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Spielwiese-Test 1156: Mensch ärgere Dich nicht – Das Kartenspiel

Weit hergeholt, dennoch …

Ein Marketing-Gag entpuppt sich als amüsantes Spiel, das sich in den Betrachtungen der Spieler verselbständigt. 

 

 

Es sind nicht zuletzt die witzigen Illustrationen von Anne Pätzke, die den Reiz von Mensch ärgere Dich nicht – Das Kartesnpiel ausmachen: Der klassische Pöppel in allerlei Gewand.

 

 Mensch ärgere Dich nicht ist der deutsche Spieleklassiker. 2014 feierte er seinen 100. Geburtstag, die Spielwiese widmete dem Jubiläum einen breiten Info-Hintergrund. Zum Anlass brachte Schmidt mehrere neue Spiele unter der bekannten Marke heraus. Darunter Mensch ärgere Dich nicht – Das Kartenspiel. Achtung: Trotz gleichen Namens ist es ein völlig anderes Spiel als jenes von 1999 (vergriffen).

Vorweg: Der Name ist auch dieses Mal weit hergeholt. Mit dem Würfelspiel hat es spieltechnisch rein gar nichts zu tun. Weshalb geht es aber dennoch unter der Marke durch?

Der legendäre Umriss

Das hat mit dem zentralen Element des Laufspiels zu tun, dem Pöppel. Andernorts auch Männle oder Kegel genannt. Der klassische Spielstein von Mensch ärgere Dich nicht wurde im Laufe der Zeit zum Synonym für Brettspiele, wenn nicht sogar für Gesellschaftsspiele überhaupt. Den Umriss kennzeichnet beispielsweise auch das Logo der Auszeichnung Spiel des Jahres.

Also. Es gibt 40 Karten (eigentlich 50, aber zehn davon sind doppelt), die genau diesen Pöppel in „vermenschlichter“ Form zeigen. Die Illustratorin Anne Pätzke hat dafür dem Pöppel Kleider angezogen und ihm verschiedene Gesichter gegeben. Gesichter bzw. Figuren, die wir alle kennen. Da finden wir Dracula, Biene Maja, Frankensteins Monster, den Indianer, eine wehrhafte Helvetia, Zorro, Robin Hood, die Freiheitsstatue, einen Raumfahrer … ein bunter Streifzug durch Geschichte und Kultur. Originell!

Aber auch mit dem Kartenspiel selbst haben die Figuren nichts zu tun. Es ist einfach nur eine hübsch und liebenswert umgesetzte Idee.

Jetzt ist aber wirklich Zeit, über das eigentliche Spiel Worte zu verlieren. Ein Kartenspiel, ein sehr abstraktes noch dazu, was den Mechanismus angeht. Den haben zwei absolute Könner, nämlich die mehrfachen Preisträger von Spiel des Jahres Wolfgang Kramer und Michael Kiesling ersonnen. Die Spieler nehmen sich aus der Auslage der Karten (Pöppel-Illustrationen) von 1 bis 40 nacheinander Karten und bilden damit Reihen. Ziel ist es, genau die Karte 40 zu erreichen und eine Wertung auszulösen.

Dazu braucht es Würfel, möchte man meinen. Nur sind es keine Würfel, sondern Karten mit Würfelaugen. Jeweils zwei Karten stehen pro Runde zur Verfügung, die Hand wird anschließend wieder ergänzt. Es gibt im Prinzip drei Möglichkeiten:

  • Man spielt eine Würfelkarte aus, nimmt sich die Pöppel-Karte mit dem entsprechenden Wert und beginnt damit die erste eigene Reihe. Um Reihen zu verlängern, wird der Wert der letzten Karte mit einer Würfelkarte addiert – die Summe ergibt die nächste Karte, die man aus der Auslage nimmt. Man tastet sich also immer schrittweise an die Zahlenkarte 40 heran. Um sie zu ergattern, benötigt man die passende Würfelkarte. Das ist meistens ein beinharter Wettlauf zwischen zwei Spielern, die auf die passende, auf 40 ergänzende Würfelkarte warten, oft mit einem Hin und her, das aus der dritten Möglichkeit resultiert (s.u.)
  • Man spielt beide Würfelkarten auf einmal aus und beginnt eine neue Reihe.
  • Irgendwann liegt eine gewünschte Zahlenkarte nicht mehr in der Auslage. Dann klaut man sie einem Mitspieler, der sie bereits für eine seiner Reihen verwendet hat. Mensch ärgere dich nicht!

Großes Kompliment

Es war bisher noch immer so, dass die Spieler nicht nach der Achtzehn oder Zweiunddreißig griffen, sondern "Ich hol mir jetzt den Ritter" mitteilten oder hämisch riefen: "Jetzt rückst du deinen Dracula rüber! Ätsch!" Ein schöneres Kompliment für die Gestalterin kann es nicht geben, als wenn abstrakte Zahlenwerte von den Spielern dermaßen mit Leben erfüllt werden. Hierin liegt auch ein großer Teil des Reizes von Mensch ärgere Dich nicht – Das Kartenspiel.

Dass bei Erreichen der 40 – der Pöppel kommt in Gestalt des siegreichen Marathonläufers – jede Karte der Reihe einen Punkt zählt und manche Karten noch durch Sternchen Sonderpunkte bringen, wird (fast) zur Nebensache dieses flotten und sehr amüsanten Kartenspiels.

 

 Nr. 1156: Mensch ärgere Dich nicht – Das Kartenspiel

 

Spielwiese-Code |     | E | 8 |


2014: Schmidt

   Themen: Spielklassiker, Charaktere

      Preis-Leistungsverhältnis   
      Spielmaterial 
      Wiederspielreiz
      Anspruch
      Glücksanteil 

  • Zielgruppe: Familien, Mensch-ärgere-Dich-nicht-Fans
  • Spieldauer: 30 Minuten
  • Schachtelinfo: gaukelt vor, es hätte etwas mit dem "beliebten Klassiker" zu tun
  • Spielmaterial: sehr originell illustriert
  • Spielanleitung: gut
  • Anspruch: kein besonderer
  • Spielreiz: hoch, was an den besagten Charakteren liegt, die sich hier auf den Karten tummeln
  • Glücksanteil: sehr hoch

 -Service:

Auszeichnungen

  • Graf Ludo Auwahlliste Familienspiele 2014

Rund ums Spiel

  • Nicht identisch mit dem gleichnamigen Spiel von 1999

 


Das Rezensionsexemplar wurde von Schmidt zur Verfügung gestellt




 



 

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