GEBURTSTAG. Wenn sich seit den späten 70ern etwas tat, was das Kulturgut Spiel zu dem gemacht hat, was es heute ist, war er sehr oft mit dabei. Urgestein Dr. Bernward Thole feiert heute seinen 75. Geburtstag. Die Spielwiese gratuliert herzlich!
Wir schreiben das Jahr 1978. Jochen Corts, Harald Fritz, Walter Luc Haas, Dieter Hasselblatt, Jürgen Herz, Tom Werneck und Bernward Thole – das waren die sieben Spielbegeisterten, die sich für die damals wagemutige Idee einer Jury zsuammenschlossen: Jedes Jahr sollte das beste neue Gesellschaftsspiel gekürt werden. Der Akademische Oberrat an der Universität Marburg mit dem Schwerpunkt Medienwissenschaft brachte sozusagen den wissenschaftlichen Input, sich dem Kulturgut Spiel in neuer Form anzunehmen.
Von Beginn an war ihm klar, soll der Stellenwert des Spielens gehoben und unwiderbringlich verankert werden, braucht es zur Unterfütterung dieser Vision die systematische Aufarbeitung und Dokumentation. 1985 gründete Thole das Deutsche Spiele-Archiv in Marburg. Finanziert wurde diese Einrichtung aus Mitteln der Jury, die unter dem Vorsitz von Thole eine Lizenzgebühr zur Führung des Logos "Spiel des Jahres" von den jeweiligen Preisträgern einführte. Das hat Thole nicht nur Freunde gebracht. Immer wieder kriselte es auch innerhalb der Jury, trafen hier doch sehr unterschiedliche Charaktere zusammen. Bis 2007 leitete er die Geschäftsstelle der Jury in Marburg. Dass Bernward Thole bis dato Ehrenvorsitzender der Jury ist, täuscht nicht über das gespannte Verhältnis hinweg.
Das Deutsche Spiele-Archiv, quasi das Lebenswerk Tholes, kämpfte ums Überleben, als sich der Verein "Spiel des Jahres e.V." vor einigen Jahren von der Finanzierung der Einrichtung verabschiedete. Nach langwierigen Verhandlungen fand eine der weltweit größten Sammlungen an Spielen und Spieleliteratur unter dem Dach der Museen der Stadt Nürnberg Anfang dieses Jahres ein neues Zuhause.
Vom Spiel wird Bernward Thole nie loskommen. 2010 gründete er in Marburg den Verein „Die Spielebrücke e.V.“, der sich den "spielerischen" Brückenschlag zwischen Generationen und Kulturen zum Ziel gesetzt hat. Ein noch zartes Pflänzlein, dessen Entwicklung ungewiss ist. Aber wer konnte beispielsweise ahnen, dass mit der ersten Preisverleihung für ein "Spiel des Jahres" 1979 an Hase und Igel die weltweit bedeutendste Spieleauszeichnung hervorgehen sollte, oder dass mit dem damit verbundenen Spieleabend in der Volkshochschule in Essen der indirekte Grundstein für die größte Spieleveranstaltung, die Internationalen Spieltage gelegt wurde? Dass es ausgerechnet Essen war, war ein politischer Wunsch, dem Thole und die damaligen Mitstreiter nachkamen: die deutsche Familienmisterin Antje Huber hatte die Schirmherrschaft über die Preisverleihung übernommen, wenn denn die Preisverleihung in ihrem Wahlkreis – der Ruhrmetropole Essen – stattfände.
Neuere deutsche Literatur, Theater- und Medienwissenschaft waren Bernward Tholes Fachgebiete an der Philipps-Universität Marburg. Zum Medium Spiel veranstaltete er dort eine Reihe von Seminaren. Mit der Spielekritik hatte Thole 1973 in der „Zeit“ begonnen, danach schrieb er Spielekolumnen u.a. für die „Frankfurter Rundschau“, die „Hessisch-Niedersächsische Allgemeine“ und die „Oberhessische Presse“ sowie zahlreiche Spielebücher, Aufsätze zur Spieltheorie und Spielpädagogik.
In Anerkennung seines Einsatzes für die Sache des Spiels erhielt Bernward Thole bereits 1997 den Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland. 2006 wurde ihm anlässlich seines 70. Geburtstages in Würdigung seines herausragenden ehrenamtlichen Engagements die Goldene Ehrennadel der Stadt Marburg verliehen. Er ist auch Ehrenmitglied der Spieleautoren-Zunft.
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