27. JÄNNER 2015
Ich wage folgende Behauptung
-------------------------------------------------- ARNO
MILLER --------------------------------------------------
Heute startete die Spielwarenmesse in Nürnberg mit dem Pressetag. Eine der ersten Erkenntnisse: Toiletten sind bei Kindern ein Thema.
Das gehört zu den Gründen, warum ich meinen Beruf liebe. Als Journalist stößt man fast jeden Tag auf Unerwartetes. Bis heute hätte ich mir nicht träumen lassen, dass Lego sich intensiv mit Toiletten, genauer: mit Baustellenklos beschäftigt.
Lego hat eine Unzahl an Themenreihen für seine Noppensteine. 2015 kommen Bausätze fürs Beseitigen von Gebäuden auf den Markt. Abrissbirne und so. Absolut destruktiv. Da kann man nicht nur was kaputt machen, man soll es sogar. Das gefällt hundertprozentig, weil es tief schlummernde Bedürfnisse befriedigt. Und was gehört zu einer solchen und jeden Baustelle? Richtig, das (meist) blaue Baustellenklo!
|
|
Lego gibt den Kindern das Baustellenklo (Bild). Als Abbild der realen Welt. Kinder würden das nicht nur erwarten, heißt es von der Lego-internen Consumer-Forschung. Toiletten seien bei Kindern auf jeden Fall ein Thema. Ich vermute, weil es Erwachsene eher vermeiden darüber sprechen.
Eine Stunde später. Ich blättere in den Informationen zu den Neuheiten von Haba. „Kalle Klopirat“. „Wichtiges Thema, originell verpackt …“, lese ich, und „Buch mit Klodeckel und Klobrille zum Ausklappen“.
Zwei relevante Spielwarenhersteller am Puls der Zeit? Bricht womöglich das Jahrzehnt der Toilette an? Wahrscheinlich nicht.
Mit zeigen die beiden Beispiele nur einmal mehr, wie unterschiedlich die Bereiche Kinder und Erwachsene/Familien in der Spielwaren- bzw. Spielebranche determiniert sind. Mir fallen spontan lediglich zwei Spiele – Pecunia non olet! von Noris und Drunter & drüber von Hans im Glück – als Familien/Erwachsenenspiele ein, in denen Klos irgendeine Rolle spielen.
Ich wage folgende Behauptung. Das Spiel an sich hätte in Erwachsenenkreisen einen höheren, selbstverständlichen Stellenwert, nicht dieses Kinderkram-Image, würden sich Spiele öfter an der Lebensrealität von Erwachsenen bzw. Familien orientieren. Nichts gegen Drachen, Südseeinseln, mittelalterliche Zünfte etc. – aber wo bleiben die Spiele, in die sich die Spieler (gedanklich) nicht flüchten müssen, sondern mitten im Leben spielen?
Was denkst du darüber?


… die einfachste Art zu verreisen.