• 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9

Spielwiese-Test 592: Arbos

Bäumchen, wackel nicht!

Mit dem "Sonderpreis Kinderspiel 2000" ausgezeichnet. Aber keineswegs ein Kinderspiel.

Aus der Spielwiese 56 (2000)

 

Blatt um Blatt, Ast um Ast, fügt sich der Arbos-Baum zusammen.
 

 Gleich vorweg, warum Sie diesen Spieletest in der Rubrik Kinder finden: Das Spiel erhielt dieses Jahr von der Jury Spiel des Jahres den Sonderpreis Kinderspiel (siehe auch Kasten "Zweiter Jury-Preis" ) zugesprochen. Arbos wird dadurch den Stempel Kinderspiel vermutlich nicht mehr loswerden, auch wenn man über diese Kategorisierung geteilter Meinung sein kann.

Arbos ist kein Kinderspiel! Es wurde von seinen Autoren auch nicht als solches erdacht. Arbos können Kinder miteinander spielen, das stimmt, und zwar schon knapp Sechsjährige. An Arbos haben aber auch reine Erwachenenrun­den ihre Freude, und Arbos können Erwachsene mit Kindern und umgekehrt spielen. Es auf das Etikett Kinderspiel zu reduzieren, halten wir für verkehrt.

Eigentlich ist es ein Familienspiel im ­besten Sinn. Nun aber genug damit. Zu Arbos selbst. Wenn Sie Jenga (Spielwiese 1/90 und 36) kennen, dann ist Ihnen das Prinzip bekannt: Bauen, bis etwas umfällt. Fällt etwas um, dann muss der auslösende Spieler diese Teile wieder in seinen Vorrat nehmen. Wer als Erster seine Teile los ist, hat gewonnen.

Bei Arbos sind es jedoch keine Holzlättchen, sondern Äste (naturfarben) und Blätter (grün) eines Baumes. Im Stamm und in den Ästen gibt es Löcher, in die Blätter oder andere Äste gesteckt werden können. Das Spielmaterial ist ausschließlich Holz. Der Baum wächst und wächst in die Höhe und zur Seite.

Zweiter Jury-Preis

 

Die Jury Spiel des Jahres hat die Zeichen der Zeit erkannt: Wenn nicht schon die Kinder zum (Brett-)Spiel herangeführt werden, dann werden sie als Jugendliche und Erwachsene nicht mehr auf den Geschmack kommen. Zu groß und scheinbar übermächtig sind all die anderen Verlockungen der Freizeitindustrie. Aus den bisher fallweise vergebenen "Sonderpreisen Kinderspiel" wird ab 2001 ein jährlich vergebener und zum Kritikerpreis Spiel des Jahres gleichwertiger zweiter Preis, das Kinderspiel des Jahres.

Innerhalb der Jury legt sich Edwin Ruschitzka besonders ins Zeug und hat die Federführung dafür übernommen. Der Vergabemodus wird sich allerdings zum bisherigen Hauptpreis unterscheiden, wie er der Spielwiese erklärte: "Es wird eine ,Unterkommission' geben, die unsere Satzung vorsieht. Sie besteht aus drei Mitgliedern der Jury und einem Beirat". Dieser wird, damit die Mitgliederzahl ungerade bleibt und somit Patts vermieden werden, vermutlich vier Journalisten von außerhalb der Jury umfassen. Derzeit führt Ruschitzka erste Gespräche. Diese sieben Leute werden das Angebot aktueller Kinderspiele testen und analog zum Kritikerpreis Spiel des Jahres drei davon für die Auszeichnung nominieren. Der Mix interner und externer Spielekritiker ist ein brauchbarer Kompromiss (schließlich hat nicht jedes Jury-Mitglied gleich viel mit Kinderspielen am Hut).

Dass bereits von Beginn an Mitglieder der Jury involviert sind, soll die Auszeichnung eines Spiels verhindern, zu der die Jury aus Satzungsgründen nicht stehen kann. Schließlich "haftet" sie ja mit ihrem Namen für die Wahl.

Der diesjährige Sonderpreis für Arbos deutet laut Ruschitzka bereits eine bestimmte Richtung an: "Wir wollen nicht die 40. Farbwürfelvariante auszeichnen, sondern Spiele, bei denen auch Ältere gefordert sein können. Das wäre ideal."

Aus Spielwiese 56 (2000)


 

   

Schon beim zweiten, dritten Teil, das man anfügt, ist man von diesem Spiel und seiner Ästhetik eingenommen, garantiert. Als ob der Wind durch die Äste pfeift, wird sich der allmählich entstehende Baum mal dahin, mal dorthin "wiegen". Selbst wenn man Arbos sozusagen in seiner Grundregel spielt: Sockel auf den Tisch, Stamm reingesteckt, und los geht es! Da bewegen sich dann Äste und Blätter nur im Spielraum der eigenen Achse (wenn sie nicht herunter fallen). Die Autoren haben dem Spiel mit einem einfachen Trick aber noch einen zusätzlich Kick, wenn man will: für Fortgeschrittene verpasst. Der Stamm hat unten ­eine Nut, wodurch ­­ er sich bis zu einem bestimmten Grad nicht nur in die Ringscheibe des Sockels stecken lässt, sondern durch die Scheibe. So wird aus dem Sockel eine schiefe Ebene und der ganze Baum beginnt sich zu drehen, je nachdem, wie sich sein Gewicht verlagert. Dann ist Arbos eine wahre Herausforderung.

Man darf den beiden Autoren, die mit ihren Frauen das Spiel bisher nach der Arbeit zu Hause "produzierten", wünschen, dass ihre Idee und Umsetzung viele Käufer findet. Leute nämlich, die gerne spielen, und solche, die ein originelles und ansprechendes Geschenk suchen, das zum Spielen verleitet. Das tut Arbos garantiert.




 Nr. 592: Arbos

 

Spielwiese-Code  |   | E | 6 |

1999: M+A Spiele

  • Geschicklichkeitsspiel für 2 bis 8 Spieler ab 5 Jahre
  • Autoren: Armin Müller, Martin Arnold
  • Verlag: M+A Spiele
  • ca.-Preis: 33,50 €

   Themen: Pflanzen, Bäume

      Preis-Leistungsverhältnis   
      Spielmaterial 
      Wiederspielreiz        
      Anspruch
  
   Glücksanteil        

  • Zielgruppe: Familien
  • Es schaut alles so einfach aus: Man steckt den ersten Zweig in den Stamm, dann ein Blatt usw. Doch dann beginnt der Baum zu wackeln und der Baum ist einsturzgefährdet. Wem etwas herunterfällt, muss es wieder zum Vorrat nehmen.
  • Spielreiz: sehr hoch
  • Spielmaterial: sehr gut

Auszeichnungen

  • Sonderpreis Kinderspiel 2000


 

Drucken E-Mail

Selbstverständlich erfüllt diese Website die Pflicht zum Hinweis auf den Einsatz von Cookies. Durch Cookies können Internetseiten nutzerfreundlicher, effektiv und sicherer gemacht werden. Durch die Nutzung dieser Website erklärst du dich damit einverstanden, dass sie Cookies verwendet. .