Ohne Glück ein hartes Pflaster
Die Altersempfehlung 10+ sollte man ernst nehmen. Calçada ist ein Familienspiel, das doch einiges an taktischen Überlegungen abverlangt. Je nachdem, wann die 125 Calçada-Plättchen ins Spiel kommen, entscheidet sich, ob der eingeschlagene Weg sich auszahlt oder man gefühlt vom Pech verfolgt wird.
.
![]() |
Nr. 1601: Calçada | Spielwiese-Code | |
|
|
Was ist's?
Für wen?
Was braucht's?
|
.
Die gute Nachricht
Überraschend knifflig
Die schlechte Nachricht
Wo fangen die Bezirke an, wo hören sie auf? Unbefriedigend gelöst, weil einmal gelegte Calçada-Plättchen die Grenzlinien verdecken
![]() |
| Mit der Übersichtlichkeit darf man durchaus Mühe haben: Mehrere Spielelemente greifen hier, nicht sofort durchschaubar, ineinander. Bild: Piatnik |
Rein ins Spiel!
Beginnt man das Spiel aufzubauen, erinnert es unweigerlich an Azul. Portugal … auch hier. Geflieste Flächen … dito. Ein Spieltableau in der Mitte, aus dem man sich an bunten Steinen bedient … auch hier. Doch: Calçada ist dann doch ganz anders als Azul. Schon gar nicht ist es so schön wie das Spiel des Jahres von 2018, bekamen wir öfters zu hören. Nun, mit den bunten und handschmeichlerischen Kunstglas-Steinen dort können die Holzwürfel des Piatnik-Spiels gefühlsmäßig nicht mithalten.
Sie haben hier auch eine andere Funktion. Sie heißen hier Pflastersteine, denn der Name des Spiel bedeutet übersetzt Wegpflasterung. Die ist in Portugal vielfach besonders. 15 solcher Pflastersteine in fünf Farben werden ungleichmäßig und zufällig auf fünf der sechs Felder des Spielbretts in der Mitte verteilt. Ein Feld bleibt vorläufig leer. Wie bei Azul – und damit ist jetzt auch Schluss mit den Vergleichen – gibt es darauf für die Spieler zentral einen ganz eigenen Auswahlmechanismus. Dabei musst du zwei, drei Dinge beachten, zu denen wir gleich im Detail kommen. Zuvor aber sei dein eigenes Spieltableau grob erklärt, auf dem du vornezu Punkte sammelst.
Das Tableau symbolisiert wohl einen riesigen Platz, den du in verschiedenen Mustern pflastern willst. Muster sind gleichzeitig die Farben im Spiel. Alle haben auf ihren Tableaus (beide Seiten sind unterschiedlich bedruckt) die gleichen räumlich abgestuften Bezirke mit den gleichen Zahlen von 1 bis 5 auf 5 x 5 Feldern. Auf diese Felder platzierst du Calçada-Plättchen, die einerseits einen bestimmten Hintergrund – die Pflasterung – in einer der fünf Farben haben, und andererseits eines von fünf Motiven zeigen. Ein Brunnen, ein Kiosk oder auch eine Straßenbahn stehen für eine bestimmte Umgebung, die du pflasterst. Deine Aufgabe ist es in die Bezirke nur Calçada-Plättchen mit gleichem Hintergrund zu legen. Ist ein Bezirk voll, gibt es Punkte. Mehr Punkte gibt es am Ende, wenn du möglichst viele gleiche Motive zusammenhängend gelegt hast – unabhängig (!) von deren Hintergrund.
Du musst also beim Legen zwei Wertungsparameter beachten. So – und damit kommen wir wieder an den Anfang mit den Feldern und den bunten Pflastersteinen auf dem Spielbrett in der Tischmitte. Auf dem Tisch liegen auch (es wird nachgzogen, so lange der Vorrat reicht) offen drei Calçada-Plättchen je Farbe. Willst du zum Beispiel auf deinem Tableau ein rotes Calçada-Plättchen auf ein Feld mit der Zahl 4 platzieren, dann musst du Ausschau halten, wo exakt vier Pflastersteine auf einem der sechs Felder des Spielbretts in der Tischmitte liegen, und mindestens einer davon sollte rot sein. Die Anzahl bestimmt die Zahl. Das sagst du an, in diesem Beispiel "4 rot" und nimmst eines der ausliegenden roten Calçada-Plättchen und legst es bei dir auf deinem Tableau auf ein Feld mit der 4. Den roten Pflasterstein, der sozusagen alles ausgelöst hat, verschiebst du nun um ein Feld im Uhrzeigersinn weiter. So ändert sich nach jedem Zug die Konstellation auf dem Spielbrett.
Auch wenn Calçada recht autistisch ist, schadet es nichts, wenn du in deine Überlegungen einbeziehst, was du durch das Verschieben des Pflastersteins für den oder die nachfolgenden Spieler ermöglichst oder nicht.
Das ist im Groben das Spiel. Feinheiten wie Bonusplätchen und Wertungsskala wollen wir an dieser Stelle großzügig übergehen. Sie sind durchaus spielentscheidend, doch wir konzentrieren uns hier besser auf das Spielgefühl und die Spieltiefe von Calçada. Es braucht seine Zeit, um in den Spielfluss zu kommen, was auch an der gewöhnungsbedürftigen Grafik liegt. Grübelstarre, wie es ein Testspieler nannte, ist bei diesem Familienspiel nicht auszuschließen. Die 45 Minuten, die man angeblich braucht, sind aber machbar. Rechne beim ersten Mal dennoch mit einer Stunde.
In diesen 60 Minuten wirst du nach und nach merken, dass es doch einige, zuerst unscheinbare Stellschrauben sind, die man drehen kann bzw. die durch den Ablauf gedreht werden. Und weil von einer Farbe immer nur maximal drei Calçada-Plättchen offen in der Auswahl liegen, schnappt gefühlt der Vordermann immer genau jenes vor der Nase weg, das du haben wolltest. So ist das Leben. Auch in Portugal …
|
Nochmals spielen? Eventuell. |
Rund ums Spiel
Das Rezensionsexemplar wurde von Piatnik zur Verfügung gestellt |




