Ohne Aufträge aufgeschmissen
2001 zeigte sich Alea in der noch jungen Verlagsgeschichte zum zweiten Mal von der italophilen Seite. Das Ziel dieses Mal: Geld scheffeln. Eine Rückschau aus Anlass der Wiederauflage von Die Händler von Genua als Genoa.
Überarbeitet aus Die Spielwiese 61 (2001)
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Anfangs besteht der Händerturm immer aus fünf Steinen. Der Zugspieler entscheidet Stein für Stein, wohin die Reise für die Spieler geht, indem er pro Feld einen Stein absetzt. Bilder: Spielwiese |
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| Die Waren laut großem Auftrag wurden in die Villa Colini gebracht. Dafür gibt es Dukaten und eine Sonderkarte. | |
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Der Spielplan in der Übersicht. Auf den Randfeldern gibt es die Waren und Sonderkarten zu ergattern.
Bild: Alea |
Alea macht es den durchschnittlichen Spielern deutlich leichter als bei Die Fürsten von Florenz: Die Händler von Genua auf die leichte Spielerschulter zu nehmen, wäre trotzdem ein Fehler. In dem Spiel steckt mehr Anspruch, als es das erste Anspielen vermuten lässt.
Der erste Eindruck: Es ist ein ziemliches Konstrukt und hat mit irgendwelcher Realität nur wenig zu tun. Genua? Die Wahl ist reiner Zufall. Weil es ein Hafenfeld gibt, muss es halt eine Hafenstadt sein. "Die Händler von Cuxhaven" klänge lange nicht so elegant.
Geheimsache
Das Spiel wird die Masse nicht begeistern können. Dazu braucht es schon die irgendwann erfundenen Vielspieler, an die sich der Verlag explizit wendet. Nehmen wir also an, Sie sind so ein Vielspieler. Durch zwölf Seiten Regelwerk lassen Sie sich nicht abschrecken. Es sind ja bunte Bildchen drin. Zum besseren Verständnis braucht es die auch. Die Händler von Genua ist ein Wirtschaftsspiel, bei dem es um die Erfüllung von Aufträgen geht. Die Aufträge werden vor den Mitspielern geheim gehalten. Sonst würde das Spiel nicht funktionieren.
Geld kassieren
Wer einen Auftrag erfüllt, erhält Dukaten aus der Bank. Es gibt Aufträge, die heißen auch so: große und kleine. In beiden Fällen müssen Waren zu bestimmten Gebäuden gebracht werden (dazu später). Es gibt auch Aufträge, die nicht so heißen, sondern Botschaften. Dabei genügt es, dass innerhalb eines Spielzuges die beiden Gebäude, die auf einer Botschaften-Karte stehen, besucht werden. Für die erfolgreich überbrachten Botschaften gibt es relativ viel Dukaten. Es lohnt sich durchaus, diese "Aufträge" zu sammeln.
Damit sind wir beim ersten wesentlichen Punkt von Die Händler von Genua: Aufträge, Botschaften, Waren und Sonderkarten (auch dazu später) erhält man, wenn man als Spieler bestimmte Gebäude (dazu zählen auch der Hafen und der Park) von Genua aufsucht. Damit sind wir beim zweiten wesentlichen Punkt des Spiels: Wie kommt man dorthin?
Das "Wandern"
Es gibt einen so genannten Händlerturm. Das sind fünf braune Holzscheiben. Zwei Würfel geben die Koordinaten für den Spiel=Stadtplan, wo er aufgestellt wird. Das ist entweder eine Gasse oder schon ein Gebäude. In diesem Gebäude könnte der Spieler, der am Zug ist bereits eine Aktion ausführen. Zum Beispiel Waren nehmen, die es dort gibt, oder einen neue Auftragskarte ziehen. Will ein Mitspieler das allerdings auch, dann wird um die Ausführung dieser Aktion gesteigert. Der Zugspieler kann eines der Angebote annehmen, muss aber nicht. Bieten kann man neben Geld auch jede Form von Werten, also Waren, Karten etc. Das will überlegt sein, denn jeder der Spieler hat pro Spielzug nur einmal die Möglichkeit eine Aktion durchzuführen. Ein Spielzug ist zu Ende, wenn der Zugspieler das sagt. Er muss nicht alle fünf Händlersteine "ausfahren".
Wenn er es – trotzdem – machen will, können ihm die Mitspieler dafür Angebote unterbreiten, ein bestimmtes Nachbarfeld zu besuchen. Wandert der Händler weiter, wird die unterste Scheibe auf dem soeben besuchten Feld zurückgelassen, der restliche Turm zieht auf ein benachbartes Feld. Dort geht es von Neuem los. Hat der Zugspieler bis zu fünf Felder besucht, ist der nächste Spieler der Zugspieler. Ist jeder einmal Zugspieler gewesen, ist eine Spielrunde vorbei. Das Spiel selbst ist nach einer spielerzahlabhängigen Anzahl von Runden beendet.
Nun zurück zu den Details, die das Spiel bestimmen. Im Kern geht es darum, dass der Händler bestimmte Gebäude, also Felder, besucht und man dort die Aktion seiner Begierde ausführen kann. Wohin der Händler gezogen wird, das ist alleinige Entscheidung des jeweiligen Zugspielers. Und der kann ganz schön egoistisch agieren, um nicht zu sagen: gemein! Beispielsweise hat er sich vorher schon einmal in der Kutscherei die Sonderkarte Beliebiges Startfeld ergattert. Er könnte nun auf das Auswürfeln des Startfeldes verzichten und den Händler auf ein Feld seiner Wahl stellen, die Aktion selbst ausführen und den Spielzug für beendet erklären. Dann hätte er in diesem Spielzug ganz allein einen Vorteil gehabt. Er kann den Spielzug auch nach dem Besuch des zweiten, dritten oder vierten Feldes beenden, um die anderen einzubremsen. Gerade, wenn einer den Wunsch geäußert hat, doch ein bestimmtes Gebäude zu besuchen
Im Laufe des Spiels immer mächtiger werden die verschiedenen Sonderkarten, vor allem diejenige, mit der man innerhalb eines Spielzugs eine zusätzliche Aktion ausführen darf.
Man sieht anhand dieser Beispiele, dass Einiges in diesem Spiel steckt. Auch wenn die Situationen, wie erwähnt, sehr konstruiert sind. Für Spielerfahrene läuft Die Händler von Genua dennoch rund. Außerdem ist das Spiel überraschend kommunikativ, was unbedingt als Pluspunkt vermerkt werden muss. Es ist allerdings ein Spiel, das ein gewisses Maß an spielerischer Erfahrung verlangt.
Kleinvieh
Generell ist zu empfehlen, stets den möglichst einfachen Weg zu gehen. Die Erfüllung eines großen Auftrags bringt zwar 100 Dukaten und eine Sonderkarte nach Wahl, doch dazu ist nicht nur einiges an Aufwand, sondern auch noch eine Portion Glück nötig. Zum Vergleich: 90 Punkte hat man schon mit drei überbrachten Botschaften. Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist, das gilt für dieses Spiel besonders.
Entscheidend ist, sich möglichst früh mit Botschaften, kleinen und großen Aufträgen einzudecken, um sie bei der ersten Gelegenheit in klingende Münze umzusetzen.
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Nr. 673/1022: Die Händler von Genua/Genoa |
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Spielwiese-Code | |
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2009: Filosofia
2001: Alea
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Themen: Städte, Handel
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Auszeichnungen
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Preis-Leistungsverhältnis
Anspruch
