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Spielwiese-Test 1088: Kamisado

Die Farbe macht's

Peter Burleys Kamisado konkurriert mit fünf anderen Spielen 2011 um die Gunst, von der Mensa Deutschland ausgezeichnet zu werden. Natürlich ist das Spiel Stoff fürs Gehirn, aber man muss beileibe keine Intelligenzbestie sein.

 

 Wer abstrakte Zweipersonenspiele mag, der ist bei Kamisado goldrichtig. Und bekommt im Gegensatz zu den meisten Spielen dieses Genres noch außergewöhnliches Spielmaterial anstelle von Pappe und flachen Spielsteinen dazu.

Jeder Drachenturm hat oben ein Schriftzeichen als farbiges Symbol.  
   

Nun, ohne flaches Pappspielbrett kommt auch Kamisado nicht aus. Das ist aber fast schon riesig und sehr sehr bunt. Was seinen Grund hat. Dazu gleich. Die achteckigen Spielsteine wiederum sind groß und verhältnismäßig schwer. "Wertig" würde der Marketing-Mensch dazu sagen. Die Spieler spielen mit ihren weißen bzw. schwarzen Steinen. Das ist nur die grundsätzliche Unterscheidung, denn wichtiger ist, dass an der Spitze jedes Spielsteins sich auch noch ein chinesisches Schriftzeichen in einer bestimmten Farbe befindet. Ziel des Spiels ist es, einen seiner Steine – von Autor und Verlag Drachentürme genannt – auf die gegenüberliegende Grundlinie des Gegners zu bringen.

Einfach, aber ungewohnt

Die Grundregeln sind einfach und ungewohnt zugleich. Bei Kamisado zwingt nämlich der eine Spieler den anderen, mit welchem seiner Drachentürme er als nächtstes ziehen muss. Ein Beispiel zur Verdeutlichung: Endet der Zug von Schwarz auf einem roten Feld, muss Weiß nun seinen Drachenturm mit dem roten Schriftzeichen bewegen. Züge sind nur gerade oder diagonal nach vorne erlaubt, und alle Felder müssen leer sein, über die gezogen wird. 

Wie beim Schach hat das Spielfeld 64 Felder und es gibt jeweils acht Drachentürme pro Spieler. Da jedoch nicht geschlagen wird, wird das Spielfeld rasch ziemlich voll und es ergeben sich dadurch nicht immer sinnvolle Züge. Sehr schnell kommt es zu Blockaden. Da Zugzwang herrscht und ein Drachenturm mindestens ein Feld weit gezogen werden muss, schaffen es geschickte Spieler, den Gegner zum zwischenzeitlichen Aussetzen zu zwingen.

Gegner in Zugzwang bringen

Grundaufstellung von Kamisado.

 
   

Der große Unterschied zu vielen anderen Dame-Variationen ist aber, dass bei Kamisado umgedacht werden muss. Das braucht etwas Übung, bis man wirklich verinnerlicht hat, dass die Farbe des Endfeldes eines Zugs dem Gegner Gutes wie Schlechtes aufzwingen kann. Und am Anfang legt man sich fast hundertprozentig auch das eine oder andere Ei. Die "Kunst" besteht darin, sich eine freie Linie auf die gegnerische Grundlinie zu verschaffen. Dazu müssen die gegnerischen Drachentürme erst einmal a) von dort weggelockt werden und b) ein eigener Spielstein in Position gebracht werden.

Doch ob der eigene Drachenturm mit "freier Sicht" auf die gegnerische Grundlinie dann auch bewegt werden kann, das entscheidet man ja nicht selbst! Man muss also versuchen, den Gegner dazu zu zwingen. Oder, was bei Anfängern natürlich der Fall ist: man übersieht bei einem Zug, dass dieser dem anderen den entscheidenden Schlag ermöglicht. Was selbstverständlich auch umgekehrt gilt.

Kamisado erfordert einen guten Überblick und Vorstellungsvermögen. Wer mit Farbenblindheit Probleme hat, für den ist das Spiel nur bedingt tauglich. Zwar sind auf der einen Seite des Spielplans alle Farbfelder zusätzlich mit den entsprechenden Schriftzeichen für die Farben versehen, aber das erfordert dann für Nicht-Chinesen schon höchste Konzentration. 

Das bunte Spielfeld macht neugierig

Schon der optische Eindruck hat gereicht, auch einige Spielmuffel zu einer Partie Kamisado zu bewegen. Vom ungewohnten Spielmechanismus waren die meisten dann auch angetan. Die Mensa, die Vereinigung intelligenter Menschen, ist zurecht auf Kamisado aufmerksam geworden. Hier darf man mit der Aufgabe wachsen! Gespielt wird beliebig lange. Huch empfiehlt für den Beginn so viele Partien, bis einer der Spieler drei Punkte erreicht hat (einen Punkt für den Gewinn einer Partie). Das ist in einer halben Stunde zu schaffen. Später kann man sich auf eine höhere Punktezahl einigen.

In weiterführenden Varianten kommen noch Sumo-Ringe hinzu. Den kleinen transparenten Marker legt man auf den Drachenturm, der die gegnerische Grundlinie erreicht hat. In der nächsten Partie darf dieser Drachenturm dann auch gegnerische Drachentürme vor sich herschieben. Doch das ist dann bereits für fortgeschrittene Kamisado-Spieler …

 Nr. 1088: Kamisado

 

Spielwiese-Code |     | G | 10 |


2010: Huch and friends

  • Strategiespiel für 2 Spieler ab 10 Jahre
  • Autor: Peter Burley
  • Verlag: Huch and friends
  • ca.-Preis: 20,– €

   Themen: Türme

      Preis-Leistungsverhältnis   
      Spielmaterial 
      Wiederspielreiz
      Anspruch
  
   Glücksanteil

  • Zielgruppe: Erwachsene, Familien, Fans von Zweipersonenspielen
  • Spieldauer: 20 bis 60 Minuten, je nach Varianten und gemeinsam festgelegter Siegbedingung (Punkteanzahl)
  • Schachtelinfo: da auf der Schachtel ein Bild des Spielplans oder einer Spielsituation fehlt, machen die Angaben relativ wenig Sinn
  • Spielmaterial: sehr gut, abgesehen davon, dass Farbenblinde enorme Probleme haben – der alternative Speilplan mit den Schriftzeichen ist lobenswert, bleibt jedoch eine Krücke
  • Spielanleitung: gut, logisch aufgebaut, sehr klein gedruckte Schrift. Das ebenfalls beigelegte Heft mit Zugbeispielen ist vorbildlich
  • Anspruch: Überblick und Vorstellungsvermögen
  • Spielreiz: sehr hoch, selbst Spielmuffel konnte Kamisado überzeugen
  • Glücksanteil: ohne Relevanz, weil von eigenen Entscheidungen abhängig

 -Service:

Auszeichnungen

  • spiel gut
  • Unter anderem schaffte es das Brettspiel in das Finale des „International Gamers Award 2009“ und erhielt in Großbritannien die Auszeichnung „Best new abstract game 2009“.

Rund ums Spiel

  • Im Frühjahr 2016 erscheint das Spiel auch als App
  • Der Name kommt aus dem Spanischen (Camisado) und steht für einen Angriff im Morgengrauen
  • Größter Erfolg des britischen Autors ist bisher das Legespiel Take it easy (siehe Spielwiese 26) von Ravensburger bzw. ursprünglich F.X. Schmid



 



 

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