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Spielwiese-Test 1317: Calavera

Dem Tod von der Schaufel springen

Es ist ja nicht so, dass Mangel an Schreibspielen, konkret an sogenannte Roll-and-write’s bestehen würde. Calavera von Moses sticht dabei positiv hervor.

 

Nr. 1317: Calavera | Spielwiese-Code  |  | E | 8 |  |


2019: Moses

 Was ist's? 
  • Würfelspiel für 2 bis 4 Spieler ab 8 Jahre
  • Autor: Klaus-Jürgen Wrede
  • Grafik: Kreativbunker
  • Spieldauer: 20 Minuten
  • Verlag: Moses
  • ca.-Preis: 10,– €

 Für wen?  

  • Würfler und alle auf der Suche nach schnellen, spannenden Spielen

 Was braucht's?  

  • Würfelglück und Risiko
 

 

 
  Ab der ersten senkrechten Bonuslinie und dann vor allem im gelben Bereich gibt es Punkte. In den letzten drei Spalten droht sozusagen die "Todeszone".

Bild: spielwiese.at

   

 Die gute Nachricht  

Hier sind auch die Mitspieler immer eingebunden

 Die schlechte Nachricht  

Es gibt keine


 Rein ins Spiel!  

Schon die Schachtel macht neugierig und ist ein kleines Schatzkästchen der Fertigung. Calavera erschien in der Linie von Moses, die quasi in der Schublade daherkommt. Rundumschachtel und der Schuber aus sehr dickem, geschmeidigem Karton, innen nochmals stimmig bedruckt und praktisch unterteilt, von außen ein kleines illustratorisches Meisterwerk, das verschiedene Anleihen bei der mexikanischen Kultur und der Popkultur (erinnert es dich nicht an bestimmte Plattencover?) nimmt. Calavera ist das spanische Wort für Totenkopf und die Mexikaner feiern Anfang November jedes Jahr den "Dia de los Muertos", den Tag der Toten mit einem bunten lebensbejahenden Fest, bei dem Totenköpfe im Mittelpunkt stehen.

Was hat das alles mit dem Spiel zu tun? Auch bei Calavera wird versucht, den Tod nicht allzu ernst zu nehmen und rechtzeitig die Kurve vor dem Sensenmann zu kratzen. Untermalt, sozusagen, mit der Symbolik des Calavera-Fests. Dass dabei zwar reihum gewürfelt wird, aber auch die Mitspieler immer eingebunden sind und mitfiebern, ist ein großes Plus dieses kleinen Spiels.

Sechs Würfel, ein Schreibblock. Das ist’s. Für jede der vier Farben steht jedem Spieler auf seinem Schreibblatt eine Zeile zur Verfügung. Die Würfel zeigen neben diesen vier Farben noch jeweils einen Totenkopf und eine Rose. Sie ist das Joker-Symbol.

Nach jedem Wurf entscheidet sich der aktive Spieler für eine Farbe und kreuzt von links an entsprechend viele Felder in der Farbzeile an. Man darf seinen ersten Wurf bis zu zweimal aufbessern. Soweit, so normal. Doch natürlich hat auch dieses Schreibspiel seine Besonderheiten. So gibt es nach jeder dritten Spalte eine rote Bonuslinie. Wer sie erreicht, kassiert Punkte – der Erste mehr als die folgenden Spieler.

Eine zentrale Rolle spielen aber die Calaveras, die Totenköpfe auf den Würfeln. Calaveras dürfen 1. nicht noch einmal gewürfelt werden, 2. kommen damit auch die Mitspieler ins Spiel:

  • Ein oder zwei Calaveras: Der aktive Spieler entscheidet sich für eine der Farben oder die Joker und die anderen Spieler müssen, ob sie wollen oder nicht!, eine Farbe bei sich abkreuzen. Welche es ist, ist egal, solange es nicht dieselbe ist, die der aktive Spieler gewählt hat.
  • Drei oder mehr Calaveras: Der aktive Spieler geht völlig leer aus, dafür müssen die Mitspieler dieses Würfelergebnis verwenden. Sie haben keine andere Wahl.

Man ist als Calavera-Spieler somit ständig auch in einer Schicksalsgemeinschaft. Mitziehen zu müssen, das wirkt sich gegen Ende des Spiels oft als fatal aus. Zuerst steigen die zu gewinnenden Punkte an, dann geht auf den letzten drei Feldern einer Zeile  rapide abwärts: Nach 10 Punkten (Maximum) folgen 4 Punkte, 0 Punkte und schließlich minus 3 Punkte. Über diesen drei Spalten thront der Gitarre spielende mexikanische Calavera.

Es geht also darum, dem Tod rechtzeitig von der Schaufel zu springen. Das ist mit Hilfe der Joker möglich, die in diesem flotten Spiel eine Doppelfunktion haben. Die fünf Spalten vor der „Todeszone" stechen gelb hervor. In diesem Bereich kann man mit Jokern sein aktuelles Ergebnis einer Farbe „einfrieren" und sich die entsprechenden Punkte auf jeden Fall sichern. Je nach Spalte sind dazu zwei oder drei Joker in einem Wurf nötig. Selbstredend: die „eingefrorene" Farbe ist für den betreffenden Spieler ab sofort endgültig abgehakt.

Die zweite Funktion der Joker ist, damit eine Wunschfarbe zu werten. Dabei dürfen allerdings Joker-Würfel und Würfel dieser Wunschfarbe nicht addiert werden. Entweder, oder.

Sofortiges Spielende ist, wenn der erste Spieler alle Farbzeilen „eingefroren" hat. Dann werden die Punkte von den Bonuslinien und der Farben zusammengezählt. Wer die meisten hat, gewinnt.

Eine Partie Calavera dauert etwa 20 Minuten. Dabei erhöht sich der Spannungsbogen rasch. Das liegt an den geschickt gesetzten Bonuslinien einerseits, andererseits an der Hoffnung auf noch ein bisschen mehr Punkte (Sequenz: 4 - 5 - 6 -8- 10), gefolgt vom drohenden Absturz. Das kann sehr schnell gehen, weil man, wie erwähnt, durch die Calaveras des aktiven Spielers zum Ankreuzen einer Farbe gezwungen werden kann, was man partout nicht gewollt hat.

Andererseits kann die Totenkopf-Regel auch Mut belohnen. Zwei Calaveras ist ersten Wurf? Muss noch keine Tragödie sein, wenn man es – nur als Beispiel – auf Kreuze der Farbe Orange abgesehen hat, von denen ebenfalls zwei im Wurf vertreten sind. Die restlichen beiden Würfel noch ein oder zwei Mal schmeißen und wenn einem das Glück hold ist, hat man am Ende 2 Calaveras und lauter Orange. Man schreibt die vier Orange an und weil keine dritte Farbe im Wurf ist, nützt es auch den Mitspielern nichts. Denn die müssen sich ja für eine andere Farbe entscheiden …

Man sieht: Calavera ist mit seinen einfachen aber raffinierten Regeln sehr ausgewogen. Und die kleine stabile Schachtel lässt sich überall hin mitnehmen. Selbst im Flieger nach Mexiko zum "Dia de los Muertos" ließe sich problemlos spielen.

 

 

 Nochmals spielen?  

Ja!

 Rund ums Spiel  

Das Rezensionsexemplar wurde von Kosmos zur Verfügung gestellt

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