3. FEBRUAR 2015
Schweine, Schafe und Pegida
-------------------------------------------------- ARNO
MILLER --------------------------------------------------
Die Sache ist sensibel. Dürfen bei einem Kinderspiel Schweine zugunsten von Schafen geopfert werden, weil es immer mehr Kinder mit migrantischem Hintergrund gibt?
Wenn ein nicht unbedeutender deutscher Kinderspieleverlag bei einem seiner Bestseller putzige rosa Schweinchen vom Bauernhof verbannt und den Kindern dafür ebenso putzige weiße Schäfchen hinstellt – „Na und?“, könnte man rufen.
Es liegt schließlich in der freien Entscheidung eines Verlages, das Material seiner Spiele zu gestalten, zu ändern und an die Zeitströmungen anzupassen. Genau mit diesen Zeitströmungen wird der Schritt begründet: Es gebe immer mehr „Migrantenkinder“ in Deutschland, heißt es. Und man muss es nicht aussprechen, man weiß auch so, wie es gemeint ist: Migrantenkinder mit islamischem Hintergrund.
Bei ihnen (bzw. ihren Eltern) kommen Schweine nicht so gut an.
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«Den Verlag in eine bestimmte politische Ecke zu rücken, wäre völlig überzogen. |
Das behindert den Verkauf des Spieles. Es ist also eine nachvollziehbare logische geschäftliche Entscheidung. Zumal den anderen Kindern (und Eltern) wohl egal ist, ob sie (neben anderem Getier, wohlgemerkt) Holzferkel oder Holzlämmer aufs Spielbrett stellen.
Wie alles haben auch Zeitströmungen mindestens zwei Seiten. Eine davon ist in diesem Fall die Pegida-Bewegung. Meines Wissens nach haben deren selbsternannten Retter des Abendlandes von der Adaptierung des beliebten „deutschen“ Kinderspiels noch nicht Wind bekommen. Ich hoffe, das bleibt auch so.
Spiele, und erst recht Kinderspiele, sollten nämlich nicht zum Spielball politischer Auseinandersetzung werden. Zwar kann ein Spiel als Abbild von Teilbereichen einer Gesellschaft gar nicht unpolitisch sein. Denn Politik ist der Überbegriff aller Dinge, die ein Gemeinwesen betreffen. Doch ein einfaches Bauernhof-Spiel oder den Verlag in eine bestimmte politische Ecke zu rücken, weil auf gesellschaftliche Veränderungen reagiert wird, wäre völlig überzogen.
Die Sache ist sensibel, ja. Sehen wir sie deshalb zuerst einmal pragmatisch. Kinderspiele bewähren sich jeden Tag, Kinder verschiedener Herkunft und verschiedener sozialer Verhältnisse für gemeinsames Handeln und Interaktion zu begeistern. Sie sitzen beisammen, haben hoffentlich Spaß dabei, lernen vielleicht sogar etwas.
Da ist es zweitrangig, welche Tiere im Spiel sind.
Was denkst du darüber?

… die ganze Welt auf einem Brett!