• 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9

Spielwiese-Test 1195: Werwölfe – Vollmondnacht

Frust mit App

Menschen können sich in Wölfe verwandeln, kündet die Sage. Bei Werwölfe – Vollmondnacht hat sich das ursprüngliche Kooperationsspiel in ein Bluffspiel verwandelt.

 

 Nr. 1195: Werwölfe – Vollmondnacht Spielwiese-Code  |     |  G  |  9  |     | 


2016: Ravensburger


2014: Bezier Games

 Was ist's? 

  • Bluffspiel für 3 bis 10 Spieler ab 9 Jahre
  • Autor: Ted Alspach, Akihisa Okui
  • Grafik: Gus Batts
  • Spieldauer: 10 bis 15 Minuten
  • Verlag: Ravensburger
  • ca.-Preis: 13,– €

 Für wen? 

  • Größere Runden, die sich auf ein Entlarvungsspiel einlassen wollen.

 Was braucht's? 

  • Blindes Vertrauen. Buchstäblich.

 

 
 

Wie alle Werwolf-Spiele kommt auch dieses mit wenig Spielmaterial aus. Es gibt Rollenkarten.

Bild: Ravensburger

   

 Die gute Nachricht 

Das Spiel ist zumindest eine Abwechslung und die Rollenkarten sind dick und schön.

 Die schlechte Nachricht 

Die App ist sehr unbefriedigend.


 Rein ins Spiel!  

Eine laue Nacht auf der Terrasse. Der Junior (20) hat seine Bande zu Besuch. Das Spiel ist eine Chance, die Halberwachsenen von ihren Computerspielen fortzulocken. Werwölfe-Spiel? Ja, kenn ich. Cool! Sagt die eine Hälfte. Die andere Hälfte hat „keinen Bock“ auf „normale“ Spiele, lässt sich aber neugierig von den Altersgenossen überreden. Ein Spiel mit einer App? Cool.

Ideale Voraussetzungen, um Werwölfe – Vollmondnacht auszuprobieren.

Was folgt, ist Ernüchterung. Irgendwie hat Ravensburger nicht verstanden, was man mit Apps anstellen kann. Doch der Reihe nach.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Spielen nach dem Maß von Die Werwölfe von Düsterwald handelt es sich hier nicht um ein Kooperationsspiel. Hier helfen sich nicht (vermeintliche) Dorfbewohner, die Werwölfe zu entlarven und das Dorf zu retten beziehungsweise als Werwölfe die Dorfbewohner in die Irre zu führen, um sie schließlich zu töten. Es gibt nicht mehrere Runden, die allmählich zur Erhellung führen. Es gibt nur eine einzige Runde. Das, könnte man sagen, ist eine Gelegenheit, das Spielprinzip der Werwölfe-Spiele kennen zu lernen. Ist es aber nicht. Denn streng genommen ist es sogar ein Glücksspiel. Weil bei Werwölfe – Vollmondnacht unterm Spiel auch Rollen vertauscht werden, kann man sich bei der Abstimmung nicht sicher sein, welchem Lager man selbst angehört.

Das mag Nicht-Kennern Spaß bereiten. Werwölfe-Fans fehlt das prickelnde Feeling dieses Spiele-Genres. Nun aber zu dem, was wirklich Ratlosigkeit, Ärger und ungläubiges Kopfschütteln hinterlässt.

Es gibt keine wirkliche Erklärung. Weder im physischen Spiel, also in der gedruckten Spielanleitung, steht Näheres, was man als Neuling tun kann und soll. Noch liefert die App Hinweise, wie man startet oder was es für ein funktionierendes Spiel braucht. Hilfreich wäre es, würde mit den Möglichkeiten einer App erklärt, worum es geht und sie dabei die passende Atmosphäre schaffen und fürs beabsichtige Spielgefühl, bei Tagesanbruch, mit ein paar Sätzen die Stimmung anheizen. Es wäre ein Leichtes gewesen, da und dort noch ein paar gesprochene Sätze hinzuzufügen. Mit King Arthur und Die Insel hätte Ravensburger einschlägige Erfahrung im Gepäck gehabt. So wird das erste Spiel mit App zu Frustpartie. Denn: Wer – und vor allem: welcher junge, App-erfahrene Mensch – tippt zuerst einmal den Hilfe-Button an, um Grundsätzliches zu erfahren. Was ohnehin dürftig ist. So kommt’s, wie’s kommen muss.

Als eigentlich recht erfahrener Werwolf-Spiele-Moderator hält der Autor dieser Zeilen das Smartphone in der Hand, startet die App und schaut, wie’s so läuft.

Gar nicht.

Die Zeit, die den einzelnen Rollen blieb, war zu kurz. Außerdem, egal welche Einstellung man aus dieser Erkenntnis heraus auch ändert: Es fehlen ein paar wichtige Sekunden Übergangszeit zwischen dem Aufrufen der einzelnen Rollen, also zwischen „Augen schließen“ und „Mach die Augen auf …“. Gut sind die unterschiedlichen Hintergrund-Sounds, die man auswählen kann. Da ist es aber auch schon. Alles andere muss man sich mit Trial-and-error zuerst einmal erarbeiten. Dass man die Zeit realistisch einstellen muss, die den einzelnen Rollen von der App gegeben wird. Das hängt wiederum sehr stark davon ab, wo man spielt. Rund um einen Tisch? Um einen großen Tisch? Ohne Tisch, im Sitzkreis? Im Sitzkreis, aber mit einem Tisch? Denn die verschiedenen aufgerufenen Rollen brauchen Zeit und Raum, Karten von Mitspielern anzusehen oder auszutauschen und dabei möglichst behutsam und geräuschlos vorzugehen.

Von alledem findet sich weder ein schriftliches noch gesprochenes Wort. Ravensburger ging offensichtlich davon aus, dass jeder Käufer schon einmal eines der vielen anderen Werwolf-Spiele gespielt hat. Eine sehr gewagte Annahme und unweigerlich ein Fußtritt für jeden Käufer, der keine Ahnung mitbringt.

Fazit: In dieser Form bleibt Werwölfe – Vollmondnacht ein glücksabhängiges Ratespiel, ist aber definitiv kein echtes Werwolf-Spiel.

 Nochmals spielen? 

Wir haben aus (wessen?) Fehlern gelernt und weitere Anläufe genommen. Geht ja schnell. Beim letzten Mal haben wir auf die App ganz verzichtet. Ihr Mehrwert ist überschaubar. 

 Rund ums Spiel 

  • 2022 erscheint das darauf basierende bei Ravensburger
  • Warum die Jury Spiel des Jahres das Original 2015 auf die Empfehlungsliste setzte, bleibt ihr Rätsel.
  • Spielanleitung zum Herunterladen

Das Rezensionsexemplar wurde von Ravensburger zur Verfügung gestellt

Drucken E-Mail

Selbstverständlich erfüllt diese Website die Pflicht zum Hinweis auf den Einsatz von Cookies. Durch Cookies können Internetseiten nutzerfreundlicher, effektiv und sicherer gemacht werden. Durch die Nutzung dieser Website erklärst du dich damit einverstanden, dass sie Cookies verwendet. .