Eine große Schar an Freunden, Partnern und Wegbebleitern hat gestern Harald Bilz zu seiner letzten Ruhestätte begleitet. Der Gründer und Chef des Heidelberger Spieleverlages hinterlässt viele Spuren. Die heimischen Spielefans verdanken ihm viele Entdeckungen origineller Spielideen.
7. SEPTEMBER 2016
Mit langen Haaren und originellen Hüten fiel Harald Bilz unter den Spieleverlegern schon optisch aus der Reihe. Das Outfit täuschte. Harald Bilz war durch und durch Geschäftsmann. Nicht immer lief es gut und reibungslos. Da gingen Kooperationen in die Brüche, weil sich, zum Beispiel, nachdem gemeinsam erste Erfolge erkämpft worden waren, Partner nach größeren Verbündeten umsahen. Er ließ sich allerdings nicht beirren, er gehörte zu jenen, die Krisen als Chancen begriffen.
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Ich glaube, Harald hätte uns ein weiteres Mal überrascht.
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So hinterlässt Harald Bilz viele Spuren in der Spielerzene und Spielebranche. Er war maßgeblich an der Implementierung sogenannter Flagship-Stores im Fachhandel beteiligt. Oder: Ohne ihn und Heidelberger hätten viele herausragende Spiele aus den USA, aus dem romanischen Raum und in den vergangenen Jahren vermehrt aus Osteuropa nicht den Sprung auf den weltweit größten Spielemarkt Deutschland geschafft. Zumindest wäre dies später, und sicher in anderer Form erfolgt.
Harald und ich haben oft über die sich verändernde Spielebranche und Spieleszene gesprochen. Es war anregend, auch kontroversiell, denn Harald hat sich selten ein Blatt vor den Mund genommen. Solche Begegnungen konnten unerwartet sein. Wie vergangenes Jahr auf der Spielwarenmesse in Nürnberg. Im Gang einer der riesigen Hallen, die mit dem zur Schau gestellten Kitsch und Plastik das völlige Gegenteil zu seinem Verlag verkörperte, stand der Mann mit Hut. Er nehme sich bewusst einen Tag Auzszeit, erklärte er, und lasse die "andere Welt" der Branche auf sich wirken, um vielleicht neue Schlüsse zu ziehen.
Harald Bilz war Spieleautor (so hatte es begonnen), Verleger und Händler (so musste es kommen) und, das vermerkt sein Verlag zurecht unter seinen Namen: Visionär. Er hatte dem Mainstream, der Verdisneysierung der Branche stets etwas entgegenzusetzen. Das machte seinen Spieleverlag groß und als Lotse in neue Vertriebskanäle für zahlreiche Verlage relevant, die wie einst "die Heidelbären" sich ihr Publikum erst erobern mussten.
Auch davon war gestern Nachmittag die Rede in unzähligen Gesprächen, als Familie und eine große Schar Freunde, Partner, Wegbegleiter und Mitarbeiter Harald Bilz zur letzten Ruhestätte auf einem Ruhehain in der Nähe von Heidelberg begleiteten. Unter den riesigen Bäumen eines lichten Waldstücks, eingetaucht in ein liebliches, ja geradezu wohliges Herbstlicht. Ein schönes Bild einer letzten, tragischerweise spirituellen Begegnung.
Harald war es nur wenige Wochen vergönnt, sich darüber zu freuen, dass sein Verlag mit Codenames erstmals das Spiel des Jahres stellt. Es ist die wichtigste Auszeichnung der Branche. Mit dem Titel ist nicht nur Prestige verbunden, er füllt auch die Kasse. Wir hätten alle gespannt verfolgt, in welche Richtung er diesen ökonomischen Auftrieb gelenkt hätte. Ich glaube, er hätte uns ein weiteres Mal überrascht.
Wir werden dich vermissen.
A.M.

… ein ehrliches Spiel unter guten Freunden ein redlicher Zeitvertreib.