den Niederlanden: Sein Verlag 999Games bringt Hans im Glück-Spiele ebenso wie – erraten! – Dominion den Holländern näher.
Lesen Sie dazu den neuen Beitrag: Exklusiv: Dominion-Autor im Gespräch
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