Biedermeier-Kitsch
Kein Klischee wird ausgelassen, wenn sich drei bis fünf Spieler per Würfel zu einen Ausflug durch Wien des 19. Jahrhunderts aufmachen.
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Nr. 1168: Vienna | Spielwiese-Code | |
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Was ist's?
Für wen?
Was braucht's?
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Vienna ist würfeln, Würfel setzen und Aktionen ausführen. Hier der Spielplan mit der Nachtansicht. Bild: Schmidt |
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Die gute Nachricht
Vienna spielt sich bei einer Fülle taktischer Möglichkeiten relativ schnell.
Die schlechte Nachricht
Ein besonderes Wien-Feeling stellt sich nicht ein.
Rein ins Spiel!
Vienna ist nur auf den ersten Blick ein Spiel mit vielen Würfeln. Denn eigentlich sind die Personen- und Sonderkarten entscheidend. Die Würfel sind das Vehikel, um sie zu bekommen. Die Mischung hat bei den Kritikerkollegen bisher zwiespältige Resonanz gefunden. Von „langweilig“ bis „überraschende Spieltiefe“ ist alles vertreten. Beides hat seine guten Begründungen. Eines ist jedoch auf jeden Fall eingangs festzuhalten: Vienna ist definitiv kein Spiel für Freaks, sondern ein klassisches Familienspiel.
Die Familie hat es mit einem übersichtlichen Spielplan zu tun, auf dem sich eine Straße als „S-Kurve“ durch die Stadt schlängelt. Entlang der Straße befinden sich Gebäude und Attraktionen (Felder), die jeweils eine Aktion bestimmen. Die Regeln sind relativ einfach. Jeder Spieler hat eine bestimmte Anzahl von Würfeln. Ist er an der Reihe, setzt er einen oder zwei Würfel auf eines der Felder. Augenzahl und die Zahl auf dem Feld müssen übereinstimmen. Das geht so lange, bis alle Spieler alle ihre Würfel gesetzt haben. Dann kommt es zur Zwischenwertung, zum Punktesammeln (abgesehen davon, dass einige Felder unmittelbaren Punktegewinn bringen). Wer als Erster 25 oder mehr Punkte erzielt, ist Sieger bei Vienna.
Die wichtigste Regel beim Einsetzen der Würfel besteht darin, dass dies immer entlang des Straßenverlaufs erfolgt, mahnt die Spielregel. Die Spieler würden sich mit ihrer Kutsche vorwärts durch die Stadt bewegen, lautet die Geschichte. Je weiter die Fahrt durch Wien geht, umso lukrativer werden die Felder, dafür werden sie aber auch teurer. Mit anderen Worten: Man braucht schlicht hohe Würfelergebnisse, um bei Vienna gut abzuschneiden. Also Glück. Dem lässt sich mit dem Einsatz von Münzen etwas nachhelfen. Münzen gibt’s natürlich auch über bestimmte Felder.
So verläuft Vienna sehr linear, jede Runde gleichförmig. Worin die Abwechslung und der Reiz liegt, sind die Personenkarten. Wie schon ganz am Anfang gesagt, braucht es die Würfel, um an sie heranzukommen. Die Personen an sich sind bedeutungslos, es kommt darauf an, wie viele Symbole die Karten zeigen. Denn auf bestimmten Feldern lautet die Aktion, die Anzahl der eigenen gesammelten Symbole mit der Anzahl seiner beiden Spielnachbarn zu vergleichen. Hat man mehr oder gleich viele, erzielt man Punkte. Zweiter wichtiger Punkt, gleichsam der Schlüssel für ein gewisses interaktives Spielgefühl bei Vienna: Alles passiert offen. Man sieht jederzeit, wer was (schon) hat und sollte somit abschätzen, worauf es die Mitspieler abgesehen haben könnten. Dementsprechend versucht man den Gegnern die „guten“ Felder wegzunehmen und sie für sich zu sichern. Jedes Feld kann pro Runde nur einmal mit Würfeln besetzt werden. Aber, und hier greift wieder die Grundregel: Man muss sich mit seiner imaginären Kutsche beim Setzen seiner Würfel stets vorwärts bewegen. Manchmal ist der Verzicht auf eine buchstäblich naheliegende Aktion langfristig besser.
Insgesamt ergibt das eine ausgewogene Bilanz aus Glück und Taktik.
Zu guter Letzt ein paar Worte zur Gestaltung von Vienna. Dabei wurde kein Wien-Klischee ausgelassen. Von Sachertorte bis Kaiserin Sisi ist alles vertreten. Das Cover ist purer Biedermeier-Kitsch. Was es darauf sowie auf dem Spielplan zu sehen gibt, ist in der Realität so nicht zu sehen. Auf dem perspektivischen Spielplan sind markante Gebäude und Bauwerke Wiens so gruppiert, dass alles möglichst voll ist. Dass das Riesenrad neben der Oper, der Stephansdom vis à vis des Rathauses steht, ist ein Witz. Ärgerlich. In anderen Spielen, beispielsweise Brügge, hat sich der Illustrator Michael Menzel weit mehr an die Wirklichkeit gehalten. Dass die Rückseite des Spielplans Wien bei Nacht zeigt, ist zwar nett, aber bringt rein gar nichts, weil außer abgedrehter Sonne kein Unterschied besteht.
Überhaupt: Eine Handvoll markanter Gebäude, verbunden mit bestimmten Aktionen, fände sich auch woanders. Demnach könnte das Spiel auch Kopenhagen, Nairobi oder Castrop-Rauxel heißen. Aber das ist jetzt Haarspalterei. Wichtig ist, das Spielprinzip funktioniert. Ein spezifisches Wien-Gefühl als Draufgabe wäre schön gewesen.
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Nochmals spielen?
Lassen wir es mal zuhause im Spieleregal stehen. Für den Fall, dass Menschen zu Besuch kommen, die Vienna nicht kennen und bereit für eine Art kleine Einführung in taktisches Verhalten sind. |
Rund ums Spiel
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Kommunikation mit der Familie, Beisammensein, Sich-gegenüber-sitzen, gemeinsam Zeit miteinander verbringen und Spaß dabei haben.